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Gesellschaft und Wissenschaft

WISS 1 - Stört das sonst niemand?

Immer wenn es um das Thema Gleichstellung zwischen Mann und Frau geht, werden die üblichen Themen getrommelt.

Gender Pay Gap, also der angeblich sehr große Unterschied zwischen den Einkommen, Frauen in Führungspositionen, Unvereinbarkeit zwischen Familie und Beruf und so weiter. Mindestens so oft wie diese Mythen forciert werden, werden von – zumindest einigen Medien – diese Behauptungen stark abgeschwächt.

22.08.2019

Aufmerksame Leser dieser Berichte wissen von der sogenannten bereinigten Statistik. Gemeint ist damit, dass die Einkommensschere um vieles schmäler wird, wenn der Umfang der Beschäftigung und die Branchen berücksichtigt werden. Allein der hohe Prozentsatz der Teilzeitkräfte bei den Frauen, kippt diese Darstellung völlig. Genauso wie die Tatsache, dass Frauen in den bestbezahlten Branchen so gut wie nicht vertreten sind und auch alle Anstrengungen sie dafür zu gewinnen, bisher mehr oder weniger im Sande verlaufen sind.
 
Natürlich ist es für eine Frau, die gerne eine Familie gründen möchte und Kinder möchte, ungleich schwieriger die Karriereleiter emporzusteigen. Längere Auszeiten, Karenz, unvorhersehbare Probleme mit den Kindern, zu wenig Betreuungsmöglichkeiten sind nur einige Themen oder Problemfelder, die meist auf den Schultern der Frauen liegen.
 
Gleichstellung fängt im Alltag an. Bei vielen Kleinigkeiten, die aus meiner Sicht zu wenig beachtet oder thematisiert werden. Ich möchte dazu ein Beispiel bringen: vor kurzem war das Innenstadt-Radkriterium in Wels. Die Internationale Radspitze war bei diesem  Event vertreten und es wurde ein tolles Programm geboten. Zu Beginn stand das Frauenrennen mit 30 Runden, die an Spannung kaum zu überbieten war. Äußerst professionell gewann Kathrin Schweinberger, die das Rennen sehr klug und taktisch anlegte. Der einsetzende Regen machte es für die Teilnehmerinnen sehr gefährlich und diese Leistung verdient höchsten Respekt.
 
Danach kamen die Herren, auch ein sensationelles Rennen mit hohem Speed und einer knappen Entscheidung.
 
Jetzt aber zum kleinen Unterschied: Es wurden Preisgelder für die schnellsten Runden vergeben. Nach dem Motto, der/die Gewinner/in der nächsten Runde bekommt – gesponsert von Firma XY – ein Preisgeld von, und jetzt kommt der Hammer: Bei den Damen € 50,- bei den Herren € 100,-!
Ich frage mich: warum eigentlich? Weil die Herren um ein paar km/h schneller sind? Für mich ist das ein gutes Beispiel, wie es nicht laufen sollte. Hier müssten sich schon die Sponsoren bei dem Angebot melden und die Frage stellen, warum nicht ein einheitliches Preisgeld für alle Teilnehmer vergeben wird.
 
Abgerundet wurde dieses Bild dann am nächsten Tag in den OÖN. Auf der Titelseite ein Riesenbild vom Zielsprint der Herren, im Sportteil ein großer Bericht über das Rennen der Herren, wieder mit demselben Foto von der Titelseite, und als allerletzter Satz wurde darüber informiert, wer bei den Damen gewonnen hat. Wenn ich Kathrin Schweinberger wäre, würde mich das sehr verletzen und ärgern. Und ich habe das Gefühl, als wäre ich der Einzige dem das überhaupt auffällt! Ich hoffe sehr, dass ich mich furchtbar täusche!
 
 

 

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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