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Gesellschaft und Wissenschaft

Oder willst du einmal die Mülltonnen ausleeren?

Oder willst du einmal die Mülltonnen ausleeren? Diese Frage hat vor einigen Tagen ein Vater seinem jungen Sohn in einer Buchhandlung gestellt und ich habe diesen zufällig mitgehört.

22.03.2021

Der junge Mann gab sich ziemlich unbeeindruckt und ich konnte ihn gut verstehen. Ich weiß nicht wie alt er genau war, aber im Übergang vom Kind zum Jugendlichen hat man noch keine richtige Vorstellung von Status und was damit alles verbunden ist.

Wann setzt es eigentlich ein, dieses taxieren? Ab einem gewissen Zeitpunkt glaubt man bei jeder Begegnung sofort zu wissen, in welcher Rangfolge sich der oder die andere befindet. Über oder unter mir? Äußere Signale dafür, wie man gekleidet ist, wie man spricht, mit welchem Auto man gekommen ist, von welcher Wohnung, aus welchem Haus? Was hat man auf seiner Visitkarte stehen? Welche Position hat man inne? Eben die kleinen und feinen Unterschiede.

Was dies bedeutet, wie man eventuell darunter leiden kann, oder ob man sich nach einem höheren Status sehnt, dies alles wird erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt im Leben relevant.

Wie kommt man eigentlich zu entsprechendem Status? Eigentlich ist es wie die Frage „Henne oder Ei?“, nur halt in diesem Kontext „Status oder Geld?“. Natürlich ist einer der großen Faktoren, in welche Familie man hineingeboren wurde, und erst danach entscheidet sich, ob durch entsprechende Bildung noch ein höherer, ein zusätzlicher Rang erreicht werden kann. Ganz schlecht ist es, im Status abzurutschen! Womit wir wieder bei der Mülltonne wären. Oder bei dem berühmten Satz, den wir vermutlich in der einen oder anderen Form alle einmal gehört haben: „Dass etwas wird aus dir!“

Aus meiner Sicht gibt es grundsätzlich drei Wege, die wir einschlagen können. Wollen wir unser Geld und den damit verbundenen Status, mit dem Hirn, mit den Händen, oder mit dem Herz verdienen? Derzeit ist es so, dass viele, die sich für das Hirn entschieden haben, ein wesentlich selbstbestimmteres Leben führen dürfen. Selbstbestimmt vs. fremdbestimmt, ist ein ganz wesentlicher Unterschied in der Arbeits- und Lebensqualität. Die jetzt zur Berühmtheit gelangte Kassiererin im Supermarkt, arbeitet mit den Händen, verdient sehr wenig und ist fremdbestimmt. Der Handwerker, der natürlich wie viele andere auch, die sich für Hände und Herz entschieden haben, auch Hirn zu seiner Arbeit benötigt, holt in einer Zeit, in der viele – mit höherem Status – ihr Eigenheim aufpolieren wollen, gewaltig auf. Der Beruf des Lehrers hat hingegen ziemlich von seinem Ruf eingebüßt.

Es ist eine Ungleichverteilung der Anerkennung! Am meisten – so finde ich – trifft es jene, die sich für den Weg des Herzens entschieden haben. Wir haben im letzten Jahr ganz klar gesehen, welche Berufe wir wirklich für den Systemerhalt benötigen und wer diese zu welchen Bedingungen ausübt. Es sind in erster Linie Frauen, schlecht bezahlt und völlig fremdbestimmt.

Wir hätten jetzt die Chance, diese Berufsgruppen wesentlich aufzuwerten. Hier nützen kleine Veränderungen nichts, hier braucht es eine echte Wende, die nur durch entsprechende Bewusstseinsbildung eingeleitet werden kann. Die Movement 21 wird gemeinsam mit einigen anderen Initiativen an dieser Wende arbeiten. Macht mit und unterstützt uns in unseren Vorhaben.

Denn wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Kommentare und Antworten

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  • Alfred Karl Badge M21 First Mover 23.03.2021 um 15:24
    Mir ist beim Lesen auch gleich Riane Eisler (wie Hrn. Kirchengast) in den Sinn gekommen. Ihre Perspektive der
    1. Dominanzgeprägten Strukturen: fördern Beziehungen, die auf autoritären, dominanzgeprägten HIERARCHIEN beruhen und letztlich durch Angst und Zwang aufrechterhalten werden.
    2. Partnerschaftlichen Strukturen: begünstigen Beziehungen, auf gegenseitigem Respekt aufbauend, gegenseitiger Verantwortlichkeit und letztlich GEGENSEITIGEM Gewinn.
    Aus Sicht der Gemeinschaftlich hat jeder Beruf einen großen, gesellschaftlichen Wert, v.a. wenn dieser auch noch als Berufung ausgeübt wird. Gegenseitiges Ausspielen schafft eine gewisse Leere, die wir auch immer mehr empfinden....

    Riane Eisler: "Die verkannten Grundlagen der Ökonomie." Wege zu einer Caring Economy
  • Matthias Kappel Badge M21 First Mover 23.03.2021 um 13:58
    Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass Status, Geld und Macht leider nichts mit der Realität zu tun hat. Das in letzter Zeit auch vielzitierte Beispiel der Streiks der Müllabfuhr in NYC und der Banker in Irland - beides Ende der 60ziger Jahre - gibt ein klares Bild.

    Auch eine schöne Analogie ist bei Eugen Roth zu finden - "Der Boss" .. wer es Googlen möchte. Mir geht es aber hier nicht um die auf der Hand liegende Aussage des Gedichtes ;-)

    Denke die notwendige Aufwertung der Berufsgruppen bzw. auch die Auflösung der Geschlechterspezifischen Unterschiede, wird es vollumfänglich nur geben, wenn sich die Menschheit von Status verabschiedet und endlich auch beginnt, die Entlohnung von Arbeit, von der Notwendigkeit der Begleichung von lebensnotwendigen Rechnungen, zu trennen.
  • Sepp Kirchengast Badge M21 Free Mover 23.03.2021 um 11:07
    Zu diesem Beitrag und zur angestrebten Wende passt gut das Modell einer Caring Economy, wie es Riane Eisler vertritt - mit dem Ziel: Ein gutes Leben für alle!
    Für Interessierte: Neue Spielregeln für's Wirtschaften https://orf.at/stories/3187108/ sowie TEDx Talk Riane Eisler > https://www.youtube.com/watch?v=f9cMcTWWDkU
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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