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Wirtschaft

Fette Katzen

Vor wenigen Tagen war der sogenannte „Fat Cat Day“. Also jener Tag an dem die Vorstände von großen Unternehmen bereits jenes Gehalt verdient haben, für das der Rest der Belegschaft noch das ganze Jahr arbeiten muss. Stark thematisiert wurde dieses Missverhältnis von der Arbeiterkammer.

17.01.2022

In meiner Wahrnehmung bringen Vertreter aus den Reihen der Interessensvertretung der Arbeitnehmer meist mehr Körpergewicht auf die Waage, als jene der anderen Fraktionen, insofern würde ich dieses Bild nicht zu sehr strapazieren.

Aber natürlich geht es dabei in erster Linie um diese nicht angemessenen Unterschiede. Um es vorweg zu nehmen: auch ich tue mich sehr schwer, solche Vergütungssysteme gut zu heißen, wenn auch aus anderen Gründen als denen, die in der aufgeheizten Diskussion meist angeführt werden. Aus meiner Sicht blendet man einige Faktoren dabei völlig aus.

Als erstes fehlt mir die Anmerkung, dass jedes Gehalt irgendjemand festlegen und genehmigen muss. In den von der AK angeführten Fällen sind dies entweder Aufsichtsräte oder Eigentümer. Und wen, außer dieser Gruppe, würde es zustehen, diese Entscheidung zu treffen? Weiters sollte man auch bedenken, dass es mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist, meist international tätige Unternehmen mit vielen tausenden Mitarbeitern zu leiten.

Was man dabei auch völlig ausblendet sind die daraus resultierenden Steuern. Hohe Millionenbeträge an Einnahmen generieren auf der anderen Seite mindestens 50 % Steuerlast. D.h. jeder einzelne von diesen fetten Katzen leistet auch einen enormen Beitrag für unsere Staatskasse.

Die AK führt auch an, dass man diese Gehälter mehr an ökologische und soziale Ziele koppeln sollte. Das kann ich nur unterstreichen. Was mir persönlich aber noch wichtiger wäre ist, sie von den wichtigsten Führungsqualitäten abhängig zu machen. Einige wenige dieser Unternehmen, die von Fat Cats geführt werden, sind mir bekannt, und es ist leider nicht unüblich, dass untere Führungsebenen von sehr schlechten Führungsqualitäten sprechen. Das Phänomen, dass diese Vorstände oft völlig den Kontakt und das Gefühl zum „Bodenpersonal“ verloren haben, ist leider ein sehr häufiges. Es fehlen offensichtlich wesentliche Kompetenzen wie emotionale Intelligenz, Aufmerksamkeit und Transparenz.

Die wirklich großen Führungspersönlichkeiten, die ich persönlich kenne, zeichnen sich durch Empathie, Resilienz und Geduld aus. Sie sind zuverlässig, kommunizieren zeitnah und haben die Fähigkeit, zu stützen und zu fördern. Und die meisten davon sind diejenigen, die mehr zuhören als reden.

Der Personalmangel wird in den nächsten Jahren massiv unsere Wirtschaft bremsen. Meine Empfehlung an alle Eigentümer und Aufsichtsräte: schaut auf die Führungsqualitäten eurer Vorstände, denn diese sind die entscheidende Anziehungskraft für die besten MitarbeiterInnen. Oder eben genau das Gegenteil!

 

Kommentare und Antworten

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  • Alfred Karl Badge M21 First Mover 17.01.2022 um 14:36
    Sorry, Tippfehler: das Buch "Die 5 Disziplinen" ist schon 1997, also vor 25 Jahren, erschienen.
  • 17.01.2022 um 11:03
    "Think in Systems" meine Peter Senge bereits 2017. Senge sprach von "lernende Organisation" (Buch: Die 5. Disziplin). Ein Ort, Unternehmen, "an dem Menschen erleben, dass sie ihre Realität und ihre Zukunft selbst schaffen" und "permanent lernen, wie sie gemeinsam dazulernen können".

    Von Mitarbeitermangel aufgrund des soziodemografischen Wandels ist schon lange die Rede. Das dieser Realität wird. JEDOCH die Realität ist JETZT. Mitarbeiter sind ganz, ganz wichtige "stakeholder" eines Unternehmens. Diese zu gewinnen, zu motivieren mitzuarbeiten und mitzugestalten eine große, schöne Herausforderung. Unternehmen die dies verstanden haben agieren schon (lange) danach.
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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