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Gesellschaft und Wissenschaft

Terror und Corona-Opfer

Immer, wenn ich Peter Filzmaier höre, bin ich versucht, mitzustoppen, wie lange der Satz, zu dem er gerade angesetzt hat wohl dauern wird. Parallel dazu hat seine sonore Stimme etwas leicht Einschläferndes, was mir manchmal ziemlich hohe Konzentration abverlangt.

14.12.2020

Vor einigen Tagen war er in der ZIB2 und da war diese Extra-Konzentration nicht nötig. In einem – für seine Verhältnisse – sehr emotionalen Appell erklärte Filzmaier, dass die Pandemie nie vorbei gehe, sollte sich die Einstellung der Bevölkerung nicht ändern. Die Corona-Impfbereitschaft ist in Österreich viel zu niedrig. Das bedeutet, dass die strengen Regeln noch lange andauern werden und die Pandemie nie vorbei sein werde, so Filzmaier wortwörtlich und diesem Satz wurde noch ein bekräftigendes „niemals“ hinterhergesetzt.

Aber richtig gewagt fand ich anfänglich seinen Vergleich zwischen den Toten des Wiener Attentats und den täglichen Corona-Toten. Filzmaier wies sehr emotional darauf hin, dass jeden Tag zwischen 30 und 40 Mal mehr Menschen an Corona sterben, als beim Attentat von Wien. In einem ersten Impuls war ich irritiert über diesen Vergleich. Einen Wahnsinnigen, der mit seinem Terror eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt und damit unendliches Leid über Betroffene und Angehörige bringt, mit diesem Virus zu vergleichen?

Mich hat dieser Vergleich sehr nachdenklich gemacht und im Endeffekt bin ich zum Schluss gekommen, dass er sehr passend ist. Wir üben mit unserem Lebensstil und unserem Konsumverhalten Terror auf unseren Planeten aus und eine der Auswirkungen davon ist die aktuelle Pandemie. Die Opfer sterben leise und weniger spektakulär auf den Intensivstationen, aber sie sind ebenso tot, wie jene bedauernswerten Menschen auf den Pflastersteinen der Wiener Innenstadt.

Der Terror in Wien war nach einigen Stunden vorbei, wir machen jedoch jeden Tag mit unserem Lebensstil weiter. Entsprechend groß ist weltweit der Hebel, von dem Filzmaier spricht. 30 bis 40 Mal mehr Tote jeden Tag allein in Österreich. Es war Filzmaier wirklich anzumerken, dass es ihm ein Anliegen ist, die Menschen zum Umdenken zu bewegen. Ich sage es ungern, aber ich denke das ist ziemlich aussichtslos. Wir sehen es jetzt an der Teilnehmerzahl an den Massentests. Sie ist mehr als bescheiden, obwohl hunderte Menschen in jedem Bundesland positiv getestet wurden.

Ich gewinne durch die derzeitige Entwicklung hierzulande eine sehr traurige Erkenntnis: Menschen ohne Verantwortungsbewusstsein und mangelnder Empathie kann man nicht motivieren. Die bisherige Strategie bei den Maßnahmen ist auf der ganzen Welt gleich. Zuckerbrot und Peitsche. Es ist klar, was uns davon wieder erwarten wird. Wer wird wohl daran Schuld haben?

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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