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Gründet keine Firmen mehr

von Gerhard Hinterkörner

Ich bin Unternehmer aus Leidenschaft. Im Laufe der letzten Jahre durfte ich mich an einigen Unternehmen beteiligen und hab selbst schon mehrere Firmen gegründet. Zuvor war ich in leitender Position bei verschiedenen Firmen und Konzernen tätig und wenn mir jemand gesagt hätte, was ich in der Selbstständigkeit alles erleben darf und muss, ich hätte es mir wahrscheinlich nicht zugetraut. Aber: ich bereue nichts und bin dankbar für alles, was ich erleben durfte.

Aber gestern hat es mich wirklich geschockt. Im Mittagsjournal von Ö1 kamen verschiedene Experten zur Causa Commerzialbank zu Wort. Und als einziger Lösungsansatz, wie man solche Kriminalfälle künftig verhindern kann, wurde diskutiert, ob man den Unternehmern nicht künftig vorschreiben sollte, welchen Wirtschaftsprüfer diese beauftragen müssen. Das klingt vielleicht für einen Außenstehenden wenig spektakulär, darum möchte ich meine Sicht der Dinge erläutern.

Jede Firma arbeitet mit einem Steuerberater zusammen. Ab einer gewissen Größenordnung ist man verpflichtet, auch einen Wirtschaftsprüfer zu beauftragen. Die Kriterien hierfür sind entweder eine gewisse Mitarbeiteranzahl, die Bilanzsumme oder die Umsatzhöhe. In der Regel macht eine Firma in solchen Größenordnungen die Buchhaltung selbst, diese wird dann geprüft vom Steuerberater - der natürlich auch unterstützend zur Seite steht – und das Gesamtergebnis wird dann vom Wirtschaftsprüfer nochmals geprüft. Die Kosten für das ganze liegen im fünfstelligen Bereich. Und es ist Pflicht.

Und das sind nur die definitiven Kosten, die direkt an diese Dienstleister bezahlt werden müssen. Nicht mit eingerechnet ist der enorme Arbeitsaufwand, den diese Prüfungen auch intern auslösen. Viele Tage sind hochqualifizierte Arbeitskräfte damit beschäftigt, die gewünschten Unterlagen, Daten, Fakten und Zahlen aufzubereiten. Aber man profitiert auch davon. Wir durften viel von unseren Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern lernen, es waren für uns sehr wichtige Kunden-Lieferantenbeziehungen.

Und das ist der Punkt. Der Steuerberater und der Wirtschaftsprüfer sind Dienstleister und Lieferanten. Und jetzt sollte es nicht mehr reichen, dass man gezwungen wird, diese Verbindungen einzugehen? Man sollte auch noch vorgeschrieben bekommen, wer diese Aufträge erhält?! Auf so eine Selbstständigkeit verzichte ich gerne. Damit wird eine der letzten Grenzen überschritten, und sollte dies wirklich durchgehen, plädiere ich an die vielen engagierten Menschen in unserem Lande, ihre Ambitionen zum Unternehmertum zu begraben.

Und warum das Ganze? Wegen der kriminellen Energie einiger weniger! Tausende Unternehmer sollen für wenige Betrüger auf Firmenseite und für Unfähigkeit auf der Prüfungsseite die Rechnung bezahlen!? Und man stelle sich vor, wenn dies Realität wird! Wer ist es dann, der entscheidet, mit wem man Zusammenarbeiten muss? Ein Beamter in einem Ministerium? Man kann sich jetzt schon ausrechnen, welche Wirtschaftsprüfer hier zum Zug kommen werden. Werden es jene sein, die seit Jahren einen sehr guten Job machen, oder jene, die im Umgang mit dem berühmten „Lesezeichen“ die meiste Erfahrung haben?

Hier ist meines Erachtens endgültig ein Punkt erreicht, an dem man den österreichischen Pragmatismus ablegen sollte und Klartext sprechen muss. Und zwar auf allen Ebenen. Bei den Interessensvertretungen, in der Öffentlichkeit und auf politischer Ebene.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

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