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KU 8 - Die Palme wirft ihre Blätter ab

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie es sein würde, Ihr Geburtsdatum nicht zu kennen? Stellen Sie sich vor, niemand kennt sein Alter und damit auch nicht die Daten, die uns das Zählen der Jahre ermöglicht. In manchen Gegenden der Erde ist es nicht üblich, die Lebensjahre zu zählen, ein Geburtsdatum zu kennen und daher auch den Geburtstag zu feiern.

26.11.2019

Ich habe mir schon oft gedacht, wie wären Begegnungen, wenn das Alter gar keine Rolle spielt. Wie würden sich die Menschen kleiden, wenn es völlig egal ist, zu welcher Altersgruppen man gehört. Welche Lokale würde man besuchen, welche Reisen würde man unternehmen, was würde man noch lernen wollen.

Aufgrund diverser Statistiken ist in unserem inneren Zeitplan die durchschnittliche Lebenserwartung als Frau oder Mann abgespeichert. Wir wissen genau Bescheid, wie lange wir wohl Zeit für das Leben haben. Vielleicht zerstückeln wir genau deshalb die Zeit in möglichst viele kleine Einheiten, tragen den Zeitmesser am Handgelenk und hoffen, dass wir noch alles in den nächsten Minuten unterbringen.

Die Zeit läuft! Die Zeit mit ihren Einheiten, zerschnitten und betitelt in Stunden, Minuten und Sekunden verkürzt sich von einem Augenblick zum anderen. Aussagen wie „Gib mir noch etwas Zeit“ oder „Hast Du Zeit?“ oder „Wie schnell doch die Zeit vergeht“ lässt jemanden, der aus einer anderen Ecke der Welt kommt, denken, die Zeit sei in unseren Breiten etwas Verschiebbares, ein Gut, über das man verfügen kann.

Der Südseehäuptling Tuiavii aus Tiavea zum Beispiel macht sich im Buch „Der Papalagi“ so seine Gedanken über unseren Stress mit der Zeit. Er sagt, wir seien besessen von der Angst um unsere Zeit, wissen wir doch genau, und das nicht nur jeder Mann, sondern auch jede Frau und jedes kleine Kind, wie viele Mond- und Sonnenaufgänge verronnen sind, seitdem wir selbst zum ersten Mal das große Licht erblickten. Ja, das spielt eine so ernste Rolle, meint der Häuptling weiter, dass es in gewissen gleichen Zeitabständen gefeiert wird. Es wird gefeiert mit Blumen und großen Essensgelagen, stellt er fest.

Tatsächlich feiern wir unsere Geburtstage. Die Runden fallen meist etwas ausgiebiger aus, begleitet von einem eigentümlichen Gefühl in der Magengrube, weil tatsächlich die nächste Zahl auf der Zehnerstelle rückt. Aber auch die kleinen Jubiläen des Geburtsmomentes zwischendurch finden einen besonderen Platz im Jahreskalender. So ist es bei mir heute! Und ich freue mich an meinem heutigen Geburtstag über die bunten Blumen am Tisch, das Frühstückgeschirr, das mein Sohn für mich gerichtet hat und die vielen Glückwünsche, die mein Telefon alle paar Minuten aufleuchten lassen. Ich freue mich wirklich, bei manchen sogar zu Tränen gerührt.

Es wird mir bewusst, wieder ein weiteres Jahr gelebt zu haben und denke nach, ob es die Lebensmitte ist oder ob ich sie, statistisch betrachtet, schon lange überschritten habe. Dazu sagt der Häuptling aus der Südsee, es sei gefährlich, die Mond- und Sonnenaufgänge zu zählen, denn dabei ist erkannt worden, wie viele Monde der meisten Leben dauert. Darum passt jeder ganz genau auf, und wenn recht viele Monde um sind, sagt man, „Nun muss ich bald sterben“ Man hat keine Freude mehr und stirbt auch wirklich bald.

„Die Palme wirft ihre Blätter und Früchte ab, wenn sie reif sind. Der Papalagi lebt so, wie wenn die Palme ihre Blätter und Früchte festhalten wollte….. Wie sollte die Palme neue Früchte tragen?“ steht  auf der ersten Seite des oben genannten Buches. Leider wissen wir es wirklich nicht, wie es wäre, ohne Vorstellung von unserem Alter zu leben. Ich stelle es mir sehr frei und unvoreingenommen vor. Freundschaften quer durch alle Altersstufen und ein bunter Mix auf den Straßen und allen Bereichen des öffentlichen Lebens wären Alltag. Aber interessanter noch finde ich die Vorstellung, wie wir einander begegnen würden. Es würden so viele Bewertungen, Einschränkungen und Vorverurteilungen wegfallen und die beiden Menschen, die einander gegenüberstehen, spüren und sehen sofort das Verbindende…außerhalb der Zeit!  

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Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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