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Gesellschaft und Wissenschaft

Wir haben uns verwickelt

Wie bereits in einem Newsletter erwähnt ging vorige Woche der Online-Kongress „Pioneers of Change“ zu Ende. Zahlreiche hochinteressante Interviews fanden statt und einen Teil konnte ich mir ansehen, den anderen Teil werde ich sukzessive nachholen. Dieser Kongress hat die Zielsetzung, Menschen zu inspirieren – und auch zu begleiten – in eine sinnvolle Gestaltungskraft ihres Lebens zu kommen. Man kann es auch einfach formulieren: Ein gutes Leben zu führen.

07.04.2020

Nachdem eine der Zielsetzungen der Movement 21 ist, Ihnen komprimierte Informationen zukommen zu lassen, möchte ich in den nächsten Wochen einige Schwerpunkte setzen und Sie mit der Essenz des einen oder anderen interessanten Vortrags zu versorgen. Starten möchte ich mit einem der Highlights von diesem Kongress. Und zwar mit dem Interview mit Gerald Hüther, den wahrscheinlich bekanntesten Hirnforscher im deutschsprachigen Raum.

Wie können wir eingefahrene Verhaltensmuster verlassen? Wie in einen Veränderungsprozess kommen? Was muss passieren, damit wir diesen Aufwand auf uns nehmen? Diese und ähnliche Fragen waren das zentrale Element dieses Gesprächs.

Ich will damit beginnen, wie es NICHT funktioniert: es klappt nicht mit Druck. Also nicht mit schieben und drücken und motivieren. Auch mit Büchern schaffen wir es nicht, und schon gar nicht mit Motivationsseminaren! Und der Grund ist ein einfacher: alte Muster sind extrem energiesparend, daher greift unser Gehirn so gerne darauf zurück. Und noch eine schlechte Nachricht: unsere derzeitige Ausnahmesituation wird uns auch nicht verändern. Schlechte Bedingungen bringen nämlich keine schlauen Lösungen. Sonst hätten wir z.B. spätestens nach dem zweiten Weltkrieg aufgehöhrt Waffen zu verwenden.

Aber nun zu den erfreulichen Botschaften: Veränderung passiert, wenn wir sie wirklich wollen! Wenn es zu einer „inneren Berührung“ – so wie Hüther dies formuliert – kommt. Eine Berührung mit etwas Verlorenem. Hüther erzählte ein Beispiel aus seiner Schule, das uns in dieser Form vermutlich allen bekannt ist. Er musste vorsingen und machte sich dabei zum Gespött der Klasse. Damit war ein Muster in seinem Gehirn einzementiert, und das lautet: „Ich kann nicht singen“. Und mit diesem Muster blieb ihm einen ganze Welt verschlossen. Erst eine Enkeltochter konnte dieses Muster viele Jahre später brechen, indem sie ihn zum Singen ihn ihrem Kindergarten überredete. Und dort bekam er Applaus und merkte, dass er doch singen kann.

Wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum Hüther so vehement gegen unsere „Bildungseinrichtungen“ auftritt, wo seiner Auffassung nach unsere Kinder aufbewahrt, nach fragwürdigen Lehrplänen unterrichtet und durch Noten selektiert werden. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, wo unsere Kinder nicht verbogen und verwickelt werden. Damit sie bei sich bleiben können. Wenn uns das gelingt, werden unsere Kinder so stark, dass ihnen ein System wie unsere Schule nichts mehr anhaben kann.

Aber auch für uns ist es nicht zu spät. Auch wir können uns Potenzialentfaltungsgemeinschaften schaffen, in denen wir unsere Gestaltungsfreude und unsere Entdeckungslust wiederfinden können. Das Verändern von Mustern ist für unser Gehirn extrem anstrengend, aber in guten Beziehungen zu anderen Menschen gelingt dies leichter und eher. Wir können dort unsere Verwicklungen wieder lösen!

Ich möchte noch ein fantastisches Bespiel bringen, wie und wo Veränderung fast nebenbei passiert und funktioniert: Es ist dies ebenfalls ein Beispiel von Hüther, aber genau so in unserer Familie passiert. Die Tochter kommt eines Tages mit der Botschaft nach Hause, kein Fleisch mehr zu essen. Wir können ruhig weiter machen mit unserer rücksichtslosen Ernährungsweise, aber sie steigt hier und jetzt aus und isst nur noch vegetarisch. Wir haben relativ bald gemerkt, dass dies keine Stimmungsschwankung einer Pubertierenden ist, sondern ihr absoluter Ernst, und dies war der Beginn eines komplizierteren Einkaufs- und Speiseplans. Bis wir merkten, dass es etwas einfacher wäre, wenn auch wir – zumindest einige Tage in der Woche – ebenfalls auf Fleisch verzichten würden. So passiert Veränderung, ja so passieren sogar Revolutionen. Wenn die Leute einfach aussteigen aus ihrem Verhaltensmuster, und zwar nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen! Das Beispiel mit der Revolution hat Hüther angeführt, weil er aus der ehemaligen DDR stammt, wo sich eigentlich niemand vorstellen konnte, dass diese binnen weniger Wochen zusammenbricht. Die Leute wollten einfach nicht mehr!

Hüther hatte am Ende dieses Interviews eine faszinierende Botschaft: „Tut euch zusammen und macht euch auf den Weg“... in ein erfülltes Leben voller Entfaltung der eigenen Potenziale! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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