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WIR 2 - Das Jahrhunderttalent

Die Printmedien stecken schwer in der Krise. Die Auflagen gehen massiv zurück, die Qualität sinkt, nicht zuletzt durch die Tatsache, dass immer weniger Geld für Recherchen zur Verfügung steht. Als wäre das nicht schlimm genug, schlittert dann noch das deutsche Qualitätsformat „der Spiegel“ durch einen Hochstapler tief in die Krise.

17.09.2019

Für alle die diesen Fall, den ich seit Wochen fasziniert in den deutschen Medien verfolge, nicht mitbekommen haben: Claas-Hendrik Relotius, ehemaliger deutscher Journalist, hat für den Spiegel jahrelang Reportagen geschrieben, wurde dafür mit den höchsten Branchenpreisen ausgezeichnet und von Presseexperten als Jahrhunderttalent bezeichnet. Er wurde als die Rettung des Spiegels bezeichnet und seine Beiträge wurden von den Lesern geliebt.
 
Einziger Schönheitsfehler: Seine Texte, Reportagen, Interviews, dazugehörige Reisen und dergleichen waren frei erfunden. Er ersparte sich also den schwierigen Teil des Journalismus und recherchierte erst gar nicht, sondern schrieb Geschichten die von den Menschen geliebt wurden. Die Geschichten stimmten zwar nicht, aber Relotius schaffte es, einen Stil zu entwickeln, den die Leser liebten. Den Syrien Krieg verpackte er beispielsweise in eine Geschichte, die von einer Einzelperson ausging. Personalisiert leicht verständlich konnte man sich nach zehn Minuten eine Meinung über diesen Konflikt bilden. Ein Kritiker schrieb einmal über seinen Schreibstil und den damit verbundenen Erfolg: „Er umarmt seine Leser“.
 
Natürlich ist jetzt der Aufschrei in dieser Branche groß, und man fragt sich zurecht, warum und wie hier alle Kontrollmechanismen versagen konnten. Im Nachhinein wollen es natürlich eh schon viele gewusst haben, oder sie haben es zumindest vermutet. Nur ein Schelm wer denkt, es könnte am großen Erfolg seiner Beiträge gelegen haben.
 
Ich denke die Frage sollte erlaubt sein, welche Art Journalismus eigentlich verwerflicher ist: Fake News – Relotius Berichte fallen mit Sicherheit nicht in diese Kategorie – oder sogenannter Haltungsjournalismus, der aus meiner Sicht mindestens ebenso zu verurteilen ist, wie der frei erfundene Journalismus von Relotius.
 
Er hat seine Leser umarmt. Diese Formulierung ist mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Fake News oder Haltungsjournalismus, also jenes Phänomen, blind zu glauben was ins eigene Weltbild passt, umarmt keinen Leser. Ganz im Gegenteil:  meist werden dadurch Menschen diffamiert oder ausgegrenzt. Dass ausgerechnet von diesem Journalismus der lauteste Aufschrei und die aufgeregteste Empörung kommen, ist aus meiner Sicht mehr als scheinheilig und unter anderem auch vom Neid gespeist.
 
Relotius ist ein Betrüger und Hochstapler, aber er hatte auch ein feines Gespür für seine Community. Dieses Gespür ist für Unternehmer das höchste Kapital. Stellen sie sich vor, sie können Ihre Kunden von Ihrem Produkt, Ihrer Dienstleistung, Ihrer Qualität oder Ihrem Service so begeistern, dass sie sich umarmt fühlen. Was für ein schöner Gedanke und welch einzigartige Chance!
 

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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