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Gesellschaft und Wissenschaft

Handtuchkrieg

Natürlich waren wir auch in diesem Urlaub wieder mit der Liegenbesetzung durch die hoteleigenen Handtücher oder durch private Utensilien konfrontiert. Ich habe mich jedoch jetzt ein wenig intensiver damit auseinandergesetzt und es zeigt sich, dass dieses Spiel zwei erstaunliche Parallelen zu mindestens zwei gesellschaftlichen Phänomenen aufweist.

31.08.2021

Die erste Parallele ist ein Verteilungsproblem, oder genauer formuliert ein schlechtes Gleichgewicht. In den allermeisten Hotels gibt es nämlich ausreichend Liegen. Wenn diese also niemand frühmorgens mit Handtüchern reservieren würde, wären über den Tag verteilt genügend Liegen verfügbar. Es gibt sogar Studien darüber, die nachweisen, dass eine Liege durchschnittlich vier Stunden am Tag besetzt ist. Jeder kennt ja die Situation, dass immer eine gewisse Anzahl an Liegen frei ist, von der Belegung eines Handtuchs mal abgesehen. Aufgrund unserer unterschiedlichen Zeiten des Aufstehens, der Tagesgestaltung und unserer Gewohnheiten, die Mahlzeiten einzunehmen, ist also von der Ressource Liege ausreichend vorhanden, wir sind aber nicht gewillt, darauf zu vertrauen und das wiederum führt zu diesem ungerechten Gleichgewicht.

In den südlichen Ländern haben übrigens die Deutschen das schlechteste Image im Bezug auf das Besetzen von Liegestühlen. Dies beruht auf dem Mythos, dass angeblich Deutsche früher aufstehen als Engländer und damit diese die als „Sunbed Wars“ bezeichnete Schlacht in der Regel gewinnen. Im Sport hat das 2002 bei der Fussballweltmeisterschaft dazu geführt, dass ein englischer Kommentator den Einzug der deutschen Mannschaft mit dem Satz „The Germans have got their towels down for the final already.“ kommentierte.

Die zweite Parallele kann man aus meiner Sicht in der Tatsache erkennen, dass man sich in Bezug auf diese Problematik eine Regulierung durch den Hotelbetreiber oder gar einer staatlichen Einrichtung wünscht. Als beispielsweise in Italien oder Spanien die persönlichen Utensilien durch die Polizei konfisziert wurden und erst durch ein entsprechendes Bußgeld wieder ausgehändigt wurden, fand dies größtenteils Zustimmung. Wir jammern also über Reglementierungen und Bevormundung, möchten aber trotzdem nicht darauf verzichten.

Grundsätzlich ist es nämlich so, dass diese Reservierungen keine rechtliche Grundlage haben. Sie funktionieren aber trotzdem, weil wir offensichtlich einen gewissen Respekt vor persönlichem Eigentum haben und wir in der Regel die Überwindung nicht aufbringen, dieses zu entfernen.

Für mich ist es jedenfalls ein wunderbares Beispiel für eine Knappheit, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Sollten wir dafür jemals genügend Eigenverantwortung aufbringen und unser Ego etwas reduzieren, könnten wir dieses Problem womöglich lösen. Nicht auszudenken, wenn dies auch für andere Bereiche funktionieren könnte.

Kommentare und Antworten

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  • Manfred Wimmer Badge M21 First Mover 31.08.2021 um 09:49
    Dazu passend ein Witz - vorab gleich entschuldigung an meine deutschen Freunde:
    Ein Deutscher flirtet nicht. Er legt das Handtuch über die Frau seiner Wahl! :-)
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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