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Wirtschaft

WIR 9 - Ein Jahrzehnt voller Chancen

von Gerhard Hinterkörner

Die letzten Wochen des Jahres sind auch immer die Zeit der Rückblicke. Ich persönlich halte es ja eher mit Albert Einstein der gemeint hat: "Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben."
Nichts desto trotz denke ich, dass so ein fantastisches Jahrzehnt hinter uns liegt, das es sich verdient, noch einen Blick aus verschiedenen Perspektiven darauf zu werfen.

Vielleicht gelingt es dadurch sogar, eine kleine Einschätzung für die nächsten Jahre zu entwerfen. Ich möchte Ihnen in den verbleibenden vier Wochen einen Rückblick anbieten, der verschiedene Trends beleuchtet, von denen ich glaube, dass sie in den nächsten Jahren Fortsetzung finden. Ob Sie davon auf einer persönlichen Ebene betroffen oder interessiert sind, oder ob Sie eventuell sogar eine Geschäftsidee daraus ableiten könnten, überlasse ich Ihrer Fantasie und Leidenschaft für den angesprochenen Bereich.

Ich möchte mit jenem Bereich beginnen, für den mein Herz in der Vergangenheit geschlagen hat und der auch meine Profession war: Lebensmittel und Kulinarik.

Unglaubliches hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahren getan! Ich hab recherchiert: Vor 10 Jahren gab es im Internet rund 200 Millionen Einträge zum Thema Food-Blog. Heute sind es unglaubliche 5 Milliarden! Alles rund um das Thema Essen hat eine exorbitante Steigerung erfahren. Nicht dass jetzt um so viel mehr gekocht würde, aber es wird unendlich viel mehr berichtet, gepostet und darüber erzählt.

Und viele Bereiche werden dadurch zum Kultstatus erhoben. Schauen wir uns einige Beispiele an. Beginnen wir mit Kaffee! Röstereien in jedem kleinen Ort, kein Café mehr, das nicht mindestens einen diplomierten Barista angestellt hat, Bio-Kaffee - angebaut natürlich nur von kleinbäuerlichen und persönlich bekannten Betrieben - serviert mit Mustern im Milchschaum, die fast zu schade sind, sie einfach wegzuschlürfen. Diesen Kult können sie jetzt ausdehnen auf Craft Bier und Gin. Welchen Gastronom gibt es noch, der kein Craft Bier oder Gin Varianten auf der Karte hat?

Aber auch im antialkoholischen Bereich hat sich viel getan: Schauen sie sich die Flächen im Supermarkt an, die mittlerweile von Soja, Hafer oder Dinkeldrinks eingenommen werden. Einige Meter weiter finden sie dann Superfoods aus Hanf, Ölen, Kapseln, Chia oder irgendeine andere Superkräfte verleihende Schieß-mich-tot-Mischung.

Was ich fast vergessen hätte: Die Avocado! Zentimeter dick verziert sie mittlerweile jeden Frühstückstoast und wird in Krankenhausmengen in den diversen, ebenfalls wie die Schwammerl aus den Boden gewachsenen Frühstückslokalen verzehrt. Veganer, Vege- und Flexitarier sind gleichermaßen begeistert.

Wer jetzt denkt, das große Wachstum findet im Bereich der bewussten und gesunden Ernährung statt, der vergisst die stärkste Wachstumkathegorie überhaupt: den Burger. In allen Varianten wird er angeboten und das 700 g Tomahawk Steak darf auch nicht fehlen.

Alle diese Entwicklungen hätte vor einigen Jahren in dieser Intensität und Ausprägung wohl kaum jemand erwartet.

Sie sind ein Zeichen der Veränderung von Einstellungen. Das vergangene Jahrzehnt war von der Digitalisierung geprägt. 2011 hat Apple das IPad präsentiert. Wenn man so will, war Steve Jobs einer der großen Influencer der vergangenen Jahre. Paradox daran ist, dass er noch durch die klassischen Medien bekannt wurde. Eine Greta Thunberg, die aus meiner Sicht jetzt schon die Weichen für den Megatrend der Zukunft gestellt hat, ist innerhalb kürzester Zeit weltbekannt - und das was sie ausgelöst hat, verzweigt sich in Verästelungen, an die sie vermutlich nicht einmal im Traum denken würde.

Der Klimawandel wird den weitreichendsten Einfluss auf unsere Einstellung und unser Verhalten in Zukunft haben. In Bezug auf unsere Ernährung werden sich oben genannten Trends fortsetzen. Und das birgt große Möglichkeiten. Geht es dabei doch eindeutig weg von „billig, billig“ hin zu Regionalität, Vielfalt, Bio, Herkunft, Tierwohl, usw. Kurz: zu mehr Bewusstsein und Qualität. Sehr viel Entwicklungspotenzial für Unternehmen, die dieser Philosophie in das neue Jahrzehnt folgen wollen!

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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