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Der sechste Sinn

Gerade jetzt zur Europameisterschaft ist unser sechster Sinn, also unsere Körperwahrnehmung, besonders ausgeprägt. Wie sonst sollte es möglich sein, dass wir professionell jeden Spielzug der Profis besser ausführen hätten können, als diese selber. In Wirklichkeit wäre es natürlich so, dass wir mit unseren Fähigkeiten auf dem Spielfeld nicht viel ausrichten könnten.

29.06.2021

Bei Profis ist auch der sechste Sinn wesentlich ausgeprägter und besser trainiert. Dieser Sinn berechnet die Flugbahn des Balles, und der Profi weiß, wo er genau stehen muss, um den Ball anzunehmen. Und in dem Moment, in dem er das tut, blickt er sich auch noch nach dem passenden Spieler um, dem er den Ball zuspielen kann. Aber wir brauchen nicht den Fernseher einzuschalten, um diese Unterschiede zu beobachten. Schaut euch einen geübten Kellner an, der sein überfülltes Tablett mit großer Sicherheit zu den Gästen bringt, oder einen Handwerker, der mit seinem Werkzeug umgeht, als wäre es die Verlängerung seiner Arme.

Aber auch im alltäglichen Leben ist dieser Sinn unverzichtbar. Wir könnten so gut wie nichts ohne ihn. Dadurch verwundert es ein wenig, dass er nicht an erster Stelle steht. Aristoteles hat in der Antike unsere fünf Sinne Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten identifiziert, und das wars für über 2000 Jahre. Erst seit rund 100 Jahren sind wir uns unseres Körpersinnes bewusst, für den wir nicht einmal ein spezifisches Organ haben, aber ohne den wir weder richtig gehen, noch uns sonst wie bewegen könnten, geschweige denn Sport betreiben. Und ohne ihn würden wir auch nicht wissen, ob die Packung Milch noch voll, oder schon halbleer ist, allein wenn wir sie aus dem Kühlschrank nehmen.

Und man kann ihn trainieren. Eine der besten Möglichkeiten dazu ist die Sportart Frisbee! So unspektakulär dieses Freizeitvergnügen aussieht, so komplex sind die Abläufe und Anforderungen für unseren sechsten Sinn. Wie werfe ich die Scheibe, dass sie richtig rotiert, in die gewünschte Richtung fliegt, in welchem Winkel, wo muss ich stehen um sie zu fangen, mit einer Hand oder mit beiden Händen? Alles dies und noch viel mehr berechnet unser Körpersinn bei diesem Sport. Für Kinder ist dies im Übrigen viel schwieriger als für einen Erwachsenen.

Natürlich habe ich das bis gestern auch nicht gewusst, aber in einem wissenschaftlichen Bericht auf 3Sat ging es um diesen meist total unterschätzen Sinn. Und für mich war es ein Anlass, diesen Beitrag zu schreiben, weil ich denke, dass der bevorstehende Sommer eine gute Zeit wäre, sich eine Frisbee Scheibe zu besorgen, mit der Familie in den Garten zu verschwinden und sich seines sechsten Sinnes so richtig bewusst zu werden. Die Freude an der Bewegung und den Spaß an der gemeinsamen Aktivität gibt es als Draufgabe.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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