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Gesellschaft und Wissenschaft

WISS 16 Tensigrität

Der Begriff verrät wahrscheinlich nur bei einschlägig informierten Anatomiefreaks worum es im folgenden Text gehen wird. Dass es irgendetwas mit Spannung zu tun hat, entdeckt eventuell bereits derjenige, der sich gerne mit Fremdwörtern beschäftigt. Kurz um, ich spanne im wahrsten Sinne des Wortes einen Bogen vom Wunderwerk unseres fazialen Bindegewebes über den Verlust von Stilbewusstsein bis zu einem wünschenswerten charmanteren Umgang zwischen Frauen und Männern.

26.02.2020

Der bekannte deutsche Faszienforscher Dr.Robert Schleip beschäftigt sich schon lange mit dieser weißlichen, klebrigen Haut, die alle unsere Muskeln, Organe und Knochen umhüllt und letztendlich im Körper alles miteinander verbindet. Das Fasziensystem ist ein perfektes Zug-Spannungsnetzwerk, besitzt also das, was der Begriff „Tensigrität“ bedeutet.

Nicht die Knochen, oder wie über Jahrzehnte gelehrt, die Wirbelsäule, unser Stützapparat ist, weiß man nun, dass dieses Gewebe es ist, das die Knochen zusammenhält und Bewegung möglich macht. Hier fällt auch schon das Schlüsselwort, das ein gesundes Fasziengewebe braucht, nämlich regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegung. Wird seine Gleitfähigkeit angeregt, bleibt es elastisch. Herkömmliches, scharfes Dehnen ist etwas anderes und wirkt kontraproduktiv und zu wenig Bewegungsimpulse lassen das Gewebe quasi versulzen, Entzündungsherde können nicht abtransportiert werden und im schlimmeren Fall können diese sogar Nerven und Muskeln einquetschen. Die meisten kennen solche unspezifischen Schmerzen am unteren Rücken, wofür es oft keine diagnostizierbare Ursache gibt.

Noch interessanter finde ich die eben erst entdeckte neurologische Bedeutung dieses Spannungsnetzwerkes. Man hat herausgefunden, dass diese feinen Häute auch mit unendlich vielen Nervenfasern durchzogen sind und auf jeden äußeren Einfluss sofort mit Erhöhen der Spannung reagieren. Das heißt Ärger, Stress, Traurigkeit oder andere emotionale Spannungen drückt der Körper aus. Ob jemand selbstbewusst, ängstlich oder unruhig ist, wird an der Körperhaltung sichtbar.  In solchen durchaus alltäglichen Zuständen, wenn wir uns in unserer Haut nicht wohl fühlen, ist unsere Körperwahrnehmung und somit auch unsere Selbstwahrnehmung eingeschränkt. Die fortwährende Distanz zu sich selbst bewirkt nach und nach einen Verlust an Stilbewusstsein und der Liebe zur Form. Und steht der Großteil der Gesellschaft unter Spannung entstehen so fürchterliche Dinge wie Unisex-Dresscodes, Sneakers zu Kleidern und ein Verschwinden von Lippenstift und Co.

Vor einigen Jahren soll eine genderbewusste Zeitschrift die Frauen dazu aufgerufen haben, die High Heels wegzuwerfen, sich nicht mehr zu schminken und ihre Kleidung an männliche Standards anzupassen. Wie traurig ist eine Welt, in der der Körper totgeschwiegen wird und die Schönheit ihre Chance verliert! Sie sollten jetzt wissen, dass ich gerade an einer Piazza in Rom sitze und mich in heilsamen Genuss wiederfinde. Frauen inszenieren hier ihre Vorzüge genauso wie Männer, beide scheinen gleich gut zu wissen, was das unterstreicht, was man hat, und sei dies nur die perfekt sitzende Sonnenbrille. Frauen müssen sich hier für ihre Schönheit und dessen Ausdruck nicht rechtfertigen, gibt es doch oft genug das Phänomen, dass kluge und schöne Frauen von anderen als eine Provokation erlebt werden.

Ob es hier in Italien an der mediterranen Sonne liegt, am dolce vita, der Pasta oder den besseren Modedesigner, hier bewegt man sich jedenfalls entspannter und ich erfreue mich an den attraktiven Männern und Frauen, die hier an meinem Tischchen in der Cafeteria vorbeikommen und meine Gedankengänge anregen. Fakt ist, wer sich gut gekleidet fühlt, erfreut sich gleichzeitig an mehr Selbstbewusstsein, was wiederum Motivation und Leistung erhöht. Wer sich also in seiner Haut wohl fühlt, bedeckt sie auch formschön und erfreut sich an sich selbst. Und natürlich auch am anderen!

F. Berzbach drückt dies in einem meiner Lieblingsaufsätze so aus, dass die Kunst, Komplimente zu machen, nicht der Werkzeugkasten sexueller Belästigung ist. Wer die Schönheit und dessen Inszenierung liebt, der kommuniziert häufig voller Wertschätzung, macht Komplimente und hat Zugang zu einer endlosen Quelle der Freude. Er hat auch die guten Manieren, damit sie bleibt. Und das gilt für beide Geschlechter! Nun offenbart sich also der Auftrag herauszufinden, welche Faszie versulzt ist, die uns daran hindert unserer inneren Schönheit Ausdruck zu verleihen. Attraktiv zu sein ist kein Verbrechen, kein Glückszufall, sondern eine Entscheidung. Attraktivität weckt Lebensgeister und beruhigt zugleich.

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Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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