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Gesellschaft und Wissenschaft

Langeweile bis zur Kreativität

Voltaire sagte: „Der Mensch ist geboren, um in ewig zappelnder Ruhelosigkeit oder in der tatenlosen Lethargie der Langeweile sein Leben zu verbringen.“
Im 17. Jahrhundert waren soziale Medien und Smartphones noch nicht so verbreitet, daher kann ich mir gut vorstellen, dass im Paris von Voltaire auch tatsächlich Menschen an Langweile frühzeitig verstorben sind. Oder vielleicht mutierten die Langweiler zu den Ruhelosen?

25.06.2019

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass unser Gehirn erst in der Langeweile auf Ideen und Leidenschaften zurückgreift. In unserem permanenten Zustand der Auslastung hat es dazu oft gar keine Gelegenheit.

Wann haben Sie sich zuletzt gelangweilt? Und wie haben Sie darauf reagiert? Tja, mit unserer Fernbedienung des Lebens ist es in solchen Momenten natürlich leicht, mal kurz zu checken, wie viele Likes oder Kommentare das aktuelle Posting schon bekommen hat. Oder welche unverzichtbaren Neuheiten auf den zahlreichen WhatsApp-Gruppen eingetroffen sind.

Das kann man dann solange machen, bis die nächste Aufgabe ansteht … oder es einfach zu langweilig wird. Ich denke, wir haben es großteils verlernt, uns einfach einem Tagtraum hinzugeben. Oder aus dem Fenster zu sehen. Dinge zu betrachten. In die Natur zu gehen. In die Luft zu schauen. Einfach zu genießen.

Langeweile hat einfach ein unglaublich schlechtes Image. Ich mag sie auch nicht. Mein Gehirn verwechselt Langeweile sehr oft mit Hunger. Langeweile produziert bei mir daher Übergewicht. Aber man könnte die Langweile vielleicht auch in „Muse“ umbenennen. Die hat einen wesentlich besseren Ruf. Von der wird man sogar geküsst und als Künstler darf sich ihr sogar hingeben.

Einfach mal nichts tun! Was für eine Wohltat. Diesen Satz höre ich öfter, speziell von Menschen, die sich auf ihren Urlaub freuen. Dieses Faulenzen, auf das man sich so freut, kann aber dann sehr schnell in dieses unangenehme Gefühl kippen.

Wer sich in diesem Moment aber wieder mit dem Handy oder sonst wie ablenkt, wird nie die neuen Gedanken kennenlernen, die sich erst dann ihren Weg bahnen können, wenn man sie im wahrsten Sinne des Wortes „ziehen lässt“.

Gut vorstellbar, dass Sie sich denken: ich habe mich schon Jahre nicht mehr gelangweilt. Im Gegenteil: mir werden die Tage immer zu kurz und ein Vorhaben jagt das andere. Das wäre nicht untypisch für ein Unternehmerleben. Aber vielleicht langweilt sie eine Aufgabe, die zu ihren Verpflichtungen gehört und sich regelmäßig wiederholt?

Warum nicht diese Langeweile als Chance begreifen, diesen ausgetretenen Weg zu verlassen, oder zumindest zu überdenken? Langeweile ist sehr oft entweder Über- oder Unterforderung. Dies einmal genauer zu hinterfragen, auch bei den Mitarbeitern, kann das Arbeitsklima um einiges verbessern.

Richard David Precht, behauptet sogar, dass die gesamte Philosophie ein Abfallprodukt der Langeweile ist. Auch wenn diese Aussage mit Sicherheit mit einem Augenzwinkern gemacht wurde, ist eines unumstritten: Wir brauchen künftig mehr neue Ideen und Kreativität, um die Herausforderungen der Zukunft gut bewältigen zu können. In vielen Bereichen, zum Beispiel bei der künstlichen Intelligenz, werden wir gegen die Rechnerleistungen unsere Computer keine Chance mehr haben. Aber abschalten, durchatmen, sich Zeit nehmen für neue Gedanken, dabei können wir immer unschlagbar sein.

 

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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