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Wirtschaft

Mindeststandards für unser Essen

In den letzten Monaten hat sich bei Vielen im Bereich ihrer Essensgewohnheiten einiges getan. Durch Homeoffice, den langen Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs in der Gastronomie und generell den Trend, sich eher regional zu versorgen und den Aufenthalt im Supermarkt so kurz wie möglich zu gestalten, wurde zuhause mehr gekocht, mit frischeren Zutaten. Das Spektrum der eigenen Kocherfahrung wurde bei Vielen breiter und die Ablehnung, Lebensmittel zu kaufen, die viele tausend Kilometer hinter sich haben, hat sich deutlich erhöht.

07.09.2020

Nachdem wir nach dem Lockdown – leider - schon wieder in vielen Bereichen in unserem alten Verhaltensmuster angekommen sind, hält sich beim Essen unsere Umstellung offensichtlich etwas länger. Dies könnte eine große Chance sein. Nicht nur für unsere Gesundheit, sondern auch für die Umwelt und die Lebensbedingungen von Tieren und den Menschen, die in der industriellen Lebensmittelindustrie arbeiten.

Die Diskussion in den Medien bleibt aufrecht und schwankt zwischen den Fragestellungen: Wie viel mehr sind wir bereit für Lebensmittel zu zahlen? Wie viel sollen uns Lebensmittel wert sein? Können Lebensmittel auch zu billig sein? Insbesondere in Deutschland sind auf höchster politischer Ebene Diskussionen über Mindestpreise im Gang, die dem Handel bei seinen ruinösen Preisschlachten Einhalt gebieten sollen. Aus meiner Sicht eine völlig sinnbefreite Diskussion.

Die Medien bereiten also durchaus das Feld auf für eine breitere Bewusstseinsbildung in diesem Bereich. Auf den selben Seiten überschlägt man sich jedoch – und zwar in regelmäßigen Abständen – mit der Hiobsbotschaft „Lebensmittel werden immer teurer“, „Preise für Lebensmittel explodieren“ „Inflationstreiber Nummer Eins sind wieder einmal die Lebensmittel“, ja vor Kurzem las ich sogar „bei Lebensmittel werden Kunden abgezockt“.

Zu guter Letzt wird dann noch getrommelt, dass wir uns das – solange ein Drittel der Lebensmittel im Müll landet – ohnehin locker leisten könnten.

An allen diesen Argumenten ist etwas dran und das meiste ist längst bekannt. Alle Versuche, daran etwas zu ändern verliefen bisher ohne Erfolg. Aber wer hätte es jetzt eigentlich in der Hand hier zumindest das Elend der Tiere und der Lohnsklaven zu mindern?

Aus meiner Sicht liegt eine der Antworten in Mindeststandards! Billigpreise sind ein Problem, doch eine künstliche Verteuerung von diesem Ramsch (eigentlich dürfte man gar nicht mehr von Lebensmitteln sprechen), mit dem sich Millionen von Menschen täglich ihre Gesundheit zerstören, ist nicht die Lösung. Mindeststandards wären eine passende Antwort auf diese Zustände und gezielte Förderung von kleineren Produktionsstrukturen.

Es ist aus meiner Sicht nicht zielführend dem Konsumenten die ganze Verantwortung aufzubürden, nach dem Motto „du hast es in der Hand“ und den Rest regelt der Markt. Dem Markt wohnt keine eigene Vernunft inne. Oder hat es der Markt geschafft, jene Leute mit Schutzmasken und Desinfektionsmittel auszustatten, die diese gebraucht hätten um andere Menschenleben zu retten?

Aber wir könnten Standards einfordern, die uns Sicherheit geben und die uns andererseits – quasi als Begleiterscheinung – mehr Genuss garantieren.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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