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Gesellschaft und Wissenschaft

Oh Gott, wie cringe!

„Cringe“ ist das Jugendwort des Jahres. Und wie bei vielen Jungendwörtern des Jahres trifft es sehr gut den Zeitgeist. „Oida“ woar des „zach“, bis „cringe“ endlich „Hallo, I bims“ „whatsappen“ konnte.

26.10.2021

Als echter „Boomer“ hab ich dann sofort ein „Selfie“ von mir selber „gelikt“. „Leider geil!“ So, damit hab ich zumindest acht Jugendwörter der letzten Jahre verwendet. Das finden meine Kinder mit Sicherheit extrem cringe!

Aber jetzt ganz ernsthaft: „cringe“ steht für peinlich oder unangenehm, oder noch besser für fremdschämen. Und es hat wohl kaum ein Jahr gegeben, wo dieses Wort passender gewesen wäre.

Auf irgendeinem Radiosender habe ich gehört, dass es bei den Jugendlichen vorrangig das ganze Hin und Her in der Corona-Politik, das Staatsversagen in vielen Bereichen, diverse Chatverläufe und die halbherzige Klimapolitik sind, die sie cringe finden.

In Deutschland ist man der Meinung, dass dieses Wort das Potenzial hat, auch in den Sprachgebrauch von älteren Menschen einzukehren. Dieser Einschätzung würde ich mich sofort anschließen. Nachdem manche Bereiche in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben immer peinlicher werden, wäre es geradezu dienlich, dafür ein adäquates Wort verfügbar zu haben.

Ich möchte dazu ein Beispiel bringen: kürzlich war ich von unserer „Interessensvertretung“ zu einer Abendveranstaltung eingeladen. Begonnen hat der offizielle Teil dieses Events mit der Aussage, dass die einladende Vorsitzende dieser Organisation in letzter Minute doch einen wichtigeren Termin wahrnehmen musste und daher ihre hochgeschätzte Vertretung schickt. Danach hat die Begrüßung und Vorstellung der regionalen Persönlichkeiten, und dabei wurde kaum noch ein Sachbearbeiter in der dritten Reihe irgendeiner wichtigen Organisation ausgespart, geschlagene 21 Minuten gedauert. Absolut cringe dabei: ungefähr ein Drittel der erwähnten Gäste waren gar nicht anwesend.  Als ob das noch nicht genug wäre, wurde der offizielle Teil dann noch auf fast zwei Stunden ermüdende Präsentation über die herausragenden Leistungen im Bezirk fortgesetzt.

Danach beim erlösenden Buffett hatte ich Gelegenheit, mit einer Vielzahl meiner Leidensgenossen zu sprechen. Alle waren sich einig: völlig aus der Zeit gefallen, peinlich und teilweise zum fremdschämen. Also echt cringe! Was ich aber wirklich am schlimmsten fand war die Tatsache, dass der jüngste Teilnehmer dieser Veranstaltung Baujahr 1988 war. Der Moderator, der sich abmühte, einen kabarettistischen Eindruck zu hinterlassen, hat abgefragt wer der Jüngste im Saal sei, daher war dies bekannt. Den Frauenanteil würde ich auf ca. 15 Prozent schätzen. Der Rest war der berühmte Club der „alten weißen Männer“, zu dem ich mich zwar optisch schon zählen muss, aber im Geiste bleibe ich jung, weil ich mich in meiner täglichen Arbeit mit unternehmerisch denkenden Menschen umgebe.

Ich sitze täglich mit Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammen und erfahre dort über die Herausforderungen in den Unternehmen und Organisationen und mit welchen kreativen und faszinierenden Ansätzen man diese löst, oder an einer Lösung arbeitet. Diesen Esprit liebe ich, und es ist die Quelle für meine Kraft und Energie. Vielleicht war es ganz gut, einmal in dieses Paralleluniversum unserer „Interessensvertretung“ einzutauchen, um die Qualität in der wirklichen Welt des Unternehmertums noch mehr zu schätzen. Aber ein Besuch in dieser Welt reicht völlig. So haben es übrigens auch jene Teilnehmer gesehen, die noch nicht im Club der alten weißen Männer sind. Für Nachwuchs ist daher eher nicht gesorgt. Sehr cringe!

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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