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Wirtschaft

WIR 7 - Gebildetes Management

Was ist eigentlich Bildung? John F.Kennedy hat einmal gemeint: "Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung."

Eines ist klar, die Gesellschaft und insbesondere die Wirtschaft sucht nach gebildeten Menschen. Und wenn man denkt, man hat einen gefunden, wie sollte man dies dann messen?

08.11.2019

Vor kurzem sah ich in meiner Lieblingssendung auf 3Sat eine angeregte Diskussion zwischen vier Philosophen zu diesem Thema. Auch Richard David Precht war mit von der Partie. Er hat für mich eine schöne Auffassung vertreten. Er meinte, dass der Hauptzweck der Schule darin zu finden sei, dass die Kinder dort lernen sollten, wie man das Zusammenleben mit Menschen gestaltet, die einem nicht so sympathisch sind, die vielleicht anderer Meinung sind. Diesen Diskurs zu lernen und zu pflegen, ohne dass dabei die Neugier und Begeisterung auf der Strecke bleibt, sei der Hauptzweck der Schule.

Natürlich ist das nur ein Aspekt von ganz vielen und die Wiedergabe der Diskussion könnte ein Buch füllen. Aber ich möchte diese Aussage aufgreifen, weil ich in den letzten Wochen mit sehr vielen Vorkommnissen entweder selber konfrontiert war, oder mir Mitglieder der Movement 21 berichten, wie es ihnen derzeit ihm Unternehmen geht. Und für mich entsteht dabei ein Bild, in dem sich eine Schere ganz weit öffnet:

Einerseits gibt es viele Unternehmer und Führungskräfte, die begriffen haben, dass es für die künftigen Anforderungen unserer Arbeitswelt kreative Problemlöser braucht, die in einem befruchteten Umfeld ihr Potenzial entfalten können. Es ist eine unglaubliche Freude zu erleben, welche Dynamik hier gerade in vielen Unternehmen entsteht und welche Erfolge die Firmen damit feiern. Und zwar nicht nur auf einer ökonomischen Ebene, sondern auch auf einer zutiefst menschlichen. Oft ist dieser Paradigmenwechsel mit der Führungsübergabe in Unternehmen verbunden.

Aber es gibt auch die anderen Modelle, und leider höre ich jetzt sehr oft von katastrophalen Entwicklungen. Es gibt offensichtlich eine neue Führungskultur, die völlig befreit von jeglicher Empathie agiert. Führen nach Zahlen, Manager deren einzige Fähigkeit das Lesen von Statistiken ist, unfähig zu kommunizieren und Entscheidungen zu treffen. Mir berichten Bekannte und Freunde, die seit vielen Jahren höchst loyal in Unternehmen arbeiten, dass innerhalb weniger Monate von diesen Führungskräften die komplette Firmenkultur zerstört wurde.  Den Managern fehlt es an den Fähigkeiten des sogenannten "4K-Modells". Es sind dies Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken; letzteres in Bezug auf die Fähigkeit zur Selbstreflexion.

Selbsterkenntnis ist eine grundlegende menschliche Fähigkeit und auch die Grundlage der Intersubjektivität und damit eine wichtige Voraussetzung für ein funktionierendes soziales Zusammenleben und Arbeiten.

Allein in meinem Umfeld leiden derzeit viele Menschen unter diesem Phänomen von Missmanagement. Es ist traurig mitanzusehen, wie schnell sich Einstellungen, Motivation und Loyalität der Mitarbeiter ändern können, nur aufgrund einer völligen Fehlbesetzung im Management. Leider dauert es auch meist viel zu lange bis man bemerkt, welchen Bock man hier zum Gärnter gemacht hat, und der Schaden ist oft nicht mehr wieder gut zu machen. Die Beispiele hierfür lesen oder hören wir täglich in den Wirtschaftsnachrichten.

Jetzt könnte man richtigerweise anmerken, schlechtes Management hat es schon immer gegeben, und die meisten Firmen fahren doch sehr gut damit. Aus meiner Sicht gibt es hier aber einen großen Unterschied. Jammern über die eine oder andere Misskultur, über Entscheidungen die man nicht mittragen kann oder möchte, schwierige Persönlichkeitsstrukturen und dergleichen, ja das hat es immer schon gegeben. Aber das hatte keine so fundamentale Dimension wie jetzt. Wenn sie so wollen, bricht hier eine Mitte weg. 

Jene Schilderungen die auf ein "Na ja, es gibt halt überall etwas, aber im Großen und Ganzen ist es ganz gut bei uns" fehlen mir zusehends völlig. Es gibt die eingangs erwähnten TOP-Bewertungen, jene Manager die erkennen, welche Ressourcen und Möglichkeiten in ihren Mitarbeitern stecken und diese fördern, und jene, die die Hauptschuld daran tragen, dass diese Berufsbezeichnung mittlerweile ein sehr schlechtes Image hat. Und zwar absolut berechtigt!

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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