M21 Blog
Wirtschaft

WIR 1 - Kundenfreundlich, digital oder analog?

Unsere kurze Kroatien Reise vorige Woche war mit Kontrasten durchzogen.
Ich habe in meinem Leben schon zu viele Stunden auf der Autobahn verbracht, daher haben wir uns für einen kurzen Flug von Wien nach Split entschieden. Bei der Buchung des Urlaubs, Anreise mit der Bahn, einchecken, Gepäck abgeben und Sicherheitscheck am Flughafen ist mir so richtig bewusst geworden wie sehr wir doch schon in der digitalen Welt angekommen sind. selben Flugzeug in die gleiche Richtung zu fliegen

04.09.2019

Buchung und einchecken über Internet. In der Bahn einen digitalen Fahrschein der per QR Code übernommen wird, mit den digitalen Bordkarten muss man sich, eine andere Möglichkeit gibt es nicht mehr, die Klebebänder für die Koffer ausdrucken, anbringen (was gar nicht so einfach ist), und damit zum Check-in gehen, wo zwar noch Personal sitzt, welches aber offensichtlich den strikten Auftrag hat, weder zu grüßen noch in irgendeiner Art und Weise behilflich zu sein. Wir sind ja selber noch nicht so alt und unsere Kinder jugendlich, daher finden wir relativ rasch heraus, wie die einzelnen Schritte zu erfolgen haben, bevor unser Gepäck von dem schwarzen Plastikvorhang verschluckt wird. Leicht verunsichert blickt man trotzdem hinterher in der Hoffnung, mit dem selben Flugzeug in die gleiche Richtung zu fliegen.
 
Mein Mitleid haben die zahlreichen älteren Menschen, die völlig überfordert von einem Self-Service Terminal zum nächsten gehen, die Verzweiflung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, wird aber vom Personal der Fluggesellschaft ebenso gekonnt ignoriert, als hätten sie ihre Ausbildung in der Gastronomie absolviert.

 

Jetzt könnte man also den Eindruck gewinnen, die Digitalisierung hat uns fest im Griff. Aber wir mussten nach einer Woche wieder die Rückreise antreten. Überrascht stellten wir fest, dass der Online-CheckIn in die entgegengesetzte Richtung nicht mehr möglich ist. Wir mussten daher wieder mindestens zwei Stunden früher am Flughafen sein. Einchecken sehr kundenorientiert für alle Flüge auf allen Terminals möglich. Alle Handgriffe werden vom Bodenpersonal durchgeführt und man hat auch noch Zeit für ein Lächeln übrig. Mit analogen Bordkarten macht man sich auf dem Weg zum Sicherheitscheck und bei den Gates angekommen, stellten wir fest, dass alle Flüge zwischen einer und fünf Stunden Verspätung hatten. Bei uns war es dann mit zwei Stunden Verspätung soweit. Das "Boarding" begann, wir konnten über Stufen wieder in Richtung Flugzeug gehen, 20 Meter vor dem Einstieg wurden wir jedoch nochmals unter ein Zelt gestellt - als Sonnenschutz - mussten dort wieder warten, und konnten dann endlich Platz nehmen, nur um zu erfahren, dass sich der Start  - aufgrund Überlastung des Luftraums über Wien - nochmals verzögert. Es ging sich letztendlich auf die Sekunde aus, dass uns der Zug vor der Nase weg fuhr. Das war aber mit Sicherheit das wenigste Problem, gemessen an jenen Mitreisenden im Flugzeug, die ihre Anschlussflüge nach Asien oder Übersee nicht mehr erreichten.

 

Schließlich fanden wir doch noch Platz in der guten alten ÖBB und ich durfte in einer Sonntagsausgabe einer Tageszeitung lesen, dass das Ende der großen Fernsehanstalten naht, und der stationäre Handel ebenfalls in Bälde (zumindest in verschiedenen Branchen) dem Online Versand Platz machen wird müssen.

 

Ich bin überzeugt, dass diese Entwicklungen in dieser Vehemenz nicht kommen werden. Ich hab irgendwann mal von einer Regel gelesen, die besagt: "was es vor 30 Jahren gab, wird es auch in 30 Jahren noch geben"! Gehen sie mal verschiedene Gegenstände durch und überlegen sie. Das stimmt tatsächlich in einem hohen Ausmaß. Umgekehrt gibt es jede Menge, das es vor 30 Jahren nicht gegeben hat, und es jetzt auch nicht mehr gibt, oder völlig Bedeutungslos ist.

 

Diese Entwicklungen passieren nicht von heute auf morgen, sondern es ist vielmehr ein kontinuierlicher Prozess. Jeder von uns beeinflusst durch sein Konsumverhalten diese Entwicklungen. Und wenn wir dabei auf den heimischen stationären Handel setzen, dann sollten wir dort auch Kundenorientierung einfordern. Das ist unser Recht als Kunde. Wenn Online Plattformen kundenfreundlicher werden als der Fachhandel, wird diese Abwanderung schneller erfolgen. Eine Verschiebung zu Giganten aus den USA und China, die mittlerweile die Hälfte aller Online Umsätze in Österreich machen, die weder ihre Mitarbeiter noch ihre Lieferanten fair behandeln und als Belohnung dafür keine Steuern zahlen müssen. Wollen wir diesen Kreislauf weiter fördern, oder unser Recht als Kunde fordern?

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit