Letztes Update vor 5 Minuten
Sport & Kultur

Erst mal eine Stunde aufs Rad

von Gerhard Hinterkörner

Kürzlich habe ich einem von einem Psychologen verfassten Bericht gelesen, dass er empfiehlt, sich vor einer Paartherapie erstmal eine Stunde auf sein Rad zu schwingen. Ich weiß genau was er meint! Wie oft war ich schon deprimiert, oder aufgewühlt, auf die ganze Welt stinksauer, oder noch schlimmeres. Eine schöne Runde auf dem Rad und schon sieht vieles nicht mehr ganz so schlimm aus.

Corona scheint insbesondere den Fahrradsport extrem zu beleben. Vom Geschäftsführer von Intersport war kürzlich das Zitat zu lesen: „Das Bike sei das Klopapier der Sportbranche“. Offensichtlich haben im heurigen Frühjahr viele das Fahrrad nicht nur als Sportgerät entdeckt, sondern auch als Mobilitätsmittel.

Ich möchte hier noch ein wenig Öl ins Feuer gießen.

Superspreader in New York - das weiß man mittlerweile gesichert – waren die schlecht belüfteten Metro Stationen. Dem entkommt man sehr leicht, wenn man oben mit seinem Drahtesel unterwegs ist. Jetzt werden Sie sagen: ja, aber wir leben ja nicht in New York, sondern möglicherweise am Land, und ich muss jeden Tag nach Linz. Allein die zeitliche Komponente! Ich bin vorige Woche am kürzesten Weg mit dem Fahrrad nach Linz gefahren und hatte dabei ein schönes Erlebnis: von Schwertberg nach Linz sind es ungefähr 30 Kilometer. Nach zwei Kilometer (in Niederzirking) überholte ich an einer Bushaltestelle den Linienbus, kurz vor Mauthausen hatte er mich wieder eingeholt, kurz nach dem Ort überholte ich ihn wieder, in St. Georgen er mich wieder (da haben wir uns im Übrigen das erste mal zugenickt). Sie ahnen schon wie es weitergeht. In Steyregg, dem letzten Ort vor Linz, habe ich ihn dann aus den Augen verloren, ich vermute, weil er gerade aus Richtung Dornach fuhr, und ich über die Steyreggerbrücke nach Linz. Ich möchte noch erwähnen: Ich hatte die ganze Zeit starken Gegenwind und war gemütlich unterwegs, weil ich nicht verschwitzt zu meinem Termin kommen wollte.

Eines ist klar: auch ich will nicht jeden Tag nach Linz und wieder zurück mit dem Rad fahren. Aber gelegentlich ist das eine wunderschöne Alternative, die die Laune bedeutend hebt.

Die Laune verschlechtern hingegen aggressive Autofahrer, die mindestens ein Feindbild haben, nämlich Rennradfahrer, die auf der Straße fahren. Es ist das jene Spezies, die auch regelmäßig auf diversen Social Media Kanälen kundtut, die Rennradfahrer sollen schauen, dass sie auf den Radweg kommen. Natürlich nicht so freundlich formuliert, sondern mit allen Verwünschungen unterstützt, bis hin zur Extremvariante. Diesem tödlichen Unfallswunsch fühlt man sich dann auch sehr nahe, wenn man die Autos fast schon am linken Knie spürt, wenn sie mit 120 km/h an einem vorbeirasen.

Ich bin sicher, wenn sich die Community der Radfahrer vergrößert, sprechen sich mehrere Tatsachen schneller herum. Eine davon ist, dass man auf einem völlig verdreckten, ungepflegten, noch nie vom Rollsplit gesäuberten Radweg mit einem Rennrad nicht fahren kann. Es stimmt, es gibt Gemeinden oder Städte, in denen sind in den letzten Jahren viele neue Radwege entstanden. Wenn man z.B. über Enns, Asten und Pichling nach Linz fährt ist rechts ein wunderbarer, breiter und mit schönem Abstand zur Straße errichteter Radweg. Mit einem Nachteil: da ist noch nie eine Kehrmaschine gefahren. Über die Steine die dort liegen kann man auch mit anderen Fahrrädern nur sehr langsam und mit großer Sturzgefahr fahren. Diese Strecke meide ich mittlerweile, weil ich dort schon Autofahrer erlebt habe, von denen ich fürchten musste, sie erleiden einen Herzinfarkt, so haben sie sich über die von mir erzwungene kurze Abbremsung aufregen müssen.

Ich bin sicher, wenn einer dieser Choleriker jetzt entscheidet, sich ein Rad zu kaufen und er selber mal in die Lage kommt, von seinesgleichen beschimpft oder gar bedroht zu werden, wird sich sein Verhalten künftig ändern. Ein Wissender mehr, einer mehr der es weitererzählt, wie viel Spaß ihm die Bewegung macht, einer mehr der die Wirtschaft ankurbelt weil er neben dem Fahrrad auch bald eine kleinere Garderobe braucht. Einer mehr, der sich jetzt über eine gesündere Ernährung Gedanken macht, weil die tägliche Leberkässemmel nicht mehr kompatibel mit der nahenden Trainingseinheit auf dem Rad ist, und nicht zuletzt, einer mehr, der einfach freundlicher und netter zu seiner Partnerin ist. Und sich die Paartherapie völlig spart.

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
Sport & Kultur

Eine Mehlspeiskultur

von Gerhard Hinterkörner
Was ist eigentlich die österreichische Mehlspeiskultur? Auf diese Frage gibt es zweifellos eine Vielzahl von Antworten und Interpretationen. Aber was die wenigsten wissen: Die österreichische Mehlspeiskultur ist eine von der UNESCO ausgezeichnete Initiative zur Sichtbarmachung des immateriellen Kulturerbes im 21. Jahrhundert. Kopf und Herz dieser Initiative ist Alfred Fiedler, Unternehmer, Agenturinhaber und First Mover, der für dieses Thema brennt.
Gastbeitrag
Sport & Kultur
Meistgelesen

Heim. at

von Sandra Schwaiger
Reinhard Fendrich, Andreas Gabalier oder Hubert von Goisern? Wem gelingt die Vermittlung des treffendsten Heimatverständnisses? An dieser Stelle sei gedankt, dass sich Heimat nicht über den Grandprix der Volksmusik definiert, zumindest hoffentlich nicht ausschließlich. Heimat als Begriff regt die Fantasie oft mehr an, als es die Realität bestimmen kann.
Sport & Kultur

Dein Leben ohne dich

von Gerhard Hinterkörner
Stell dir vor, du siehst dir dein Leben „ohne dich“ aus einer gewissen Distanz an! Diese spannende Idee wurde 2016 in dem sehr empfehlenswerten Film Wakefield umgesetzt. Mit Bryan Cranston – viele kennen ihn als Walter White in Breaking Bad – ist dieser Film hochklassig besetzt. In diesem Film spielt er den erfolgreichen Anwalt Howard Wakefield, der seines Lebens überdrüssig ist. Er möchte es einfach einmal anhalten. 2016 war dieses „herunterfahren“ noch eine reine Fiktion und höchstens als ein phantasievolles Gedankenprojekt vorstellbar.
Sport & Kultur

RESPONSIBILITÄT

von Sandra Schwaiger
Das Dosenbier ist eine geniale Erfindung, denkt man sich bei Befüllen des Wanderrucksackes und freut sich über den minimalen Gewichtzuwachses und des gleichzeitig maximalen zu erwartenden Gipfelgenusses.
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit