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Widerstandskraft stärken

von Gerhard Hinterkörner

Wilhelm von Humboldt meinte: „Es ist unglaublich, wie viel Kraft die Seele dem Körper zu leihen vermag.“ Ich denke, dieses Zitat passt gut zu dem am Samstag stattgefundenen „Welttag der psychischen Gesundheit“. Dieser Tag kam wie gerufen für mich, da ich mich – auch unter Einbeziehung einiger Professionisten – intensiv mit dem Thema Resilienz auseinandersetze. Also mit jener Fähigkeit, Krisen gut zu bewältigen. Dies schafft man durch den Zugriff auf persönliche und soziale Ressourcen. Aber wie baut man die auf?

Von Seelennahrung ist in diesem Kontext auch oft die Rede und anlässlich dieses Welttages für die psychische Gesundheit kamen jede Menge Experten in den diversen Medien zu Wort. Spannend zu sehen war, dass, egal aus welchem Bereich diese Kommentare kamen, sich alle offensichtlich darüber einig sind, dass wir dazu soziale Kontakte brauchen, Menschen die wir lieben, sinnstiftende Tätigkeiten, eine Mischung aus Erholung und Action, unterwegs sein, Kunst und Kultur verbunden mit neuen Eindrücken, am Besten gewonnen durch viele Reisen.

Gehirnforscher auf der ganzen Welt sind sich sogar einig, dass unser ganzes gesundes Bewusstsein – das allein ist schon ein Begriff, über den wir jetzt stundenlang diskutieren könnten – kein Ausdruck unserer individuellen geistigen Fähigkeiten ist, sondern vielmehr das Talent, mit anderen Menschen zu kommunizieren, zusammenzuarbeiten und von anderen zu lernen. Wir Menschen sind dazu gemacht, die Köpfe zusammenzustecken.

Fällt euch etwas auf? Unsere derzeitige Lebenssituation trägt nicht gerade dazu bei, unsere Widerstandskraft zu stärken. Eher im Gegenteil, eigentlich sollten wir fast alles unterlassen, was uns Menschen eigentlich ausmacht. Versteht mich nicht falsch, ich will jetzt nicht über Masken, Abstand und Hygiene jammern, aber ich möchte aufrufen, weiterhin unsere wichtigsten Bedürfnisse abzudecken.

Und der Kontakt mit Menschen, Abwechslung und Selbstbestimmung gehören hier zwingend dazu. Wie sollen wir sonst neue Erkenntnisse gewinnen und fantastische Erfahrungen machen? Und dies ist auch möglich. Mit Disziplin und Eigenverantwortung.

Bemühen wir uns um einen anderen Blickwinkel. Oft helfen schon eine Prise Humor und ein Lächeln. In einem der Kommentare über psychische Gesundheit kam auch der Psychiater Werner Schöny zu Wort. Seine Botschaft war: „Probleme nicht aufschieben, sondern anpacken.“ Und ebenfalls von ihm kam die optimistische Einschätzung, dass es immer eine Lösung für diese Probleme gibt. Ich bin ganz bei ihm, noch besser aber gefällt mir, unsere Widerstandskraft vorbeugend zu stärken, um die Probleme gar nicht entstehen zu lassen. Aus einem einfachen Grund: es macht mehr Spaß und nennt sich Leben!

 

Kommentare und Antworten

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  • Barbara Freigang-Azadeh Badge M21 First Mover 15.10.2020 um 16:33
    Danke für diesen Beitrag!
    Nachdem eines meiner Schwerpunktthemen auch die Resilienzstärkung ist, hatte ich da auch ziemlich viel Diskussionsstoff mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern. "Was passiert mit uns durch diese Corona-Situation??" Ich habe mich selber einer kontinuierlichen Reflexion hingegeben und finde, dass diese Situation jetzt ein tolles Übungsfeld ist. "Aufmerksamkeit lenkt die Energie" - dieses universelle Gesetz hat mich sehr gut dabei unterstützt: Fokus weg, von dem was alles grad nicht geht und dort hin, was möglich wird...und ich habe großartige, spannende und durchaus herzliche Onlinebegegnungen gehabt, neue Ausbildungen begonnen und insgesamt wirklich die Goldnuggets der Situation aufgesammelt. Mit Optimismus, dem Gefühl der Selbstwirksamkeit und einem Teil Akzeptanz - es ist nun mal, wie es ist - fühle ich mich durchaus stark in dieser instabilen Zeit.
    • Gerhard Hinterkörner Badge M21 First Mover 16.10.2020 um 06:28
      Danke für diesen schönen Kommentar. Keine Frage, unsere Situation bietet, wie du so schön formulierst auch viele Goldnuggets an. Viele Rückmeldungen in den vergangen Wochen und Monaten gingen in diese Richtung. Und nicht wenige bezeichnen das Jahr 2020 als das beste was sie jemals hatten. Aber genauso gibt es viele andere Realitäten und Sichtweisen. Eine davon liefert im nachstehenden Beitrag auch Gerhard Filzwieser.
  • Gerhard Filzwieser Badge M21 First Mover 14.10.2020 um 16:29
    Danke Gerhard für diesen so bedeutsamen und aktuellen Blickwinkel. Meine Wahrnehmung ist, den Menschen geht es in der gegenwärtigen Situation psychisch und seelisch zunehmend schlechter. Egal ob es Angst vor der Ungewissheit ist, die zunehmende Ablehnung dessen was mit unserer Gesellschaft jetzt gemacht wird, die psychische Belastung durch Existenzängste, oder der verlorenen Arbeitsplatz. Nein, vermutlich sollten wir über das Maskentragen, Abstandhalten und all die anderen Dinge die wir nicht mehr sollten, aber das Mensch sein als soziales Wesen ausmachen nicht Jammer ... denn es bringt am Ende nichts. Aber vielleicht sollten wir darüber nachdenken ob das Sinn machen kann dauerhaft nur mehr einen einzigen Fokus zu setzen um vermutlich vergleichsweise wenige Menschenleben zu retten und dafür die Gesundheit einer ganzen Gesellschaft aufs Spiel zu setzen. Man muss kein Mediziner sein um sich ausmalen zu können was sich da jetzt an seelischen Krankheiten aufbaut und mit Sicherheit auch physische Krankheiten als Folge auslösen wird. Und bei allem Respekt gegenüber den bedauerlichen Opfern von Corona ... in diesem Fall sind in hohem Maße auch Menschen betroffen, die in der Blüte ihres Lebens stehen. Ja, es ist mir bewusst, es ist ein extrem unbequemer Gedanke einzelne Menschenleben vorrangig älterer Menschen gegen die psychische, seelische und in Folge auch körperliche Gesundheit, als auch die materielle Existenz eines wesentlich größeren Teiles unserer Gesellschaft gegenüberzustellen. Wie immer man zu dieser Frage stehen mag ... wir sollten sie uns stellen, auch wenn wir uns in einer solch ethischen Frage noch so sehr verstecken wollen bzw. unsere Politik das auch tut. Weiter wegschauen wird meines Erachtens ernste Folgen haben, die nachhaltig sind. Wir müssen endlich dazu übergehen wieder ganzheitlich zu agieren, auch wenn es einfacher ist Infektionen (die noch dazu vielfach keine Aussage über Krankheit oder Ansteckungsgefahr haben) auf einem Dashboard darzustellen, als die seelischen und psychischen Folgen in einer Gesellschaft.
    • Gerhard Hinterkörner Badge M21 First Mover 16.10.2020 um 06:32
      Lieber Gerhard, mit deiner Aufforderung zu einem ganzheitlichen agieren sprichst du mir aus dem Herzen. Ich plane gerade mit einer Gruppe von Menschen (insbesondere die Interviewpartner gehören dazu) unsere Fragestellung "wie machen wir jetzt weiter?" zu vertiefen und insbesondere den Focus auf ein breiteres Spektrum von Sichtweisen zu legen.
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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