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Wirtschaft

Alles aus! Warum eigentlich?

Mit den Spanplatten hat es begonnen, dann gab es plötzlich keine Geschirrspüler mehr. Fahrradfahren? Frühestens Ende 2022 wieder möglich. Dach abgedeckt? Pech gehabt! Wenn ihr anstelle von Fahrradfahren lieber mit der neuen Playstation spielt, ebenfalls Fehlanzeige! Einen Tesla im Internet bestellen? Bestellung klappt noch, Lieferung nicht mehr.

27.09.2021

Ein Autohändler von Volvo erzählte mir, dass er ebenso zusperren kann, weil er keine Autos mehr bekommt. Bei den Computerchips haben wir uns ja schon daran gewöhnt, dass wir sie nicht mehr bekommen. Aber wie sieht es mit dem Essen aus? Mittlerweile erzählen mir Branchenexperten, dass es keine Rohstoffe mehr gibt. Wer es trotzdem irgendwie schafft, etwas zu bekommen, kann die fertigen Produkte nicht mehr verpacken, weil keine Kartons mehr geliefert werden.

Aus der Industrie höre ich, dass es keine Metalle mehr gibt, ja selbst zu wenig Kunststoffe werden geliefert und die Baubranche fürchtet, dass ihr angesichts der Preissteigerungen von über 30 % nächstes Jahr die Kundschaft völlig ausbleibt.

Führungskräfte aus der Möbelbranche oder von Baumärkten berichten mir über die haarscharf gleiche Situation.

Rohstoffmärkte, die vor eineinhalb Jahren so gut wie unbegrenzt zur Verfügung standen, haben jetzt ein massives Ressourcenproblem. Die Preise werden in die Höhe getrieben und ich frage mich doch ein wenig besorgt, wohin uns nun diese Entwicklung wieder führen wird, und vor allem wodurch sie tatsächlich verursacht wird? Da gehen die Meinungen und Informationen in eine Bandbreite, die eine gute Orientierung fast unmöglich macht.

Auf die vielzitierten Lieferketten, die nicht funktionieren, auf die Auswirkungen der Kurzarbeit, auf die Verzögerung der Rohstoffgewinnung, auf die Auswirkungen von schlechten Ernten usw. möchten viele nicht vertrauen, sondern vermuten eher spekulative Hintergründe, oder noch schlimmer, gezielte Interessen von Staaten, um eine Destabilisierung Europas voranzutreiben.

Ich gestehe: ich weiß es nicht und ich verstehe es auch nicht. Aber es gibt ja einen Trost: es ist nämlich sowieso egal, ob wir Waren, Güter oder Rohstoffe bekommen oder nicht, denn wenn sie am Zielort angekommen sind, gibt es keine Arbeitskräfte mehr, die sie verarbeiten könnten. Ein ansonsten sehr helles Köpfchen aus der Familie hat uns vor Jahren schon ein Heer von arbeitslosen LKW-Fahrern prophezeit, aufgrund von selbstfahrenden Trucks werden Millionen von Fahrern auf den Arbeitsämtern im Stau stehen, so seine Prognose. Das Gegenteil ist eingetreten: wie wir wissen steht mittlerweile in Englands Supermärkten keine Ware mehr, weil allein dort über 100.000 (!) LKW-Fahrer fehlen; Tendenz weltweit enorm steigend. Aber das ist natürlich nur ein Berufszweig, der davon betroffen ist. Mittlerweile fällt mir gar keiner mehr ein, der nicht darunter leidet, kein Personal mehr zu finden.

Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber diese Entwicklung verunsichert mich enorm. Vor 18 Monaten – am Beginn der Pandemie – waren wir sicher, es wird Jahre dauern, bis wir uns von diesem wirtschaftlichen Rückschlag erholt haben. Und jetzt? Jetzt springt die Wirtschaft in einer Dimension an, die wir weder durch Rohstoffe noch durch menschliche Arbeitskraft bewältigen können? Wer immer mir das erklären kann, ist herzlich dazu eingeladen.

Kommentare und Antworten

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  • Benedikt Grossmann Badge M21 First Mover 27.09.2021 um 12:47
    Gestern hat mir ein mittelgroßer Holzproduzent von der "Retour-Watschn" bereits erzählt. Die Preise stabilisieren sich, die Nachfrage geht stark zurück, er hat bereits Schichten rausgenommen und darf zu seinen Kunden zum "Rapport", was ihm da zwischendurch mit den Preisen eingefallen ist. Teilweise lässt er auf bereits gelieferte Ware im Nachhinein etwas nach, um den Kunden nicht völlig zu verärgern oder zu verlieren. Also Tendenz Richtung "normal" wieder absolut da.

    Ich selber stehe davor, ein mittelgrosses Bauprojekt ( 45 Wohnung ) mit Swietelsky bei etwa 11% Preissteigerung verus Vor-Krisen Niveau abzuschliessen, was auch halbwegs im Rahmen ist.

    Kurzum - ich sehe die Trendumkehr eindeutig. Wie es so weit kam, ist wohl vielschichtig zu erklären. Domino Effekt nach corona bedingten Produktionsausfällen, bis hin zu in der Pandemie völlig geänderten Konsum-Verhaltens ...
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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