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Gesellschaft und Wissenschaft

WISS 5 - Wertewandel

Über diesen Begriff stolpern Sie gleich zu Beginn auf der website der movement21.
Welche Werte wollen gewandelt werden? Wir haben viele Anliegen aber eine empathischere Gesellschaft steht auf der Liste ganz oben.

21.10.2019

Warum ist nicht öfter 24. Dezember, wo man jedem, dem man an diesem Tag begegnet, von Herzen ein frohes Fest wünscht? Wenn ich die Augen schließe und an diesen magischen Tag denke, ist die Stimmung, die Entspannung, der Frieden und das Sein jenseits aller Konkurrenz, des Wettkampfes, der Enttäuschung in jeder Zelle spürbar. Ob das Fest dann tatsächlich entspannt abläuft oder die Vorstellungen der Familienmitglieder doch dort und da keine Überschneidung finden, sagen nichts über die tiefliegende Sehnsucht in uns aus.

Höher, weiter, schneller, wir verausgaben uns bis zur Erschöpfung und sehnen uns nach mehr 24. Dezember, sehnen uns danach, gesehen zu werden, wahrgenommen zu werden, umarmt zu werden, ohne es uns verdient, erarbeitet oder erhofft zu haben. Noch ist Oktober, aber die Weihnachtsdeko wird bereits in die Regale geräumt.

Zum Stichwort „Dekoration“ fällt mir ein Ereignis vor ein paar Jahren in Indien ein. Das Land ist ja bekannt für schreiende Werbeplakate und unübersehbaren Überschwang beim Ausdruck ihrer Religiosität. Eine LKW-Plane ist mir in Erinnerung geblieben, auf der ein Abbild Buddhas zu sehen war mit der Aufschrift „I am not just a deco.“ Und tatsächlich sind die kleinen und großen Buddhas zu Dekos verkommen, man kann sie günstig in jedem Discounter erwerben und dann finden sie ihren geeigneten Platz in unseren Wellnessoasen, Gärten und Wohnungen. Die Buddhas, drücken sie tiefliegende Sehnsüchte in uns aus und helfen sie uns die Zeit von einem 24. Dezember zum nächsten zu überbrücken?

Ich will Ihnen kurz erklären, was die vier höchsten Geisteshaltungen im Buddhismus sind und was uns auch Patanjali in seinen Yogaschriften, beinahe ident anregt, in uns zu kultivieren. Vielleicht wird uns dann auch bewusster, was wir in unseren Räumen drapieren.

Das erste nennt sich Metta und beschreibt die liebende Güte, ein Wohlwollen für andere, ohne etwas zu erwarten. In unserer Tradition würden wir es Barmherzigkeit nennen oder im Büro der Kaffee, den der Kollege wohlwollend und überraschend vorbeibringt.

Eine zweite Geisteshaltung nennt sich Karuna, was mit Mitgefühl oder Empathie übersetzt werden kann. Wir sollen üben, mit Schmerz und Misserfolg der anderen sein zu können, ohne diese abwenden zu wollen. Wie schön, so etwas empfangen zu können, wenn man sich selbst einmal in einer Schieflage befindet!

Drittens empfehlen Buddha und Patanjali eine Haltung der Mitfreude, oder Mudita zu kultivieren und uns zu fragen, ob wir dem Glück anderer wirklich wohlgesonnen gegenüberstehen können oder Neid empfinden.

Die vierte Geisteshaltung nennt sich Upeksha und ist gleichzusetzen mit Gleichmut oder Gelassenheit. Können wir gelassen bleiben, wenn wir Negatives oder Verletzendes erleben? Freuen wir uns wirklich über hervorragende Leistungen anderer oder missgönnen wir ihnen ihre Fähigkeiten und ihren Erfolg? Es geht um unseren inneren Frieden. Neid, Schadenfreude, Wettkampf oder Zorn versperren uns den Weg dorthin. Das Zusammenleben ist kompliziert, manchmal sogar riskant.

Die Welt ist kein gemütliches Nest und Gesellschaften jeder Art sind Orte der Herausforderung. Es erfordert viel Achtsamkeit und Selbstbeobachtung um auch abseits der Terminologie des Festkreises unsere Geisteshaltung zu kultivieren.  

Mögen die vielen Buddhas und die Weihnachtsdeko in den Regalen uns daran erinnern. Der Wandel, nach dem wir uns sehnen, beginnt in uns.

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Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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