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Wirtschaft

WIR 13 - Es geht viel schneller als vermutet

von Gerhard Hinterkörner

Davos 2020 ist Geschichte. Und auch wenn dies kein Forum ist, um konkrete Abschlüsse oder Ergebnisse zu erzielen, dann ist es doch ein Großereignis der mächtigsten Menschen auf diesem Planeten und wird etwas zeitversetzt seine Wirkung zeigen.

Natürlich war der Klimaschutz das dominierende Thema. Zwei Personen zogen so viel Aufmerksamkeit auf sich, wie sonst niemand auf diesem Jahrestreffen. Greta Thunberg und Donald Trump. Herr Heibel (ein Finanzexperte aus Hamburg) hat sich in seinem gleichnamigen Ticker die Arbeit gemacht, und die von Thunberg verwendeten Begriffe angeführt und gezählt. Ich führe jetzt nur einige Beispiele an: dreimal „Panik“, dreimal „Sorgen“, dreimal „Versagen“. Auf der anderen Seite hat Donald Trump sage und schreibe 19 Mal „großartig“ und sechsmal „herausragend“ in seine Rede eingebaut.

Also ich denke, es steht nicht zur Diskussion, diese mit Eigenlob und großartigen Verdiensten gespickte Rede nicht widerlich und ermüdend zu finden. Aber es zeigt für mich eine Art Rollenverteilung zwischen den USA und Europa, die auch abseits von Davos immer wieder zum Vorschein kommt und eine grundsätzliche Haltung widerspiegelt. Europäer denken in Problemen und in deren Risiken, die in diesen stecken. Amerikaner sehen hingegen die Chancen, diese zu lösen. Und meistens entstehen dadurch Geschäftsmodelle, die wir von Beginn an wieder nicht verstehen, wieder in Risiken beurteilen, bis zu dem Zeitpunkt, wo der Wert dieser Unternehmen ins astronomische steigt. Dann ist der Moment gekommen, wo wir neidisch in diese Richtung blicken und den Erfolg zähneknirschend akzeptieren.

Meine Einschätzung zum Jahreswechsel war, dass uns der Klimawandel – neben den ungeheuren Herausforderungen, die Probleme zu lösen – auch eine Vielzahl von Veränderungen bringen wird, mit massiven wirtschaftlichen Chancen oder Risiken. Je nachdem, welche Denkweise Sie jetzt bevorzugen: mir war klar, dass bald große Unternehmen pro-aktiv diese Herausforderungen annehmen müssen. Ich hab aber nicht an so eine Dynamik geglaubt.

Ich gebe ihnen ein Beispiel - vorweg eines, wie man es nicht machen sollte: Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben. Siemens investiert zur Zeit einen Betrag von 18 Mio Euro in ein Kohleprojekt in Australien. Ist jetzt nicht gerade die große Nummer für einen Weltkonzern wie Siemens, aber durch eine total verunglückte Kommunikationsstrategie des CEO Joe Kaeser mit einer Umweltaktivistin, ist dieses Investment für Siemens zum weltweiten Supergau geworden. Siemens kommt nicht mehr aus den negativen Schlagzeilen und ich denke, der gute Herr Kaeser wird sich bald seine Millionenabfertigung abholen müssen.

Andere agieren da wesentlich geschickter. Die ganz großen jeder Branche haben erkannt, dass hier eine aktive Herangehensweise die beste Strategie ist. ESG – Enviroment Social Governance – also Umwelt, Sozial und Steuerung sind die Schlagwörter der Stunde. Dazu ein Beispiel, dss die Dimension recht gut verdeutlicht. Blackrock! Dieses Unternehmen – von manchen als die heimliche Weltmacht dargestellt – ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Allein im deutschen Aktienindex ist Blackrock bei über einem Drittel der Unternehmen der größte Einzelaktionär. Der Chef dieses Giganten fordert in einem öffentlich zugänglichen Brief die Unternehmen auf, für Transparenz zu sorgen.

Investitionen in grüne Technologien werden künftig kein PR-Gag mehr sein, sondern es wird richtig Kohle in diese Richtung fließen. Und zwar eine, die nicht so negative Schlagzeilen liefern wird, wie die von Siemens.

Microsoft will bis 2030 eine negative CO²-Bilanz erreichen, also mehr CO² aus der Atmosphäre entfernen als ausstoßen. Dafür investiert Microsoft eine Billion US-Dollar in einen Innovationsfund! Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen andern, wo große Unternehmen ihre Ausrichtung ändern. Noch ein Faktor, der mich persönlich daran fast so erfreut, wie die Aussicht auf eine nachhaltige Unternehmensführung der Big Player. Prinzipien wie Effektivität, Transparenz, klimafreundliche Politik und das Einbinden der Mitarbeiter stehen künftig nicht mehr auf irgendwelchen Zertifizierungstafeln oder laufen auf Imagefilmen in der Endlosschleife, sondern sie müssen gelebt werden. Und jene Manager, die dies nicht verstehen, werden das Schicksal von Joe Kaeser teilen. Gott sei Dank - ich kann es kaum erwarten!

 

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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