M21 Blog
Wirtschaft

WIR 3 - Die Gemeinsamen fressen die Einsamen

Vorige Woche hatte ich bei einer Abendveranstaltung das Vergnügen, Herrn Dr. Christoph Teller kennenzulernen. Er ist der neue Institutsvorstand der Universität Linz und hat jahrelang in Schottland und London gelebt und unterrichtet. Für mich war es wieder einmal erfrischend zu sehen, wie grundlegend sich doch Einstellungen von Menschen unterscheiden, die viele Jahre außerhalb Österreichs verbringen, zu jenen, die nie Lust oder Gelegenheit hatten, mal über diesen Tellerrand hinaus zu schauen.

Thema seines Vortrags war: „The Highstreet is dead, long lifes the Highstreet!“. Also für unsere Gegend übersetzt, „Die Innenstadt ist tot, lang lebe die Innenstadt!“.

Die Verödung unsere Innenstädte ist ja ein weltweites Problem, und Herr Teller hat sich viele Jahre mit Lösungen und Konzepten befasst, wie man dieser Entwicklung gegensteuern kann. Bemerkenswert ist schon einmal sein Ansatz, die Emotion aus dieser Diskussion rauszunehmen und sich auch keinen Schuldzuweisungen hinzugeben. Nach dem Motto: „Egal was war, wir starten neu“ sieht er in diesem Wandel – als nichts anderes ist diese Entwicklung zu sehen – auch als Chance, das Gesicht der Innenstadt völlig neu zu gestalten. Es geht nicht darum Amazon, der Politik oder dem Konsumenten die Schuld zuzuweisen, sondern um eine gegenseitige Befruchtung der ansässigen Gewerbetreibenden.

In diesem Kontext hat er die Titelaussage des heutigen Beitrags getätigt: „Die Gemeinsamen fressen die Einsamen“. Was für eine geniale und revolutionäre Erkenntnis und wie weit sind wir doch davon entfernt! In England, jenem Land, in dem der Einkauf per Mausklick schon viel größerer Dimensionen angenommen hat, findet der traditionelle Handel im Kollektiv die richtigen Antworten. Wenn in einer Einkaufsstraße ein Frequenzbringer rausfällt, z.B. ein McDonalds oder ein H&M, wird im Kollektiv und mit professioneller Unterstützung nach dem richtigen Nachfolger gesucht.

Zu diesem Kollektiv besteht sogar eine Verpflichtung, die durch einen finanziellen Beitrag untermauert wird. Die Abwanderung der Konsumenten zum Online Handel erfolgt, weil sie ein Einkaufserlebnis suchen, das ihnen der Fachhandel nicht mehr bieten kann. Wenn die emotionale Bindung an das Geschäft wegfällt, reduziert sich der Bedarf ausschließlich auf das Produkt. Und da ist Online natürlich unschlagbar.

Wenn es dem Fachhandel nicht gelingt, in seinem Geschäft mehr zu bieten als Produkte, dann ist dieser Standort nichts anderes als ein Lager. Diese Aussage stammt nicht von mir, sondern von Herrn Teller. Und sie ist bestechend einfach und ernüchternd.

Wie viele Geschäft fallen Ihnen ein, die mehr sind als ein Lager? Ich denke, damit ist alles gesagt!

Die Verwandlung vom Lager in eine Erlebniswelt, die den Bedürfnissen der Kunden gerecht wird, erfordert viel Wissen, Erfahrung, Energie und hohe Kenntnis der Kundenbedürfnisse. Alles Dinge, die allein schwer umsetzbar sind. Den neidvollen Blick zum Nachbarn hat man sich in den von Herrn Teller angeführten Beispielen längst abgewöhnt. Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden. Aber natürlich gibt es auch jene Beispiele, wo man dies nicht geschafft hat. In England wird dann von der „Broken-Windows-Theorie“ gesprochen. Es besteht dabei ein direkter Zusammenhang zwischen dem Verfall von Stadtgebieten und dem Anstieg von Kriminalität.

Die Gemeinsamen fressen die Einsamen! Ein Satz der mich sehr beschäftigt. Ich bin überzeugt, die Anwendbarkeit dieses Mottos geht weit über die Problematik des Kaufkraftverlustes in der Innenstadt hinaus. Berichte darüber werden folgen und ich hoffe, es finden sich Gemeinsamkeiten!

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit