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KU 9 - Wissen ist eine fragmentarische Wahrheit

Raureifnadeln an den Ästchen, ein hübsches Blatt mitten am Weg oder ein magischer Sonnenuntergang…die Liste an Motiven, die unsere Kamera aus der Tasche hervorholen lassen, ist unendlich. In dem Moment des Staunens braucht es keine wissenschaftliche Erklärung, keine Frage entspringt unserem Kopf, das Wunder genügt.

11.12.2019

Was passiert, wenn wir staunend in die Welt blicken? Denken wir an ein Kind, das in der Erde scharrt und dabei kleine Löcher entdeckt. Ab und an tauchen kleine Tierchen aus den Löchern auf und das Kind scharrt staunend weiter. Der traurigste Moment ist dann, wenn sich ein Erwachsener einmischt und beginnt, ungefragt alles zu erklären.

Dabei weckt gerade das Staunen das , was der Erwachsene in so einer Situation abrupt beendet, nämlich den freien Forschergeist mitsamt der vollen Hingabe an ein Phänomen, das auch berührt, fasziniert und die gebündelte Aufmerksamkeit des Beobachters, in diesem Fall des Kindes, entfacht. Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten von einer Produktionsgesellschaft zu einer Bildungs- und wissensgesellschaft entwickelt.

Die Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten waren in unserer westlichen Welt noch nie so umfangreich wie zum heutigen Zeitpunkt. Ein Großteil der jungen Menschen legt eine sogenannte Reifeprüfung ab. Ist ein Kriterium für Reife, wenn jemand alle gestellten Fragen beantworten kann oder zeichnet Reife etwas anderes aus? Wissen soll Mut machen, soll anregen, neue Fragen zu stellen, soll uns auch gestatten, gelernte Inhalte kritisch zu betrachten. Nicht durch das Anhäufen von Lehren wird man zum Weisen, sondern durch die individuelle Auseinandersetzung mit Themen. So wie man nicht durch Lichtmeditation zur Erleuchtung findet, sondern mit der Beschäftigung des eigenen Schattens. Neben dem Anhäufen von Wissen, - und das möchte ich nicht ausschließlich in ein schlechtes Licht stellen, sondern daran erinnern, was wir nebenbei nicht vergessen sollten – ist das Kultivieren eines Anfängergeistes.

Es tut gut, immer wieder Anfänger zu sein, von vorne zu beginnen, weil uns das die nötige Bescheidenheit schenkt, fortwährend zu suchen und Fragen zu stellen. So ist sichergestellt, dass wir die anfängliche Neugierde nicht mit dem Ziel verwechseln. Unser Forschen und Suchen nach Wahrheiten und Wirklichkeiten bringt uns dann schließlich doch zu Erkenntnissen. Und dann? Und dann darf das Erkannte auf unsere Empfindungsnerven treffen, damit das Neue auch erfühlt werden kann, lebendig werden kann. Das ist der Moment, wo Wörter, Zitate, Denkimpulse mit unserer Wahrnehmung unserem Lebensentwurf in Beziehung treten. Dann liegt es an uns, es an der Oberfläche zu belassen oder tiefer einzutauchen, ob wir uns trauen, mit einem Gefühl zu sein, ohne dass der Kopf eine weitere Erklärung oder eine Antwort parat hat.

Neue Gedanken brauchen Zeit, damit sie ankommen können und auch erfühlt werden können. Nur über die Gefühlsebene bestehen neue Ideen ihre Aufnahmeprüfung ins eigene Denksystem und damit in die eigene Lebensform. Zitate sind schnell ins eigene Notizbuch geschrieben oder öffentlich gepostet. Finden sie auch tatsächlich ins eigene Leben? Wir können Lebenserfahrungen oder Überzeugungen von jemanden anderen nicht einfach in unser Leben kopieren. Wissen und neue Inhalte brauchen auch Platz, daher muss anderes möglicherweise weichen. Vom Ansammeln allein entstehen keine Reichtümer.

Es ist eigentlich großartig, mit welchen Instrumenten wir als Menschen ausgestattet sind. Wir können logisch denken und können uns aber auch bewusst der Logik entziehen und etwas ohne Schlussfolgerung betrachten. Wir können den Wundern Platz machen und mit allen Sinnen staunen, wir können leise auf unsere Empfindungen lauschen, und das alles sogar im gleichen Augenblick. Der ultimative Lehrer ist das Leben selbst, wenn wir gewillt sind, zuzuhören und zu lernen.

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Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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