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Wirtschaft

Dynamik auf Baustellen

Die B3 wird gerade wieder einmal saniert. Zwischen Mauthausen und Luftenberg kann die B3 nur Richtung Perg befahren werden. Wenn man Richtung Linz unterwegs ist, muss man sich durch das Ortgebiet von St. Georgen/Gusen quälen, und das gleich ganze elf Wochen lang.

12.05.2021

Als ich das erstmals in der Vorankündigung gelesen habe, dacht ich mir: was soll´s, ich fahre sowieso nur einmal pro Woche nach Linz, muss ich halt ein wenig mehr Zeit einplanen. 

Aufgrund unterschiedlichster Gründe treibt es mich jetzt aber fast täglich nach Linz und dabei mache ich erstaunliche Beobachtungen: erstens hält sich der zusätzliche Zeitaufwand absolut in Grenzen und zweitens geht es aufgrund der Einbahnregelung Richtung Perg – LKW‘s oder Traktoren können gefahrlos überholt werden – noch wesentlich schneller als zuvor.

Trotzdem stelle ich mir einige Fragen beim täglichen passieren der Brückenbaustelle, z.B. warum man fast nie Arbeiter sieht!? Heute war der absolute Rekord: sechs Arbeiter. Zwei davon unschwer als „Chefpartie“ erkennbar. Es ist anzunehmen, dass diese nur aufgrund wichtiger Auftragserteilung vor Ort waren, oder einfach um ihr Diätenformular wieder ein wenig mit Leben zu füllen. Auf Aufträge schienen die restlichen vier Arbeiter ohnehin nicht großartig zu warten, weil zwei davon auch in ein Gespräch vertieft waren. Bei den restlichen Zweien konnte man jedoch erkennen, dass sie irgendwie vom Fach sein müssen, denn einer davon hatte so etwas wie einen Kompressor in der Hand. Dieser war zwar nicht in Betrieb, aber der andere beobachtete dieses Schauspiel trotzdem sehr interessiert.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich wäre keinen Tag zu so einer Arbeit fähig, und das Letzte was ich will ist, mich über Bauarbeiter lustig zu machen. Trotzdem schleicht sich die Lust nach einer leichten Ironie ein, wenn man fast täglich an einer Baustelle vorbeifährt, die zwar große Auswirkungen hat, aber wo offensichtlich nicht ganz so Großes passiert. Neben der Frage, warum der Verkehr nicht mit einer Ampelregelung an der Baustelle vorbeifließen kann, frage ich mich natürlich auch, warum dieser Streckenabschnitt so gut wie jedes Jahr neu saniert werden muss. Ein Brancheninsider, der nicht genannt werden will, hat mir anvertraut, dass durch den massiven Preisdruck einfach nur noch Materialien verwendet werden, die halt nicht mehr 10 Jahre, sondern nur noch zwei halten. Gut, das hätte eine gewisse Logik, und man hätte zumindest die Gewissheit, dass die ausführenden Firmen langfristig doch noch auf ihre Rechnung kommen, da sie ja fix mit den Folgeaufträgen rechnen können.

Außerdem ist diese Situation auf der B3 für mich irgendwie ein Spiegelbild für den generellen Umgang mit unseren Baustellen, deren es ja auch in vielen anderen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen jede Menge gibt. Wir schieben sie gerne raus. Wenn wir daran arbeiten, dann nicht mit der größten Dynamik, und manchmal fehlt es auch an der Ernsthaftigkeit, das Problem wirklich nachhaltig zu lösen. Es wäre ja auch eine Idee, gleich bei der Errichtung eines neuen Projektes nicht in erster Linie auf die Kosten zu schauen, sondern auf den möglichst langen Erhalt dieser Infrastruktur, oder was auch immer unserer Gesellschaft dienen mag.

Aber bis dahin wird vermutlich noch viel Wasser die Donau neben der halbseitig gesperrten B3 hinunterfließen. Ich bin schon gespannt, ob sich die geplanten elf Wochen wirklich ausgehen werden. Irgendwann wird der Arbeiter mit dem Kompressor auch seinen wohlverdienten Urlaub einfordern. Ich hoffe, sein Kollege ist dann soweit, für ihn einzuspringen!

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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