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Sport & Kultur

RESPONSIBILITÄT

von Sandra Schwaiger

Das Dosenbier ist eine geniale Erfindung, denkt man sich bei Befüllen des Wanderrucksackes und freut sich über den minimalen Gewichtzuwachses und des gleichzeitig maximalen zu erwartenden Gipfelgenusses.

Auch im Segelboot sind die paar Bierdosen schnell und leicht verstaut und im Campingkühlschrank lassen sie sich ebenfalls perfekt und Platz sparend einlagern. Seit wann erfreut sich die Menschheit eigentlich dieser Erfindung? Ich hätte nicht gedacht, dass bereits 1933 in einer amerikanischen Brauerei erstmals Bier in Aludosen abgefüllt wurde. Bis dahin war das Pfandflaschensystem ein gut eingebürgerter Usus und funktionierte so perfekt, wie heute manche Befürworter nur davon träumen können.

Schuld am zu Ende gehen des Getränkeflaschen - Kreislaufsystems war natürlich der Alkohol selbst und dessen rasant ansteigender Konsum, da in den 1930er Jahren in Amerika das Ende der Prohibition ausgerufen worden war. Den Brauereien lief bei der neuen Perspektive über den sich öffnenden Markt das Wasser im Mund zusammen und im Handumdrehen war die Aludose mit all ihren Vorzügen erfunden. So schnell wie möglich, so viel wie möglich und so unkompliziert wie möglich die Bierfässer laufen lassen war die Devise und man warb mit heute unvorstellbar kuriosen Werbeplakaten. Darauf war ein Anglerduo zu sehen, wobei der eine genussvoll das Bier aus der Dose trinkt und der andere entspannt und voller Leichtigkeit das Leergut in den Teich wirft.

Das großangelegte, globale Umweltverschmutzen nahm hier seinen Beginn, folgten den Brauereien nämlich auch noch die Limonadenhersteller diesem umsatzträchtigen Geschäft, und über die Jahrzehnte verdreckten Strände und Seeufer in unvorstellbaren Ausmaßen. Obwohl die dafür Verantwortlichen auf jeder weggeworfenen Dose mit ihrem Logo sichtbar wurden, verschob man die Verantwortung natürlich auf den Kunden. Dieser hatte jedoch keine Idee für eine Lösung des Problems, worauf der Staat Strände abriegeln und zum Müll sammeln aufrufen musste. Wir sind bereits in den 1970er Jahren, wo Umweltaktivisten ihre Stimmen erheben und Druck auf Staat und Hersteller ausüben.

Man diskutiert eine Wiedereinführung des Pfandsystems, das in manchen Bundesstaaten realisiert worden ist, am weltweiten Markt blieb die Idee leider ohne Erfolg. Infolge bewirkte der Aufruf zum Müll sammeln und Müll mit nach Hause nehmen ein überdimensionales Wachstum des Hausmülls, den wiederum der Staat bzw die Kommunen zu lösen hatten. Und so weiter und so fort, wir wissen alle, wie die Dinge auch abseits der Bierdosengeschichte laufen.

Ökonomen nennen dieses Phänomen „Responsibilität“, eine stille Verlagerung der Verantwortung also. Am besten gelingt dies unter demokratisch geführten Regierungen, da in solchen Staatsformen sich jeder vertreten fühlt und der Staat sich vor allem für jeden und alles zu verantworten hat. Seitdem Demokratien, wie noch damals im antiken Griechenland, nicht nur für Männer gedacht sind, sondern sich um alle Winkel der Gesellschaft zu kümmern haben, geht den Demokratien der Gar aus. Für alles braucht es ein Budget und vor allem ein Versprechen zur Anhebung des selbigen. Die Parteien werben um Herdenzuwachs und versprechen das Unmögliche, arbeiten und reden sich dann schwindelig und verfangen sich im Teufelsgeflecht eines schier unregierbaren Volkes.

Da haben wir nun den demokratischen Salat, verfeinert mit der heißen Kartoffel namens Verantwortung. Still schweigend wird man sie auf Dauer nicht weitergeben können sonst verbrennen wir uns die Finger. Besser wäre es, einen fairen und konsensorientierten und somit tiefst demokratischen Diskurs zwischen den Verantwortungsträgern zu finden, der sich am Wohle der Gesellschaft orientiert. Das Gemeinwohl ist, nicht nur ein schönes Wort, sondern eine hochwertige Vision, wo sich althergebrachte Kosten-Nutzen-Rechnungen durch Interessensausgleich ersetzten und der Selbstzweck schlichtweg Gerechtigkeit heißt. Ich bin guten Mutes, denn jeder auch unter Tarnkappen auftretender Despotismus hat noch mit einer Revolution geendet!

Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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