Schwimmen: Entdecke die Langsamkeit, um wirklich schnell und/oder ausdauernd zu werden - Movement 21
Letztes Update vor 9 Minuten
Sport & Kultur

Schwimmen: Entdecke die Langsamkeit, um wirklich schnell und/oder ausdauernd zu werden

von Michael Brandtner

Zu den schönsten Dingen nach einem harten Arbeitstag gehört für mich, dass ich mich ins 25-Meter-Schwimmbecken des Freibads in Rohrbach-Berg begebe, mich vom Rand abstoße, stromlinienförmig mit leichtem Beinschlag schwerelos dahingleite, um dann mit 13 bis maximal 16 konzentriert-lockeren Kraularmzügen das andere Ende des Beckens zu erreichen. Genauso liebe ich es aber auch, dieselbe Stecke in weniger als 15 Sekunden zurückzulegen. Und beides hängt eng miteinander zusammen. Aber um das Ganze besser zu verstehen, sollte man einen Blick auf meine drei Schwimmleben im Erwachsenenalter werfen.

Meine drei Schwimmleben im Erwachsenenalter
Im Jahr 2005 im Alter von 38 Jahren entdeckte ich nach Jahren der Schwimmabstinenz meine Liebe zum Schwimmen wieder. Dieses erste Schwimmleben war davon geprägt, dass ich zwei- bis dreimal je nach Laune pro Woche 500 bis 1000 Meter Kraul schwamm. Dabei hatte ich das Glück, dass ich nie mit meiner Wasserlage kämpfen musste. Das Problem absinkender Beine kannte ich nur aus der Theorie und von anderen Schwimmern. Am meisten genoss ich es damals, wenn ich in eine Art „Flow“ kam, also fast in einer Art Meditation schwamm. Gleichzeitig kam das gute Gefühl dazu, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Das war Phase Nummer 1.


Durch das Schwimmen lernte ich andere Schwimmer und hier vor allem Triathleten kennen. Und so war es nur logisch, dass ich anfing, gemeinsam mit ihnen zu trainieren, auch wenn ich keine Wettkampfabsichten hatte. Aber der Schwimmschwerpunkt verlagerte sich Schritt für Schritt von „Flow“ auf „Trainingsplan“. Besser, schneller und härter war als grundlegende Devise angesagt. Letztendlich schwamm ich dann sogar zweimal bei einer Triathlonstaffel als Schwimmer mit. Am Anfang machte ich so gute Fortschritte. Nur dann setzte eine Phase der Stagnation ein, in der ich dann auch immer wieder und immer wieder neue Trainingsarten und Methoden ausprobierte. Nur ohne Plan war letztendlich kein echter weiterer Erfolg absehbar.


Gleichzeitig entdeckte ich aber meine Liebe zum Sprint. 50 Meter wurden zur meiner Lieblingsdistanz. Dabei lag meine Bestzeit im Jahr 2014 bei 31,39. Also machte ich es mir zum neuen Ziel, dass ich 50 Meter unter 30 Sekunden schwimmen möchte. So begann ich immer mehr mit Kurzstrecken- und vor allem mit hochintensiven Intervallen zu trainieren. 2016 schwamm ich dann das erste Mal knapp unter 31 Sekunden, aber immer noch klar über 30 Sekunden. Genau an diesem Punkt erkannte ich, dass ich wahrscheinlich keine weiteren Fortschritte machen würde. Das war mein zweites Schwimmleben, das vor allem von Trainingseinheiten frei nach dem Motto „Besser, härter und schneller“ geprägt war.


Gleichzeitig stieß ich aber bei meinen Internet- und Literaturrecherchen auf den amerikanischen Schwimmtrainer Terry Laughlin (Erfinder der Total Immersion-Schwimmmethode) und auf das Zauberwort „Zuglänge“. Daraufhin entschied ich mich, dass ich mir selbst Kraul noch einmal komplett neu beibringen möchte, ohne aber wirklich nach Art von Total Immersion zu schwimmen. So lag mein ganzer Fokus von Herbst 2016 bis Frühsommer 2017 auf Langsamkeit, Technik und Zuglänge. Brauchte ich im Herbst 2016 noch um die 20 Züge auf 25 Meter, waren es im Sommer 2017 bei voller Konzentration gerade einmal 13. Gleichzeitig entdeckte ich ein nie dagewesenes neues Schwimmgefühl.


So genieße ich heute im Sinne von sensitiven Schwimmen jeden einzelnen Zug und zähle so gut wie immer die Anzahl meiner Züge. Und ab diesem Augenblick begann ich auch wieder Fortschritte zu machen. So schwamm ich im Sommer 2018 die 50 Meter Kraul in 29,47. Und innerlich habe ich das Gefühl, dass da immer noch Luft nach oben ist. So trainiere ich zudem seit Herbst 2017 die 50 Meter-Distanz frei nach USRPT, also ohne klassische Periodisierung immer im Wettkampftempo. Zudem versuche ich mich von Zeit zu Zeit als Co-Trainer im Schwimmsport.


Drei sehr persönliche Tipps für Kraulschwimmer
Egal ob Sie den Flow suchen, egal ob Sie lange Distanzen schwimmen wollen, egal ob der Sprint ihre Lieblingstrecke ist, wenn Sie heute das Schwimmen wirklich genießen wollen, sollten Sie – basierend auf meinen Erfahrungen – unbedingt folgende drei Tipps beachten.


(1) Achten Sie auf Ihre Wasserlage: Entscheidend ist immer, dass man fühlt, vom Wasser getragen zu werden. Man sollte nicht gegen das Wasser ankämpfen, sondern es immer als Freund sehen. Deshalb sollte man aus meiner Warte heraus, unbedingt zuerst einmal die Wasserlage trainieren und auf gar keinen Fall sich mit Gewalt über längere Strecken falsche Schwimmmuster einlernen.


(2) Achten Sie auf Ihre Zuglänge: Auch wenn man oft den Eindruck hat, dass man beim Kraul mit den Armen nach hinten arbeiten muss, geht es in Wirklichkeit vor allem darum, nach vorne zu schwimmen. So gewinnt man Zuglänge nicht über mehr Druck, sondern vor allem über das Eintauchen der Hand und der Vorwärtsbewegung der Schulter. Man muss sich lang und länger machen, ohne aber an Flüssigkeit in der Bewegung zu verlieren. Viele Schwimmer und Schwimmerinnen verschenken unglaublich viele Meter und auch unglaublich viel Energie, weil man instinktiv zu früh zu ziehen beginnt.


(3) Steigern Sie Distanz und/oder Geschwindigkeit: Wenn man die eigene optimale Zuglänge gefunden hat, kann man dann überlegen, ob man diese in Distanz und/oder Geschwindigkeit übersetzt. Wenn man diese in Distanz übersetzt, geht es darum, möglichst die optimale eigene Zuglänge über längere Strecken zu halten. Wenn man diese in „Höchstgeschwindigkeit“ übersetzt, geht es darum, dass man trotzdem nicht zu viele Züge braucht. Aktuell benötige ich im Sprint 18 bis 20 Züge auf 25 Meter, teilweise leider immer noch ein wenig mehr. Auf alle Fälle sollte man das Gefühl entwickeln, dass man über die Anzahl der Züge die eigene Geschwindigkeit stufenweise steigern oder verringern kann.


Persönliches Fazit: Gerade beim Schwimmen ist „besser, härter und schneller“ nicht immer der beste Ratgeber. Vielmehr sollte man so schwimmen, dass man nicht gegen das Wasser kämpft, sondern das Wasser als Freund in der Fortbewegung sieht, und dass man wirklich „sensitiv“ mit allen Sinnen schwimmt. Das kann auch erfordern, dass man den eigenen Schwimmstil ändert. Und damit lässt sich auch eine schöne Parallele zu meinem Beruf als Markenberater und Markenpositionierungsexperte ziehen. Auch viele Marken sind heute in einem Mehr-und-mehr-und-mehr-Hamsterrad gefangen, ohne echte Fortschritte zu machen. Auch hier kann es sich empfehlen, die grundlegende Strategie noch einmal zu hinterfragen, zu überdenken und im Falle des Falles zu ändern.


PS dazu für alle Interessierten: Neben dem Schwimmen selbst trainiere ich noch unterstützend zweimal pro Woche 20 Minuten Kraft und Kondition frei nach Mark Lauren und Steve Maxwell.

 

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Michael Brandtner

Markenstratege Michael Brandtner ist Österreichs führender Markenpositionierungsexperte, Associate of Ries & Ries und Autor des Buches „Brandtner on Branding“. Sein Blog: www.brandtneronbranding.com. Im Herbst dieses Jahres wird sein neues Buch „Markenpositionierung im 21. Jahrhundert“ im Linde Verlag erscheinen.

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
Sport & Kultur
Neueste Beiträge
Meistgelesen

Heim. at

von Sandra Schwaiger
Reinhard Fendrich, Andreas Gabalier oder Hubert von Goisern? Wem gelingt die Vermittlung des treffendsten Heimatverständnisses? An dieser Stelle sei gedankt, dass sich Heimat nicht über den Grandprix der Volksmusik definiert, zumindest hoffentlich nicht ausschließlich. Heimat als Begriff regt die Fantasie oft mehr an, als es die Realität bestimmen kann.
Sport & Kultur

Dein Leben ohne dich

von Gerhard Hinterkörner
Stell dir vor, du siehst dir dein Leben „ohne dich“ aus einer gewissen Distanz an! Diese spannende Idee wurde 2016 in dem sehr empfehlenswerten Film Wakefield umgesetzt. Mit Bryan Cranston – viele kennen ihn als Walter White in Breaking Bad – ist dieser Film hochklassig besetzt. In diesem Film spielt er den erfolgreichen Anwalt Howard Wakefield, der seines Lebens überdrüssig ist. Er möchte es einfach einmal anhalten. 2016 war dieses „herunterfahren“ noch eine reine Fiktion und höchstens als ein phantasievolles Gedankenprojekt vorstellbar.
Sport & Kultur

RESPONSIBILITÄT

von Sandra Schwaiger
Das Dosenbier ist eine geniale Erfindung, denkt man sich bei Befüllen des Wanderrucksackes und freut sich über den minimalen Gewichtzuwachses und des gleichzeitig maximalen zu erwartenden Gipfelgenusses.
Sport & Kultur

Erst mal eine Stunde aufs Rad

von Gerhard Hinterkörner
Kürzlich habe ich einem von einem Psychologen verfassten Bericht gelesen, dass er empfiehlt, sich vor einer Paartherapie erstmal eine Stunde auf sein Rad zu schwingen. Ich weiß genau was er meint! Wie oft war ich schon deprimiert, oder aufgewühlt, auf die ganze Welt stinksauer, oder noch schlimmeres. Eine schöne Runde auf dem Rad und schon sieht vieles nicht mehr ganz so schlimm aus.
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit