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Feel-Good-Manager

von Gerhard Hinterkörner

Mit meinem Schlaraffenlandbericht habe ich auf den richtigen Knopf gedrückt. Viele von euch haben darauf reagiert, kommentiert, mir geschrieben oder mich angesprochen. Einige von Euch haben eine Verbindung zu Bhutan hergestellt. Dies ist ja das einzige Land, in dem das Recht auf Glück in der Verfassung festgeschrieben ist. Dort wird anstelle des Bruttosozialprodukts das Bruttonationalglück gemessen. Eine Fist Moverin stellte die Frage: Warum nicht etwas in einem Unternehmen installieren, was sogar in einem ganzen Land funktioniert?

Diese Idee finde ich extrem spannend. Ich möchte dazu eine Geschichte erzählen, die sich gerade in meinem Umfeld abspielt: einige meiner Freunde, Verwandte und Bekannte arbeiten in derselben Firma in der Region, und das seit vielen Jahren, oder sogar Jahrzehnten. Ich war immer sehr beeindruckt von der Loyalität und Begeisterung, die diese Menschen für dieses Unternehmen aufbrachten. Nie fanden Sie ein böses Wort oder stimmten in das Gejammere der anderen über deren Arbeitsplatz ein. Mit großem Stolz und teilweise hoher Aufopferungsbereitschaft engagierten sie sich für dieses Unternehmen. Manche unter ihnen tragen große Verantwortung in ihrem Bereich.

Schlagartig hat sich jedoch der Führungsstil dort geändert und der Frust ist jetzt riesengroß. Das eingeführte Motivationsprogramm – das hätte es niemals gebraucht – wurde zum Running-Gag im ganzen Ort inklusive der Ärzteschaft, die dieses Wort als Alternative zur Burnout-Diagnose verwendet. Die Menschen haben innerlich gekündigt und zählen die Tage bis zu ihrer Pension oder suchen verzweifelt nach Alternativen.

Ich bin sicher, niemand auf der Eigentümerseite oder im obersten Management ist sich dieser Dimension bewusst oder will ein solche Stimmung im Unternehmen haben. Was wäre, wenn es in dieser Firma einen Glücksbeauftragten gäbe? Einen Feel-Good-Manager, der gleich einem Betriebsrat der Leitung dieses Betriebes über die Stimmungslage berichten dürfte, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen?

Ich möchte ein Beispiel aus der Glücksforschung bringen:
Was denkt ihr, sind die glücklichsten Menschen? Natürlich sind Faktoren wie Gesundheit, Einkommen, Familie, Freiheit und ein angenehmes Miteinander auch ganz vorne gereiht, aber die allerglücklichsten Menschen sind jene, die mehr an andere denken als an sich selber! Menschen, die gerne teilen sind glücklicher.

Es wäre also so einfach. Es braucht einen Menschenkenner und empathischen Manager, dem die Mitarbeiter vertrauen und der als Mediator zwischen den Mitarbeitern und der Geschäftsführung dient. Diese Idee könnte man bis zu einer Kennzahl in der Bilanz fortsetzen, aber viel wichtiger wären jene Faktoren, die das Potenzial der Mitarbeiter wieder voll zur Entfaltung bringen: nämlich Wertschätzung und Anerkennung. All das ist völlig ohne große Investitionen zu erwerben und im Prinzip unbezahlbar.

Kommentare und Antworten

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  • Eva Schembera Badge M21 Free Mover 15.08.2020 um 20:47
    Lieber Karl Kosek, liebe Leute, ich denke, und bitte korrigiert mich, wenn ich falsch liege, dass man sehr viel Zeit mit der Arbeit verbringt (bei 8 Stunden Arbeit und ebenso viel Schlaf immerhin 1/3 des Tages). Die Arbeit wird bei vielen zum "Leben bestimmenden Tool zur Selbstdefinition" und ja, auch der Sprachgebrauch legt dies oft nahe. Auf die Frage "Was bist du?" antworten viele mit ihrer Berufsbezeichnung, was zeigt, dass viele Menschen sich kaum mehr mit der eher philosophischen Betrachtung dessen, was sie außerhalb des Berufes auch sind. Vielleicht ist es ein zu großer Teil des Lebens geworden und der Job endet nicht mehr nach dem Verlassen des Arbeitsplatzes. Ich etappe mich selbst auch oft dabei, dass ich meinem Kind erkläre, dass ich gerade arbeite und seine Bedürfnisse sich hinten anstellen müssen. Klar, es geht nicht immer anders, aber diese verschobenen Wertigkeiten (Arbeit vor Mensch) macht, glaube ich, viele unglücklich. Während des Lockdowns war dann endlich wieder mehr Zeit, die man mit einander verbringen konnte, in der man nachdenken konnte über wahre Werte im Leben, Bedürfnis nach Selbstverwirklichung verspüren konnte und nicht dauernd im Hamsterrad der Zeit hinterher laufen musste.
    Diese Zeit ist die, die Kraft gibt, in der man sich erholt, etwa vom schlechten Gewissen den Kindern, Freunden und Verwandten gegenüber.
    Als die Diskussion über den 12 Stunden - Tag in aller Munde war und ich an die vielen Arbeitslosen denken musste, kam mir eine Idee: Anstatt einen 12 Stunden arbeiten zu lassen, könnten zwei 6 Stunden absolvieren. Beide bekommen das Gehalt der 8 Stunden, aber der Arbeitgeber zahlt nur die LNK für 8 Stunden, anstatt 12. Dafür konnte man auch eine staatliche Förderung bekommen, da 1 Arbeitsloser wegfällt. Für die Einschulung wäre eine Übergangsregelung denkbar, oder man könnte ältere, erfahrene Arbeitnehmer hierzu heranziehen.
    Da wäre dann etwas mehr Zeit für jeden da, ohne große finanzielle Einbußen auf beiden Seiten.
    Ich würde gerne diese Idee zur Diskussion stellen, da ich mit der praktischen Umsetzung solcher Probleme keine Erfahrung habe.
    • Gerhard Hinterkörner Badge M21 First Mover 16.08.2020 um 06:55
      Liebe Eva Schembera, danke für deinen Kommentar! Ja, ich finde definitiv auch, dass wir uns nicht (nur) über die Arbeit definieren sollten. Es stimmt wir verbringen (zu) viel Zeit mit und in der Arbeit, aber wir sind noch vieles mehr. Eltern, Partner, wir sind in Vereinen, wir sind bester Freund, Freundin, alles sehr wertvolle "Funktionen". Auch den Ansatz mit der Arbeitsteilung ist absolut nachvollziehbar, und man könnte auch noch eine Spur weitergehen. Es gab auf der ganzen Welt schon sehr erfolgreiche Versuche mit einem bedingungslosen Grundeinkommen. Es klingt absurd, aber für den Staat wäre es eine sehr lukrative Variante. Aber politisch bis jetzt nicht umsetzbar. Wenn dich das interessiert kann ich dir das Buch "Utopien für Realisten" sehr ans Herz legen.
      • Eva Schembera Badge M21 Free Mover 16.08.2020 um 22:53
        Ja, lieber Gerhard Hinterkörner, ich bin von Diskussionen über bedingungsloses Grundeinkommen umgeben. Ich halte die Idee für recht gut, glaube aber, dass es Menschen in Abhängigkeit treibt, da dann alle / alles vom Geldgeber (jetzt Kurz oder Blümel 😬) abhängt. Es könnte funktionieren, wenn 1. Teuerungen wegen des gestiegenen Einkommens verhindert werden, 2. das Grundeinkommen von Politik und wirtschaftlichen Einflüssen abgekoppelt wird und 3. die Leute auch bedingungslos ihre Verantwortung akzeptieren. Es geht auch viel um Planbarkeit, z. B. in Berufen des Gesundheitswesens, Infrastruktur, etc. Es sollte nicht darauf hinauslaufen, dass für wichtige Aufgaben zeitweise oder ständig eine schwankende Zahl von Leuten zur Verfügung steht. Ich glaube auch, dass Leute grundsätzlich weiter arbeiten würden. Aber vielleicht nicht in ausreichender Kapazität und Konsequenz.
        Also so gut ich die Idee finde, so problematisch sehe ich die praktische Umsetzung.
      • Eva Schembera Badge M21 Free Mover 16.08.2020 um 22:55
        Aber ich lese gern das empfohlene Buch. Das Thema ist wirklich spannend.
        Danke
        • Gerhard Hinterkörner Badge M21 First Mover 17.08.2020 um 07:45
          Liebe Eva Schembera, ja die "angeblich" problematische Umsetzung ist genau der Punkt! Damit räumt Rutger Bregman in seinem Buch (auch als Hörbuch verfügbar) völlig auf. Er berichtet über erstaunliche Ergebnisse. Übrigens war die USA das erste Land (unter Nixon!) die über so eine Modell nachdachten. Und du hast völlig recht, die Leute gehen arbeiten, und haben die Möglichkeit völlig andere Lebensmodelle umzusetzen. Das macht sie nicht abhängig sondern freier..wünsche einen guten Start in die neue Woche!
  • Karl Kosek Badge M21 Free Mover 08.08.2020 um 09:52
    Hallo Gerhard.
    So Kannst nur Du denken und dafür liebe ich Dich (nicht sexuell gemeint) ;-)
    Ich bin da ganz anderer Meinung. Wenn man einen solchen Manager findet, tut er mir leid. Der wird immer von "den da oben" als Manipulierer gesehen und "von den da unten" als Vollstrecker oder Glücksbote, je nach Nachricht von oben.
    Ich finde auch, dass viele die Arbeit als etwas ganz falsches sehen. Ja es sollte Spass machen- aber nicht mein Lebenbestimmendes Tool zur Selbstdefinierung werden. Ich habe auch lange gebraucht um das zu realisieren.
    Und JEDE Firma ändert sich ab einen gewissen Zeitpunkt. Ich nenne das immer den Zeitpunkt wenn sie die Seele verliert.
    Z.B.- zuerst hat einer eine Idee und findet eine eingeschworene Truppe die diese mittragen und groß machen. Da macht jeder alles und gibt auch alles. Aber einer gibt die Richtung vor.
    Irgendwann später wird das Ding dann so groß, dass man nur mehr die Zahlen überblickt und dann ist die Seele futsch. Haben wir zwei ja auch erfahren müssen. Aber das ist halt so.
    Dann zählt nur mehr ein Naturgesetz: Der stärkere frisst den Schwächeren. Da hilft auch kein " Hare Krishna" dagegen.

    Liebe Grüße von dem immer etwas pessimistischeren Karl.
    • Gerhard Hinterkörner Badge M21 First Mover 16.08.2020 um 07:06
      Lieber Karl, der Austausch mit dir hat mir gefehlt! :-) Du hast deine Persönlichkeit enorm weiterentwickelt, und schreibst natürlich aus der Perspektive deiner Erfahrungswelten. Ich habe das Glück - insbesondere im letzten Jahr - Einblick in viele Unternehmensgeschichten zu bekommen. Ich kann dir versichern, es gibt schon viele andere Firmenkulturen. Überall dort wo die Eigentümer erkannt haben, welche Potentiale in den Mitarbeitern stecken, und was alles möglich wird wenn man Führung im positivsten Sinne versteht. Gerne würde ich dir mal mehr darüber berichten. Vielleicht schaffen wir bald wieder einen gemeinsames Treffen. Übrigens: Gute Freunde müssen nicht immer gleicher Meinung sein! :-)
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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