Letztes Update vor 6 Minuten
Wirtschaft

Führung und Stil

von Gerhard Hinterkörner

Als ich vor fast einem Jahr mit der Movement 21 gestartet bin, erntete ich oft ein müdes Lächeln mit meiner Botschaft, dass höher, weiter und schneller eigentlich ausgedient hätte. Vergangenen Samstag schrieb Herr Mandlbauer im Leitartikel der OÖN, dass sich genau dieser Grundsatz immer mehr „totgelaufen“ hat. Einige Tage zuvor sprach unser Bundeskanzler sogar von First-Mover Ländern! Hätte man mir vor einem Jahr gesagt, wer aller meine Botschaften und Slogans übernimmt, darauf hätte ich nur müde gelächelt!

Aber im Ernst: paradoxerweise bin ich jetzt selber gar nicht mehr so überzeugt von der Aussage von Herrn Mandlbauer. Ich komme später dazu, warum bei mir die Skepsis wächst. Wo ich aber zu hundert Prozent konform mit ihm gehe ist seine – im gleichen Artikel – beschriebene Spaltung des Landes. Lassen Sie mich in Bezug auf die Wirtschaft zwei große Tendenzen beschreiben:

Wir haben mittlerweile rund zweihundert First Mover und einige hundert Abonnenten in den sozialen Medien, obwohl wir erst vor zwei Wochen gestartet sind. Rund achtzig Prozent meiner fixen Mitglieder sind Unternehmer/innen, der Rest Freigeister, Führungskräfte, Sportler oder Künstler. Auch einige Persönlichkeiten mit Bekanntheitsgrad sind mit an Bord und einige davon haben wirklich Außergewöhnliches geleistet oder in ihrem Leben erreicht.

In den letzten Tagen erreichen mich Berichte über außergewöhnliche Projekte, Ideen oder Aktivitäten, die vorrangig fast alle eines gemeinsam haben: sie haben entweder eine ökologische Ausrichtung, oder sie dienen der Gesellschaft, den Mitarbeitern einer Firma oder schlicht dem Gemeinwohl. Besonders freut es mich, dass die Beiträge und Impulse der Movement 21 bei einigen die Initialzündung dafür waren. Wir werden hier bald schon konkret einige dieser Initiativen vorstellen. Die Freude darüber, was da im Entstehen ist, lässt sich mit Worten kaum fassen.

Soweit die guten Nachrichten. Warum bin ich trotzdem skeptisch? Parallel zu diesen Nachrichten bekomme ich leider auch – und traurigerweise nicht wenige – Berichte über eine völlig entmenschlichte (ich wähle dieses harte Wort ganz bewusst) „Führungskultur“ in den Unternehmen. In Firmen mit Umsätzen knapp an der Milliarde werden Zulieferer unter Druck gesetzt, Mitarbeiter von völlig inkompetenten Vorgesetzten denunziert. Ein langjähriger Mitarbeiter eines solchen Konzerns hat mir erzählt, dass der CEO persönlich dem regionalen Wirt den Preis in Höhe von € 5,-- für das angelieferte Mittagessen nochmals um 50 Cent gekürzt hat. Übrigens auch eines der Unternehmen, das seine Mitarbeiter trotz guter Auftragslage in Kurzarbeit geschickt hat. Andere berichten über sofortige Freistellungen von langjährigen Mitarbeitern, weil sie Entscheidungen zur Diskussion stellen. Und diese Vorgangsweise spielt sich in familiengeführten Unternehmen ab, wo die Eigentümer für sich christliche Werteverständnisse wie Ethik und Moral beanspruchen. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Vielerorts liest man jetzt von einem völlig geänderten Führungsstil. Corona hätte gezeigt, dass man Mitarbeitern mehr Verantwortung übergeben kann. Insbesondere das Homeoffice habe gezeigt, dass das Potenzial der Mitarbeiter noch viel mehr genutzt werden könne. Führung von gestern und Kontrollfreaks braucht kein Unternehmen mehr. Und so weiter und so fort. Meiner Meinung nach sind diese Botschaften, oder die ganze Beraterbranche, die sich um dieses Themenfeld positioniert, völlig überflüssig.

Jene Unternehmen, die ihren Mitarbeitern vertrauen und ihre Potenziale fördern, brauchen keine Seminare dafür, um zu spüren und zu wissen, wie sie ihre Mitarbeiter führen sollen. Und für jenes entmenschlichte Management liegt die Latte bei solchen Zielsetzungen viel zu hoch. Sie haben weder Stil noch haben sie eine Ahnung von Führung.

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
Gastbeitrag
Wirtschaft
Neueste Beiträge

Raucher sind die produktiveren Mitarbeiter!

von Ralph Egger
„Gewagte Ansage“ werden sich jetzt einige denken oder auch vielleicht „so ein Blödsinn“.
Einige Raucher freuen sich vielleicht und fordern von ihrem Chef eine Gehaltserhöhung.
Es ist aber nicht das Nikotin, das einen Raucher leistungsfähiger werden lässt – es sind die Pausen!
Dazu gibt es auch eine Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2012.
Wirtschaft
Neueste Beiträge

Mindeststandards für unser Essen

von Gerhard Hinterkörner
In den letzten Monaten hat sich bei Vielen im Bereich ihrer Essensgewohnheiten einiges getan. Durch Homeoffice, den langen Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs in der Gastronomie und generell den Trend, sich eher regional zu versorgen und den Aufenthalt im Supermarkt so kurz wie möglich zu gestalten, wurde zuhause mehr gekocht, mit frischeren Zutaten. Das Spektrum der eigenen Kocherfahrung wurde bei Vielen breiter und die Ablehnung, Lebensmittel zu kaufen, die viele tausend Kilometer hinter sich haben, hat sich deutlich erhöht.
Wirtschaft
Meistgelesen

Sex sells

von Gerhard Hinterkörner
Es ist nichts Neues: spärlich bekleidete Frauen werden schon lange genutzt, um auf Produkte aufmerksam zu machen. Manchmal auch durch pornographische Darstellungen werden Marken angepriesen, die in keinem direkten Zusammenhang mit einem Frauenkörper stehen. Manchmal ist das auch richtig gut gemacht.
Wirtschaft

Feel-Good-Manager

von Gerhard Hinterkörner
Mit meinem Schlaraffenlandbericht habe ich auf den richtigen Knopf gedrückt. Viele von euch haben darauf reagiert, kommentiert, mir geschrieben oder mich angesprochen. Einige von Euch haben eine Verbindung zu Bhutan hergestellt. Dies ist ja das einzige Land, in dem das Recht auf Glück in der Verfassung festgeschrieben ist. Dort wird anstelle des Bruttosozialprodukts das Bruttonationalglück gemessen. Eine Fist Moverin stellte die Frage: Warum nicht etwas in einem Unternehmen installieren, was sogar in einem ganzen Land funktioniert?
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit