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Gesellschaft und Wissenschaft

Zumindest in der Politik bräuchte es eine Leadership Lizenz

Jeder, der jemals in einem Angestellten- oder Arbeiterverhältnis tätig war, kennt ihn sehr gut: den Unterschied zwischen Führung und Management! Führung, neuerdings Leadership genannt, zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, andere Menschen von einer Vision zu inspirieren und zu motovieren.

Solche Führungskräfte verfügen über Werte und Überzeugungen und leben diese mit dem eigenen Handeln vor. Leider ist diese Spezies sehr selten, oder sogar vom Aussterben bedroht.

Manager hingegen gibt es in großer Zahl, aber in dieser Berufsgattung sind halt nur Verwalter und die haben mit dem Leader als Visionär rein gar nichts zu tun. Ein Visionär schafft den Wandel, und zwar durch Kreativität und Innovation. Bei einem Manager geht es darum, Personen, Prozesse und Ressourcen auf bereits bestehenden Strukturen zu organisieren und zu steuern. Ohne Frage ein anspruchsvoller Job und auch unbedingt erforderlich.

Der echte Leader, nicht selten eine charismatische Persönlichkeit, will etwas bewegen, steckt andere mit seiner Begeisterung an und will echte Veränderung erreichen. Und er zeichnet sich durch eine Kombination von verschiedenen Kompetenzen aus. Und: er kann Fehler zugeben, die richtigen Schlüsse daraus ziehen, und etwas daraus lernen.

Also das exakte Gegenteil von dem, was sich derzeit auf der politischen Bühne abspielt. Man braucht hier nicht parteipolitisch werden, denn gegenseitiges Hinhacken und Schuldzuweisungen stehen in allen Farben und täglich zur Verfügung. Für eine Firma ist es sehr schlecht, wenn kein Leadership vorhanden ist. Noch schlechter ist es, wenn sich das Management auch nicht gerade durch Kompetenz auszeichnet. Die Auswirkungen in so einem Fall werden in der Bilanz sichtbar, und dies ist meist der Zeitpunkt für einen personellen Wechsel.

Man stelle sich die derzeitigen Verhältnisse – egal ob auf nationaler oder EU-Ebene – in einem Unternehmen vor. Die Politik ist so weit weg von Leadership, ja sie ist sogar weit weg von einem guten Management. Das Unvermögen wird jeden Tag sichtbarer und das Vertrauen in gesetzte Maßnahmen oder Regeln sinkt von Woche zu Woche. In einem Unternehmen würde man spätestens jetzt reagieren.

Und was passiert auf politischer Ebene? Gestern war in einer Runde der Chefredakteuren zu hören, wie unglaublich schlecht es um Kompetenzen und Führungsstil in diesem Land bestellt ist, aber in Zeiten der Pandemie es eben sehr unpopulär ist, uns Wähler vor die Urne zu bitten. Ich möchte abschließend nochmals eine Parallele zu einem Unternehmen ziehen. Wenn keine Führungsqualitäten vorhanden sind, verlieren die Menschen das Vertrauen und suchen sich neue Jobs. Welche Alternativen suchen sich die Menschen, wenn kein Vertrauen mehr in die Politik besteht? Leadership, wie wir es in den USA gesehen haben, oder wie es in Ländern wie Brasilien, Türkei, Russland oder Ungarn noch Realität ist, gibt die Antwort darauf.

Kommentare und Antworten

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  • Sandra Schwaiger Badge M21 First Mover 17.03.2021 um 07:58
    Danke, Gerhard, für dieses spannende Thema, das natürlich ein sehr umfangreiches und durchaus dringliches Thema ist, das anregt, vielschichtig nachzudenken.
    Zum einen sollten wir uns die Frage stellen, ob wir die Art von Leadership, einer geht begeistert voran und alle anderen hinterher, überhaupt noch wollen und ob diese Form uns kreativ weiterbringt. Das ist eine uns halt bekannte und gewohnte Form des Lernens und bis zu einem gewissen Grad auch wohl erprobte Form des Lenkens eines Systems, sei es ein Unternehmen oder ein Staat. (wobei wir da sicherlich unterscheiden müssen, da die Absicht, die hinter einem Unternehmen und vergleichsweise einer gewählten Bundesregierung jeweils eine andere ist, zumindest sollte sie eine andere sein.) Nun versagen die Leader dort und da und wir sollten darüber nachdenken, ob so eine Form des Miteinanders noch zukunftstauglich ist oder ob nicht neue Strukturen, Plattformen, Expertenrunden, gemeinwohlorientierte und bürgernahe Ebenen fruchtbarer und letztendlich demokratischer sind. Dabei müssten wir bestimmt aushalten, dass die Mühlen langsamer mahlen, denn Demokratie im vollen Umfang ist langsamer als ein auf einem Leader aufgebautes System.
    Wie überall im Augenblick wird auch in der Politik das sichtbar, was jahrelang verschlampt und geduldet sich langsam etabliert hat. Krisen, Chaos, Disput und ähnliches sind ja ein Ergebnis jahrelang gepflegter Muster. Uns BürgerInnen hat Demokratie bis her in der Form genügt, dass wir regelmäßig am Wahlzettel ankreuzen dürfen und uns genügte die Gewissheit, dass man im Falle auf die Straße gehen kann oder ein Volksbegehren einleiten kann. Vereinfacht gesagt, wir sind selber schuld an der Misere. Wir sollten uns gut ansehen, was und wen wir gewählt haben, und ob das herkömmliche Parteiensystem zukünftig überhaupt abdecken kann, was an Kompetenzen notwendig sein wird. Ich glaube, wir sollten politischer werden – nicht parteipolitisch - , sollten uns mehr an der Gesellschaft und ihren Bedürfnissen interessieren und sollten die alte Logik von Führung in Frage stellen.
  • Christoph Gassner Badge M21 First Mover 16.03.2021 um 15:41
    Hallo Gerhard, eine sehr treffende Analyse. In dieser Situation kommt mE noch erschwerend dazu, dass das von Dir zitierte Unvermögen oft noch mit Inszenierung und Ablenkung kombiniert wird und diese Kombination ist teuflisch. Vor allem, weil Sie unsere Gesellschaft spaltet und auseinanderdividiert. Hier gegenzusteuern und dazu noch eine positive Grundhaltung zu vermitteln - da wäre dann wieder Leadership gefragt!
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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