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Gesellschaft und Wissenschaft

Eine Relativitätstheorie

Dass Starres leichter bricht als Elastisches oder Flexibles, ist ein physikalisches Prinzip. Dass flexible Systeme, Köpfe und Vereinbarungen anpassungsfähiger und kompatibler sind, hat sich auch sehr oft und ganz unmittelbar in diesen Wochen bestätigt.

24.04.2020

Relativ betrachtet wird die unendliche Flexibilität aber unbrauchbar, wenn die Konstanten wegfallen. Wenn aus Ordnung Chaos wird, die Fülle durch Mangel ersetzt wird und Kontrollierbares in einen Ohnmachtszustand stürzt. Ich freue mich auf den Tag, wo wir dieses manchmal grausame hin- und hertaumeln relativieren können und gelassen, um einen Begriff aus meinem tägliche bemüht hervorgewürgtem Jargon zu verwenden, zurückschauen, und uns Anekdoten aus dem Frühling 2020 erzählen.

Wie zum Beispiel Jahre zuvor das Vermummungsverbot großen Anklang gefunden hat und daraufhin Studenten im Winter, zu Rad unterwegs, mit Schal ums Gesicht gewickelt, von der Polizei aufgehalten wurden und, so sie keine Erkältung nachweisen konnten, eine Strafe zu begleichen hatten. Zurzeit wird man, wenn unverhüllt, genau aus diesem Umkehrgrund von der gleichen Instanz aus der U-Bahn verfrachtet. Wurde das Vermummungsverbot außer Kraft gesetzt? Gesetze betrachte ich, wie oben erwähnt, als Konstante, sie sind aber, relativ betrachtet, der Bruchhaftigkeit ausgesetzt.

Eine andere skurrile Geschichte könnten wir uns in der Zukunft erzählen, zum Beispiel, dass, bis an dem Tag, wo der Virus scheinbar überhandnahm, Zivildiener in einer Dienststelle des BMI keine mehrstündigen Fahrten im Kleinbus allein durchführen dürfen. Vor ein paar Tagen wurden 2 Zivis von den quasi Kollegen in Uniform, aufgehalten und bestraft, weil sich die Regelungen verändert haben, und es sich leider vom BMI zum BMI scheinbar nicht herumgesprochen hat. Ab sofort fahren die Zivildiener allein durch halb Österreich und am selben Tag wieder retour. Und so weiter!

Ich hoffe, es schreibt jemand ein Buch oder Sie selbst ein Tagebuch, da ja auch im persönlichen Kleinkram kein Stein auf dem anderen bleibt und gerade noch geglaubte Zuversicht und Gelassenheit sich über Nacht eigenmächtig relativieren und sich in ein Tränenmeer oder Verlustängste auswachsen. Dabei spreche ich aus meinem Tagebuch und bin unendlich dankbar zu sehen, dass ich keine Maschine bin, sondern Mensch mit subtil Erlebtem, das sich mit Unerfahrenheit in aktuellen Belangen vermischt. Wer hat Erfahrung mit Wahnsinn dieser Art? Es fehlt uns an Referenzerfahrung, höre ich in einem sehr interessanten Podcast von Nicolas Pesch, seinesgleichen Unternehmensberater, Top-Coach, Sozialwissenschaftler mit langjähriger Meditationspraxis, referieren.

Wir Menschen tun uns schwer zu erkennen, dass das, was wir wahrnehmen und realisieren, nicht direkt mit dem zusammenhängt, was da draußen passiert. Das, was wir empfinden, hängt viel mehr davon ab, welche Vorerfahrungen wir haben und welche Bedeutung wir dem Erlebten geben. Nachrichten können Angst machen. Angst als eine sehr starke Emotion und die damit entstehenden Gedanken formieren sich nicht deswegen, weil die Nachrichten so furchtbar sind, sondern, weil sie in uns Resonanz finden und je nach Persönlichkeit mehr oder weniger auslösen. In der Psychologie nennt man das Phänomen “Selbstorganisationsprinzip“, was beschreibt, wie wir es gewohnt sind zu reagieren, Informationen mithilfe unserer Muster zu verarbeiten. Dieser Vorgang hat wenig Varianz, einen Ausstieg zu schaffen.

Der bekannte Hirnforscher Gerald Hüther bestätigt diese Trägheit unseres Gehirns, hierfür freiwillig alternative Denk- und Reaktionsmuster zu wählen. Meditationslehrer empfehlen Übungen, die helfen, sich neu zu zentrieren, um wieder Hoheit über die Angst zu erlangen. Sich Sorgen über die Zukunft zu machen heißt noch lange nicht, dass man die Zukunft im Griff hat. Eher hat die Zukunft Dich im Griff!

Eine regelmäßige Meditation, und seien es nur 5 bis 10 Minuten Stille täglich, stärkt die Kompetenz in uns, unser Denken und Fühlen besser zu managen. „Selbstregulation“ nennen dies die Psychologen und geben uns damit die Vollmacht, das Steuerrad unserer inneren Wogen in die Hand zu nehmen. Sammeln wir also tagtäglich Erfahrungen mit dem Wahnsinn und belasten wir auf keinen Fall die neurologischen Abteilungen unseres Gesundheitssystems, die wahrscheinlich weit mehr ausgelastet sind als die restlichen Intensivstationen.



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Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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