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Sport & Kultur

No sports

von Gerhard Hinterkörner

Wie kommt eigentlich der Sport durch die Corona-Krise? Neben der für uns interessanten Frage, was eigentlich im Breitensport noch erlaubt ist, liegt natürlich auch der gesamte Profisport derzeit auf Eis. Ob die Verschiebung von Olympia, die Unterbrechung der Fußball-Ligen, die Aussetzung der Tennisturniere, Formel 1, usw. Die Liste könnte man lange fortsetzen.

Natürlich ist auch der Sport, vielleicht sogar gerade dieser, massiv von wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen. Insolvenzen von Vereinen drohen, die Verträge der Profis laufen aus, Sponsoren steigen aus, Geisterspiele stehen zur Diskussion. Ich war heute mal in diversen Foren und Blogs aus der Welt des Sports unterwegs und sie glauben nicht, welches Thema hier aktuell absolute Priorität hat: Doping! „Die Corona-Krise behindert Dopingtests“! Da aufgrund der Pandemie jetzt kaum noch Kontrollen durchführbar sind, wird es den Sportlern so einfach wie noch nie gemacht. Für die Athleten herrscht Narrenfreiheit, so ist in den verschiedenen Berichten zu lesen.

Okay, wenn das die Sorgen des Profisports sind, dann ist uns wahrlich nicht mehr zu helfen. Natürlich wird auch über unglaubliche Großzügigkeiten berichtet! Manche Profi-Fußballer verzichten gar freiwillig auf 20 % ihres Gehalts, und andere Rennläufer versteigern großzügig und medienwirksam ihren Helm, verdoppeln dann die gesammelte Summe und spenden diese an Spitäler für Beatmungsgeräte, die wiederum jetzt von einem Formel 1 Motorenwerk, mangels anderer Aufträge, im Blitztempo entwickelt und produziert werden. Zweiteres finde ich übrigens sehr innovativ und es zeigt wieder einmal, wie schnell wir Menschen auf geänderte Situationen reagieren und uns widrigen Umständen anpassen können.

Aber was den Profisport betrifft, würde ich auch dort die Chance sehen, einmal grundsätzlich über die eingebürgerten Gesetzmäßigkeiten dieses Business nachzudenken. Eine Fußball-Europameisterschaft in 12 verschiedenen Ländern wäre der Plan gewesen! Sportveranstaltungen in Ländern, wo Temperaturen weit über 40° herrschen. Profis, die Summen verdienen, die jedes Vorstellungsvermögen übersteigen. Ausufernde Werbeverträge. Kürzlich habe ich gelesen, dass die Manager der Profis diesen sogar empfehlen oder vorschreiben - hier sind die Grenzen sehr verschwommen – wann sie welche Frisur tragen sollen, wann einen Vollbart und wann sie sich welche Tätowierungen machen lassen sollen. Und die tun das, in dem Wissen, wie sehr sie damit ihren Marktwert auf Instagram erhöhen.

Im Gegenzug zahlen sie natürlich den Preis, ihre Persönlichkeit völlig abzulegen. Alles ist der Perfektion untergeordnet. Wehe einem 20jährigen Sportler, der ausschweifend seinen Geburtstag feiert, und irgendwo macht ein Foto die Runde, das nicht perfekt in das Saubermann-Image passt.

Sport macht glücklich, ist hochemotional und hält unser Gehirn fit. Warum läuft dann im Profisport so vieles gerade zu so ab, als würden wir damit unser Gehirn völlig ausschalten? Es wird ja jetzt so viel von der „Reset-Möglichkeit“ gesprochen. Allen voran uns von der Abhängigkeit von Lieferketten zu befreien, unsere Lebensweise zu überdenken oder unser Konsumverhalten zu verändern.

Profisport ist ein Milliardenbusiness. Steht dort ein Überdenken außer Frage? Wenn man sich durchliest, womit sich die sogenannte Sportwelt beschäftigt, hat den Eindruck, dass nach einem Reset in der Sportwelt auch die Möglichkeit besteht, die Ressourcen etwas gerechter aufzuteilen. Viele der Randsportarten würden sich über eine kleine Verbesserung sehr freuen und die großen Töpfe würden davon kaum etwas spüren, außer vielleicht dass man sich den einen oder anderen Transfer in der Höhe von hunderten Millionen nicht mehr leisten kann. Aber das wäre ja tragisch, wenn man sich mit diesen Summen nicht länger an Superlativen überbieten könnte.

Mir ist klar, Sport ist eine hoch emotionale Angelegenheit und es sollen auch andere Regeln gelten, aber das würde eine gewisse Verhältnismäßigkeit nicht vollends ausschließen. Und zwar in Bezug auf Gagen, die Ausreizung von körperlichen Grenzen die, wie viele wissen, in manchen Sportarten nur durch Doping erreichbar sind, und in der Glorifizierung ihrer Helden. Die Zeit hierfür wäre die passende!

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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