M21 Blog
Gesellschaft und Wissenschaft

Mach-halt-igkeit

„Machhaltigkeit – Weil nur reden nicht reicht“ heißt derzeit eine neue Kampagne von McDonalds. Unter diesem Titel wird auf diverse Projekte dieser Gruppe verwiesen, z.B. dass für diese Fast Food Kette Lebensmittel aus Österreich zu verwenden schon lange eine Selbstverständlichkeit ist, und dass sie auch laufend dabei ist, diese Quote noch zu erhöhen. Man kann von McDonalds halten was man will, aber das stimmt einfach und damit ist es wahrscheinlich absoluter Spitzenreiter in der österreichischen Gastronomie. Für die heimischen Rindfleischproduzenten waren die geschlossenen Restaurants dieser Kette aus diesem Grund besonders hart.

08.06.2020

Aber ich habe mir diesen Slogan aus einem ganz anderen Grund geliehen. Nur reden reicht nicht mehr! Das spricht mich derzeit besonders an. Mit großem Bedauern nehme ich in vielen Bereichen war, dass wir tatsächlich wieder zu Normalität zurückkehren. Daran ist in vielen Bereichen nicht nur nichts Gutes daran, sondern es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Zurück“ Kehren!

Ein Beispiel von vielen: der öffentliche Verkehr ist einer der ganz großen Verlierer der Krise. Noch vor wenigen Monaten galten Bahn, Bus, U-Bahn und Straßenbahn als ganz große Hoffnungsträger für eine künftige Verkehrspolitik und für eine Reduzierung der Co2 Emissionen. Und wo stehen wir jetzt? In den großen deutschen Städten beispielsweise exakt bei dem gleichen Verkehrsaufkommen wie vor Corona. Und das ist noch nicht alles: die Zahlen steigen sogar noch, weil einerseits die Menschen Angst haben, sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln anzustecken, und andererseits holen die großen Firmen ihre Mitarbeiter wieder vom Homeoffice zurück.

Zurück zu dieser Normalität ist keine Perspektive! Harry Gatterer – Gründungsmitglied des österreichischen Zukunftsinstituts und Trendforscher - hat vor Kurzem in einem Plädoyer geschrieben: „Hören wir endlich auf zurück zu wollen und beginnen wir damit, unsere Gegenwart zu erkennen und zu gestalten“. Ich teile seine Meinung, dass es geradezu sträflich wäre, jetzt wieder alles „hochzufahren“ und damit nur eines zu bewirken, nämlich im alten Modus weiterzufahren. Möchten wir das wirklich? Waren wir denn vor Corona so zufrieden? Und hatten wir nicht auch schon die Sehnsucht nach einer Sinnhaftigkeit unseres Tuns?

Wir müssen ins Tun kommen. Wir dürfen uns nicht fragen, wie wir zurück in diese in so vielen Bereichen absurd gewordene Normalität kommen, sondern wie wir Schwung in unser Hier und Jetzt bekommen, damit wir uns eine sinnvolle Zukunft gestalten können. Nur reden darüber wird nicht reichen.

„Ich mach mir die Welt“ heißt übrigens das neue Buch von Harry Gatterer, das ich Ihnen sehr empfehlen möchte. Gleich zu Beginn erzählt er darin von dem sogenannten „Overview-Effekt“. Es ist dies jener Effekt, den Raumfahrer haben, wenn sie in den Weltraum reisen. Es ist dies eine große Betroffenheit angesichts des unfassbar tiefen Schwarz, das unseren Planeten von da oben umgibt. Die Distanz zur Normalität, der Abstand zum sicheren Boden. Der Astronaut Alexander Gerst twitterte 2018, als er in seiner Raumstation Europa überquerte: „Von hier oben ist ganz klar, Europa gehört zusammen“. Und fast alle, die jemals da oben waren, erzählen von dieser zerbrechlichen Kugel und von der großen Verantwortung, die wir Menschen für sie haben.

Lasst uns also nicht nur davon reden, sondern ins Tun kommen. Natürlich gibt es auch noch Menschen die glauben, dieser Planet sei unverwüstlich, diese dürfen meinetwegen gerne zurück in ihre Normalität reisen. Ich empfehle die Business Class, denn es wird ein sehr kurzer Trip werden.

Kommentare und Antworten

Login anmelden und Kommentare hinzufügen.
Sei der erste der kommentiert
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

Beitrag drucken
PDF Download
Vorteile als m21 Mitglied:
Movement 21 Blog:
Schmöker rein, oder mach es dir bequem und höre dir die Podcasts an. Hier gibt es wöchentlich Neues für dein persönliches Wachstum. Für deinen Perspektivenwechsel.
Diskutieren:
Du kannst dich einbringen, mit anderen Free Movern in einen niveauvollen Diskurs treten und dich vernetzen. Jeder Beitrag bietet die Möglichkeit zum Diskurs und zum Austausch eigener Erfahrungen.
Newsletter:
Aktuell und immer Interessant, widmet sich der Movement 21 Newsletter unmittelbaren Themen, die gerade unter den Fingernägel brennen.
Free Mover werden
Event Einladungen:
Ein spannendes Thema, mindestens zwei interessante Key Speaker und eine außergewöhnliche Location. Mindestens 6x im Jahr bist du dazu eingeladen.
Video Calls:
Videokonferenzen, schnell einberufen, zu einem aktuellen Diskussionsthema oder zu einer Problemlösung, oder ganz einfach zum Erfahrungsaustausch.
Wissensmatrix:
Du hast Zugang zu einer Wissensmatrix die detailierte Informationen aus verschiedensten Fachbereichen liefert.
Geschenk:
Einige Tage nach deiner Anmeldung wird dir ein Geschenk zugestellt, dass dir bei einer wichtigsten Dinge der Welt eine Hand freit hält.
First Mover werden
Firmenveranstaltungen:
Wir können auf Wunsch eine Veranstaltung in deinem Unternehmen organisieren. Bei diesem Event besteht die Chance viele Botschafter deines Unternehmens zu gewinnen.
Beratungsleistungen & Seminare:
Als Partnerbetrieb steht dir individuelle Beratungsleistung zur Verfügung. Du bekommst laufend Updates über die gesamten Möglichkeiten unseres Netzwerkes.
Kooperations- und Beteiligungsmöglichekiten:
Innerhalb der Movement 21 Community entstehen laufend neue Projekte und auch einige Firmengründungen wurden schon umgesetzt.
Mitgestaltung des Movement 21 Manifest:
In Abstimmung mit dir werden Absichten und Ziele definiert die künftig in unserer Gesellschaft massiv an Bedeutung gewinnen werden. Das Manifest wird als Leitfaden für einen wirtschaftlichen Erfolg dienen.
Partner werden
WEITERE ARTIKEL VON „M21 Blog“
M21 Blog
Gesellschaft und Wissenschaft
Neueste Beiträge

Impfen. Eine Mentalitätsfrage?

Dänemark öffnet wieder! Warum das möglich ist, erfuhr ich aus den Medien, hat mit dem höheren Vertrauen der Dänen in Politik und Wissenschaft zu tun. Hierzulande hat (wen wundert es?) das Vertrauen zumindest in die Politik doch ein wenig abgenommen. Unglaubliche 64 %, habe ich kürzlich aus einem repräsentativen Barometer entnommen, haben kein Vertrauen mehr in Politik, Wirtschaft und Medien. Eigentlich noch dramatischer: man glaubt sogar, man wird bewusst belogen.
M21 Blog
Gesellschaft und Wissenschaft

Handtuchkrieg

Natürlich waren wir auch in diesem Urlaub wieder mit der Liegenbesetzung durch die hoteleigenen Handtücher oder durch private Utensilien konfrontiert. Ich habe mich jedoch jetzt ein wenig intensiver damit auseinandergesetzt und es zeigt sich, dass dieses Spiel zwei erstaunliche Parallelen zu mindestens zwei gesellschaftlichen Phänomenen aufweist.
M21 Blog
Gesellschaft und Wissenschaft

Gnadenlose Spaltung

Ich mache mir ehrlich gesagt ernsthaft Sorgen darüber, wie das Thema unsere Gesellschaft gnadenlos spaltet … Politik, Medien und weite Bereiche der Medizin fördern diese unreflektierte Polarisierung, indem sie einen qualifizierten Diskurs mit unterschiedlichen Sichtweisen nicht zulassen.
M21 Blog
Gesellschaft und Wissenschaft

Das Land weiterbringen

so lautet Dietmar Maschers Artikel in Bezug auf die „33 Thesen für ein besseres Oberösterreich“, die vor einigen Tagen von den OÖN präsentiert wurden. Ich habe mir diese Punkte – viele davon beginnen mit „es braucht“ – aufmerksam durchgelesen und ich muss gestehen, die Lektüre hat mich ein wenig irritiert.
MOVEMENT 21 jetzt auch als App
Alle Podcasts gibt es jetzt für unterwegs mit offline-Verfügbarkeit