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Wirtschaft

Ein fairer Preis

von Gerhard Hinterkörner

Kürzlich verfolgte ich auf einem Facebook-Eintrag eine höchst interessante Diskussion: Eine Userin stellte die Frage an die Community „Was ist ein fairer Preis für 1 kg Erdbeeren?“

In einer ersten Reaktion dachte ich mir, was für eine Frage? Denn für mich ist ein fairer Preis einfach jener, den sowohl Käufer als auch Verkäufer als gerecht empfinden. Das man also jemanden fragen muss, wie hoch der für mich gerechte Preis ist, empfand ich doch einigermaßen seltsam. Noch dazu bei einem Produkt wie einem Kilo Erdbeeren. Verständlicher ist diese Frage ja noch bei einer Investition in einer gewissen Größenordnung und in Bereichen, wo man einfach kein Gefühl für eine Preisgestaltung hat.

Aber zurück zu den Erdbeeren: Die Dame hat mit ihrer Frage auf den richtigen Knopf gedrückt. Zahlreiche Personen hatten das Bedürfnis, sich zu diesem Thema zu äußern. Und diese Kommentare waren äußerst unterschiedlich. Um es vorweg zu nehmen: das Fairness-Empfinden der Kommentatorinnen (überwiegend Frauen) liegt meilenweit auseinander. Viele waren überhaupt der Meinung, dass jeder Preis, der über jenem des Discounts liegt, sowieso zu hoch ist. Lustigerweise wurde da immer wieder ein Preis von € 1,59 angeführt. Ich habe dann gegoogelt, das ist der Preis für 500g bei Lidl, Hofer usw., aber die ursprüngliche Frage war ja nach einem Kilopreis. Der höchste – und als fair empfundene Preis – wurde mit € 12,- ins Treffen geführt.

Großer Bestandteil der Diskussion war die Frage: selbstgepflückt oder nicht? Andere wiederum stiegen schon eine Stufe tiefer in die Diskussion ein und führten in ihren Argumenten an, dass es ja grundsätzlich bei der Frage nach einem fairen Preis auch um die Frage des fairen Handels gehen müsste. D.h., man ist dann bei den Sozialstandards gelandet und den Schwierigkeiten, wie diese international überprüfbar sind, bzw. was es denn überhaupt für ein Skandal sei, dass man ausländische Billigkräfte dazu braucht, um bei uns die Erdbeeren zu ernten, wo wir ja eh derzeit so viele Arbeitslose hätten, die sich im Übrigen für diese Dienste angeboten hätten, aber nicht einmal eine Antwort auf ihre Bewerbungen bekommen hätten.

Aber der für mich interessanteste Teil dieser Diskussion war jener, wo es um die Kalkulation von Erdbeeren gegangen ist. Eine erhebliche Anzahl der Diskussionsteilnehmer führte nämlich auch ins Treffen, dass man die Kosten der Produzenten berücksichtigen müsste! Es wurden alle möglichen Fixkosten angeführt, von Wareneinsätzen war zu lesen, genauso wie von Personal- und Investitionskosten. Manche führten sogar regelrechte Kalkulationsmodelle an!

Das war jener Teil, der zu berücksichtigen gab, dass ein fairer Preis nur dann zustande kommen könnte, wenn man auch weiß, dass der Produzent, der Bauer oder auch der Betreiber des Erdbeerstands neben der Bundesstraße auch entsprechende Kosten hat. Soweit so gut, und auch nicht von der Hand zu weisen. Was mich aber doch ein wenig überrascht hat war, dass in keinem einzigen Kommentar dem Anbieter auch ein Recht auf einen Gewinn zugesprochen wurde!

Ich denke, das spiegelt eine Grundhaltung unserer Gesellschaft wider. Gewinne zu machen ist offensichtlich gar nicht eingeplant, und falls es doch jemand tut, höchst verwerflich. Der Gewinn kommt in der Diskussion über einen fairen Preis schlicht und einfach nicht vor. Offenbar würde es als nicht fair empfunden werden, wenn einem für den ganzen Aufwand und die Leistung seines Produktes auch noch einige Euros Gewinn übrig bleiben würden.

Mein Verständnis für Unternehmertum reduziert sich nicht auf die Erwirtschaftung von Gewinnen. Für mich ist es eine Lebenseinstellung. UnternehmerInnen sind Innovatoren, die neue Ideen aufgreifen, durchsetzen, produktive Kräfte bündeln, manchmal existierende Strukturen verdrängen, um neue schaffen zu können. Und das oft mit selbstzerstörerischem Einsatz und über viele Jahre in der Ungewissheit, ob die Früchte aufgehen oder nicht.

Wir sollten für diesen Einsatz auch einen Betrag einkalkulieren! Sonst fehlt hier eine ganz wesentliche Motivation. Auch jeder Unselbstständige möchte nicht nur zur Arbeit gehen, damit seine Fixkosten abgedeckt sind. Auch in diesem Bereich werden sehr vehement – und zu Recht – faire Bedingungen und nicht nur Beifall von den Balkonen gefordert.

Wenn jemand um € 1,59 die Erdbeeren beim Discounter kauft, kann er sich ja überlegen, ob hier in der ganzen Lieferkette – Landwirt, Erntehelfer, Lagerung, Logistik, Verpackung, Energie und Transport – alle fair behandelt wurden. Den eines ist dabei ganz sicher: der Discount hat bei seiner Kalkulation den Gewinn nicht vergessen! Wir können entscheiden, ob wir diese Überlegung anstellen, oder ob wir uns zum Schnäppchenjäger machen, ohne Rücksicht auf alle anderen Faktoren!

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

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