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Gesellschaft und Wissenschaft

Feindbild Social Media

von Gerhard Hinterkörner

Ich lese in den letzten Wochen vermehrt – und das durchaus in sehr renommierten Medien – von der großen Gefahr, die uns von Seiten der sozialen Medien blüht. Hunderte Millionen von Nutzern sollen bereits dem Schwachsinn verfallen oder süchtig nach Stalking sein. Angeblich vergessen schon massenhaft Menschen darauf, wie gut es ihnen eigentlich geht, weil sie mit der Bildsprache auf Instagram nicht mehr mithalten können.

Natürlich steckt da schon auch einiges an Wahrheit dahinter. Ich ertappe mich ja selber dabei, wie ich auf Facebook versuche, Eindruck durch Postings zu schinden, von denen ich annehme, dass mir der Zeitgeist freundlich zunickt und ich meine Community anspreche. Aber ich versuche dies zumindest auch noch durch Texte und nicht ausschließlich über Bilderwelten.

Womit ich mich aber wirklich schwer tue, ist der in den Medien beschriebene Druck. Auch wenn von den Profibloggern jeder Winkel der Privatheit inszeniert wird, zwingt einem das wirklich dazu, auch zu zeigen, welch tolle Figur man hat, oder gar sein Baby oder seine Kinder dazu zu instrumentalisieren? Natürlich geht es bei den Profis um Ernährung, Mode oder Beauty, aber niemand zwingt uns dazu, dies zu übernehmen oder dem zu folgen.

In manchen Medienberichten wird sogar ernsthaft über Verbote diskutiert. Die „Macht des Internets“ soll eingeschränkt werden. Faszinierend wenn man bedenkt, dass mit ganz ähnlichen Argumenten vor 500 Jahren in Venedig der Buchdruck verboten werden sollte. Man sprach damals vom Verbot der Druckereien mit ihren unkontrollierten Massentexten. Offensichtlich hat sich auch damals die Vernunft durchgesetzt.

Ich möchte einen Aspekt anführen, von dem ich in diesem Kontext nichts lesen konnte: nämlich die Bereicherung, die wir durch die sozialen Medien erfahren. Es gibt nämlich auch jede Menge seriöse und hochinteressante Berichte, die täglich hochgeladen werden. Und wie oft und ich welcher Intensität wir diese Medien konsumieren ist allein unsere Entscheidung. Wie bei fast allem kommt es auf die Dosis an.

Ich persönlich bin eigentlich nur auf Facebook aktiv, und das auch noch gar nicht so lange. Der für mich positivste Effekt ist, dass sich dadurch auch mein tatsächlicher – also der analoge – Freundeskreis ziemlich vergrößert hat. Einige alte Bekannte und Freunde habe ich nach vielen Jahren wieder ausfindig gemacht und mit einigen bin ich jetzt wieder häufiger in Kontakt. Ein großer Gewinn für mich und ein schönes Geschenk. Aber auch im ausschließlich digitalen Bereich konnte ich enorm von diesem neuen Netzwerk profitieren. Ich habe eine Menge kreativer, hochintelligenter und witziger Freunde auf dieser Plattform, die mir fast täglich neue Inspiration und Freude liefern. Dafür bin ich sehr dankbar.

Und einige gab es natürlich auch dabei, die diese Plattform als Ventil für ihren Hass und ihre Frustration nutzen. In wenigen Schritten kann man sich diese Zeitgenossen vom Leibe schaffen. In der analogen Welt ist das leider nicht so leicht umsetzbar.

Kommentare und Antworten

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  • Rene Grafeneder Badge M21 Free Mover 28.08.2020 um 22:23
    Wie immer sehr gut geschrieben!

    Zum Thema Bereicherung habe ich ein gutes Beispiel:
    Vor knapp einem Jahr habe ich den Mietvertrag meines Unternehmens gekündigt um den Betrieb zu schließen. In meiner Branche (Telekommunikation-Handyshop) ist der Markt regional einfach übersättigt und es war nicht ins Positive zu bringen.

    Durch Zufall habe ich das Interesse an einem meiner Postings erkannt. In diesem Beitrag habe ich über den Reparaturbonus des Landes OÖ berichtet und informiert.

    Kaum zu glauben, durch eine bezahlte Kampagne über knapp 4 Monate (ca. 2500,- Euro) habe ich 60.000 oberösterreichische User erreicht, welche mir durch das "teilen" gleich nochmals 20.000 User vermittelt haben!

    Diese Aktion hat meinen Bekanntheitsgrad deutlich verbessert, wir haben mehr als 300 Kunden zur Förderung verholfen und sind mit den Zahlen ins Positive gerutscht!!

    Mit der Zeit wird einem klar welchen Mehrwert einem persönlich die sozialen Medien bringen. Ob man selbst die Highlights des eigenen Alltags mitteilen oder nur über sein Umfeld informiert bleiben möchte, bis hin zu geschäftlichen Zwecken gilt für mich nur eines: Alles kann - nichts muss!
    • Gerhard Hinterkörner Badge M21 First Mover 30.08.2020 um 16:38
      Liebe Rene, danke für die Anerkennung und deinen Kommentar! Ich denke dein Beispiel zeigt auch gut die Möglichkeiten die Digital in Vergleich zu Analog bietet. So wie du schreibst: "Alles kann - nichts muss" (Gefällt mir sehr gut! :-))
Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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