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Sport & Kultur

KU 6 - Musiker gegen Handys

Vorige Woche gaben „Element of Crime“, eine meiner Lieblingsbands, ein Konzert im Linzer Posthof. Der große Saal war restlos ausverkauft und wir hatten Sitzplätze auf der Galerie. Ich war erstaunt und erfreut über das altersmäßig durchmischte Publikum. Für mich als großer Fan dieser Gruppe ist es eine Freude zu sehen, dass dieser einzigartige Stil quer durch die Generationen Zuspruch findet.

13.11.2019

Vor uns saß ein Paar, beide sicher schon eher gegen Sechzig und beide im Besitz eines Smartphones, welches sie fast während des gesamten Konzerts zum Einsatz brachten. Beide filmten und fotografierten bei jedem Lied und in ihren schöpferischen Pausen verglichen sie dann auch noch ihre Aufnahmen. Anstatt das Konzert zu genießen überlegte ich – mit einer leicht zunehmenden aggressiven Haltung – ob ich das Pärchen ansprechen soll. Irgendwie hielt mich etwas davon ab. Ich denke, es war die Angst vor der Reaktion. Ich befürchte Menschen, die sich nichts denken, wenn sie permanent die Sicht für andere durch ihre Handys blockieren, reagieren bei Kritik vermutlich ebenso empathielos und damit wäre der Abend dann erst recht versaut gewesen.

Grundsätzlich ist dieses Problem ja bekannt und wird in erster Linie aus Sicht der Musiker kommuniziert. Manche Bands verbieten ja mittlerweile Handys bei ihren Konzerten. Oder manche Veranstalter reagieren dahingehend, dass sie den Besuchern die Handys in Neoprenbeutel verpacken, die sich erst nach dem Konzert wieder öffnen lassen.

Andere Bands oder Musiker forcieren dieses Verhalten noch massiv, indem sie das Publikum dazu auffordern, beispielsweise ihre romantischen Nummern mit der Taschenlampe des Handys zu beleuchten. Ist ja auch verständlich. Eine Musiker- oder Künstlergeneration, die das Internet oder Youtube erst so richtig groß gemacht hat, kann sich natürlich diesem Medium nicht verschließen. Und natürlich kann man argumentieren, was eigentlich gegen einen kleinen Clip spricht, den man dann auch gleich life jenen Bekannten und Freunden übermitteln kann, die sich den Eintritt nicht leisten wollten. Schließlich ist ein Konzert eine kommerzielle Angelegenheit und warum soll man sich das dann verbieten lassen?

Aus meiner Sicht ist es nicht möglich, mit dem Handy in der Hand eine Verbindung zu dem aufzubauen, was gerade auf der Bühne stattfindet. Adele hat bei einem ihrer Konzerte einmal genervt gemeint: „Ich stehe wirklich leibhaftig hier“. Warum sehen sich das die Leute nicht an? Ich bezweifle sehr stark, dass diese Videos dann tatsächlich zuhause konsumiert werden.

Noch vor ca. 10 Jahren sah ich Element of Crime in Salzburg. Großer Unterschied zwischen diesen beiden Konzerten: in Salzburg haben noch alle mitgetanzt. Mit dem Handy in der Hand, leider nicht mehr möglich. Das meine ich auch mit der Unmöglichkeit, eine Verbindung mit der Band herzustellen. Es ist wie eine Mauer, die zwischen Publikum und Künstler aufgebaut wird.

Ich bin wirklich der Letzte, der alten Zeiten nachweint, aber in der Nutzung unseres Smartphones sollten wir uns überlegen, ob wir uns nicht mehr Freiräume gönnen sollten. „Fomo“ – steht für „fear of missing out“ – die zwanghafte Besorgnis, eine soziale Interaktion zu verpassen, steckt ja oft hinter unserem hohen Nutzungsverhalten. Drehen wir es doch öfter um! Auch dazu gibt es schon einen schönen Begriff: „The joy of missing out“. Gönnen wir uns doch öfter diesen Freiraum und genießen wir den Moment ohne ihn zu teilen, festzuhalten oder mit dem Zwang, etwas Tolles erleben zu müssen.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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