M21 Blog
Sport & Kultur

SP 3 - 1:59:40

In Wien wurde also wieder einmal Weltgeschichte geschrieben. Eliud Kipchoge lief, unterstützt von einer neu asphaltierten Praterstraße, einer Laser-Linie, die vor ihm auf die Bahn projeziert wurde, 36 Pacemakern und einem Großsponsor aus der Chemiebranche einen neuen Weltrekord. Im Livekommentar überschlug sich der Kommentator mit Superlativen, dieser bezeichnete Kipchoge als den „besten Menschen der Welt“. Vom kenianischen Präsidenten abwärts gratulierte die Sport- und Prominentenwelt mittels Twitter und benutzte Begriffe wie „episch“ und das größte Ereignis der „Geschichte“ und - für mich besonderes erstaunlich - wie „inspirierend“ Kollegen aus dem Profisport diese Leistung finden.

15.10.2019

Dass man es als Inspiration empfinden kann, wenn jemand schneller laufen kann als man selbst, vor allem wenn man selbst schon Profi ist, hat mich doch überrascht. Wie dem auch sei, um es vorweg zu nehmen: Ich bin selber schon Marathon gelaufen und weiß daher die Leistung von Kipchoge zu würdigen. Auch bei aller akribischer Vorbereitung und professioneller Unterstützung, laufen musste er dieses Höllentempo selber. Dafür gebührt ihm höchster Respekt.

Was ich aber kritisiere ist die Botschaft, die hinter diesem ganzen Spektakel steckt. „Nohumanislimited“ war das Motto dieses Vorhabens. Eigentlich ein sehr schöner Spruch: „Kein Mensch hat Grenzen“. Ist aber meiner Meinung nach genau so unzutreffend wie „die Würde des Menschen ist unantastbar“ und im Kontext mit diesem Weltrekord eigentlich komplett verkehrt.

Wir wissen, dass sehr viele Menschen sehr wohl limitiert sind und schon aufgrund ihrer Mittel nur begrenzte Möglichkeiten haben. Bei diesem Event ist es darum gegangen, dass ein Ausnahmeathlet einen Weltrekord knackt und damit eine neue Benchmark für die besten Marathonzeiten festlegt. Künftige Bestzeiten beim Marathon werden im Schatten der 1:59:40 liegen, egal ob das jetzt spezielle Gegebenheiten waren. Die Botschaft von „kein Mensch hat Grenzen“ motiviert einen Amateurläufer bestenfalls, seine 3:59:59 um zwei Minuten zu verbessern. Spätestens dort wird er merken, dass hier doch Grenzen vorhanden sind.

Eine Initiative, die sich „Nohumanislimited“ nennt, könnte ich mir gut vorstellen als Hilfsprojekt für alle Schüler, die sich keine vernünftigen Laufschuhe leisten können. Speziell im Sport habe ich schon oft mitbekommen, dass Kinder allein aufgrund des finanziellen Hintergrunds der Familie ausgeschlossen sind. Der Skikurs, die Sportwoche oder das ganze Equipment, das man für eine spezielle Sportart benötigen würde, übersteigt oft bei weitem die finanziellen Möglichkeiten.

Wie schön wäre es doch und wie viele Menschen mehr würden davon profitieren, wenn Sponsoring in diese Richtung laufen würde. Natürlich sind fünf Kinder mehr am Skikurs, oder einige mehr mit Laufschuhen nicht so leicht und medienwirksam zu vermarkten. Aber dem Slogan „kein Mensch hat Grenzen“ würde es gerechter werden.

In der Schule meiner Tochter zum Beispiel geht es im Sport ohnehin nur noch darum, welche Entschuldigung man braucht, um von dieser Stunde befreit zu werden. Hier wird die Grenze aus meiner Sicht bei der Motivation gezogen. Natürlich spricht eine angebotene Sportart nicht eine bunte Vielzahl von jungen Menschen an. Mit Sicherheit auch ein finanzielles Thema. Von der Infrastruktur bis zum wirklich gut ausgebildeten Sportlehrer fehlt es vielerorts. Und der Grund ist klar: das Thema hat keine hohe Priorität. Wichtigkeit bekommt es erst viele Jahre später, wenn die Menschen mit Übergewicht und Gelenksproblemen dem Gesundheitssystem auf der Tasche liegen. Dann versuchen die Physiotherapeuten in den Kuranstalten ihre Patienten wieder bewegungsfähig und schmerzfrei zu bekommen. Ganz weit weg von der „Nohumanislimited“-Vision.

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit