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Impfen. Eine Mentalitätsfrage?

Dänemark öffnet wieder! Warum das möglich ist, erfuhr ich aus den Medien, hat mit dem höheren Vertrauen der Dänen in Politik und Wissenschaft zu tun. Hierzulande hat (wen wundert es?) das Vertrauen zumindest in die Politik doch ein wenig abgenommen. Unglaubliche 64 %, habe ich kürzlich aus einem repräsentativen Barometer entnommen, haben kein Vertrauen mehr in Politik, Wirtschaft und Medien. Eigentlich noch dramatischer: man glaubt sogar, man wird bewusst belogen.

13.09.2021

Warum dieses Misstrauen in Österreich  besonders stark ausgeprägt ist, hat angeblich mit unserer Mentalität zu tun. Wir sind – so stand in einer Tageszeitung zu lesen – nun einmal „teilweise ignorant, wenig initiativ, passiv, renitent – schlicht zu dumm, da kann unsere „Führung“ noch so viel Richtiges tun“.

Ich habe mir die Frage gestellt, ob das tatsächlich so ist. Was ist eigentlich die Mentalität der Österreicher? Gustav Mahler hat einmal gemeint: „Wenn die Welt einmal untergehen sollte, ziehe ich nach Wien, denn dort passiert alles fünfzig Jahre später.“ Und die berühmteste Definition stammt wohl von Thomas Bernhard, der gemeint hat: „Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen. Außen rot, innen braun und immer ein bisschen betrunken.“

Beide Zitate treffen etwas, das man positiv formuliert auch als Gelassenheit bezeichnen könnte. Und die ist mir sehr sympathisch, es ist dieses „schau‘ ma mal“. Eine Ärztin wurde kürzlich in der Presse so zitiert: „Niemand glaubt, dass es ihn treffen wird“. Aber vorsorglich behandelt man sich doch mit Wurmkuren und Malariamitteln.

Mittlerweile bin ich ja der Meinung, dass uns alle diese Meinungskorridore und auch die „gnadenlose Spaltung“, von der kürzlich mein Freund Gerhard Filzwieser sehr erfolgreich auf unserer Plattform geschrieben hat, sehr gut tun. Es kommt etwas in Bewegung. Es bricht etwas auf, das uns in eine andere Qualität des Diskurses bringen wird. Das kann durchaus schmerzhaft werden, davon bin ich überzeugt, aber im Laufe der Zeit wird es uns neue Türen öffnen, weil wir uns intensiver mit unseren Ängsten und Schwierigkeiten auseinandergesetzt haben.

Aber nochmals zurück zur Mentalitätsfrage: Ja, ich denke auch, dass es viel mit unserer Identität und unsere Vergangenheit zu tun hat, ob wir uns impfen lassen oder nicht. Und ein Aspekt wurde dabei bisher ausgespart: nämlich der, einfach grundsätzlich gegen alles zu sein. Ich selbst komme aus einer ähnlichen Ecke. Die Werte und Lebensphilosophie der 68er-Bewegung hat in meiner Jugend noch stark ausgestrahlt, und auch für uns war klar, dass wir einfach gegen alles sein mussten, was irgendwie vom Establishment kam. Und was war zu tun, wenn wo ein Schild stand „springen verboten“?

Im Laufe der Jahre bin ich ruhiger und gelassener geworden, und jetzt überprüfe ich zumindest vorher die Wassertemperatur. Leider weilen einige meiner Freunde nicht mehr unter uns, einige würde man nicht mehr wiedererkennen, weil sie jetzt selbst führende Mitglieder des Establishments sind, und einige haben sich die Grundeinstellung, einfach mal gegen alles zu sein, liebevoll bewahrt.

Mittlerweile hüte ich mich extrem vor einer Bewertung der Sachlage. Es ist mir zu viel geworden. Ich kann die Fülle an Informationen nicht mehr auf meine Lebenssituation herunterbrechen. Aber ich begrüße den Diskurs darüber, auch wenn er in dieser Phase schmerzhaft ist, weil er uns am Ende einen neuen Blick auf die Welt eröffnen und uns mehr Widerstandsfähigkeit bringen wird.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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