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Gesellschaft und Wissenschaft

Zoom Fatigue

von Gerhard Hinterkörner

Kaum hat ein neues Phänomen das Licht der Welt erblickt, gibt es in den USA schon ein Wort dafür: „Zoom Fatigue“. Die in den letzten Wochen zusehends angestiegenen Videokonferenzen ermüden uns also zusehends, oder drastischer formuliert, die Leute haben die Schnauze ziemlich voll davon.

Ich kann es einerseits sehr gut verstehen! Während solcher Konferenzen konzentrieren wir uns ausschließlich auf das verbal Gesagte, alle anderen nonverbalen Botschaften und körpersprachliche Signale gehen völlig verloren. Man spürt die Menschen online einfach nicht. Natürlich ist es noch besser als eine E-Mail, weil man zumindest gleichzeitig kommuniziert und daher ist es mit Sicherheit die bessere Notlösung.

Was mich persönlich besonders daran stört ist dieser „schweigende Rest“ von Gesichtern auf dem Bildschirm. Man hat überhaupt keine Ahnung, wie die Aufmerksamkeit ist, wie es den Leuten gerade geht, ob alles passt oder ob sich die Hälfte der Teilnehmer sowieso schon mit ihrem Handy auseinandersetzt. Es fehlt auch das Feedback völlig. Das hat mit Sicherheit auch viel mit einer der grundlegenden Regeln in dieser Technologie zu tun, nämlich dass man stumm geschaltet ist. Übrigens auch ein Riesenproblem in den virtuellen Klassenzimmern oder beim Online-Sport, wo sich Teilnehmer – auch aufgrund der Tatsache, dass man vieles nur zwei- anstelle von dreidimensional sieht – deutlich erschöpfter fühlen, als im analogen Unterricht.

Ein weiteres Problem der Onlinekommunikation ist, dass sie extrem komprimiert stattfindet. Es dauern beispielsweise Workshops, die analog den ganzen Tag angesetzt sind, nur noch 2-3 Stunden. Man steht daher viel mehr unter Druck, von den ganzen ergonomischen Defiziten oder vom regelrechten Tunnelblick vom Starren in den Computer will ich jetzt gar nicht reden.

Genug der Nachteile! Denn es gibt aus meiner Sicht mindestens drei enorme Vorteile, warum ich dafür eintrete unseren digitalen Schwung aufrechtzuerhalten.

Allen voran steht die Zeitersparnis. Wie viele Termine sind Einzeltermine mit einer Person, die wir bereits kennen? Ich denke, das ist eine enorm große Anzahl und bei diesen Terminen handelt es sich oft um eine klare Agenda, um einige Punkte die besprochen gehören, um eine Abklärung usw. Also etwas, was sich sehr leicht über eine Videokonferenz abwickeln lässt und uns dabei enorm viel Zeit spart!

Neben der Zeitersparnis für die Fahrt in die nächste Landeshauptstadt, oder nach Wien, oder gar den Kurzflug nach Deutschland für den einen wichtigen Termin, für die Präsentation des einen neuen Produktes, sind wir stattdessen wesentlich klimafreundlicher unterwegs. Das ist für mich das zweite starke Argument.

Und zuletzt liegt es auf der Hand, was wir uns durch die unterbliebene Reise neben unsere Lebenszeit auch noch ersparen, nämlich Geld. Wir sparen also Zeit und Geld und schützen das Klima. Aus meiner Sicht ganz starke Argumente, unsere in den letzten Wochen praktizierten Arbeitsweisen nicht wieder völlig über Bord zu werfen. Und die Betonung liegt dabei auf „nicht völlig“.

Auch ich freue mich riesig auf neue Termine. Auf das persönliche Kennenlernen von Kontakten, die sich in letzter Zeit digital ergeben haben. Raus aus dem Homeoffice, das den Privatbereich zunehmend etwas porös werden hat lassen. Wieder im Zug oder im Auto sitzen dürfen, auch bald wieder auf einen Kaffee sich treffen oder im Lieblingsrestaurant einen Tisch reservieren für ein anregendes Gespräch unter vier Augen.

Alles das möchte ich nicht missen und parallel dazu werde ich auch versuchen, es mir öfters zu „ersparen“, aus den oben genannten und sehr gewichtigen Gründen.

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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