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Gesellschaft und Wissenschaft

Ein neues Lebensmodell

Habt ihr euch schon mal gefragt, welchen Wert eure Arbeit hat? Was würde passieren, wenn ihr morgen nicht mehr zur Arbeit geht? Hätte es eine Auswirkung auf euer Umfeld, auf die Gesellschaft? Negative Auswirkungen, oder gar positive? Übt ihr eine Arbeit aus, die dazu dient, Wohlstand aufzubauen, oder seid ihr in einem Bereich tätig, der Werte eigentlich nur von A nach B verschiebt?

13.08.2020

Ich habe kürzlich von einer erschreckenden Statistik gehört, wonach über ein Drittel der Angestellten seine Tätigkeiten als völlig sinn- und nutzlos beurteilt. Speziell Corona hat uns ja gezeigt, welche Berufe wirklich systemrelevant sind. Es gibt aber auch ein anders Beispiel, das viel länger zurück liegt. In den 70er Jahren gab es ziemlich zeitgleich zwei vielbeachtete Streiks: in New York streikten die Müllmänner und in Irland die Banken. Die Ökonomen schlugen die Hände über dem Kopf zusammen und prophezeiten für Irland den wirtschaftlichen Kollaps. Man muss wissen, die Banken streikten dort ganze zwölf Monate. Zur Verwunderung der ganzen Welt entstand jedoch kaum ein wirtschaftlicher Schaden, da sich die Menschen gegenseitig Schecks als Tauschmittel anboten. Dieses System funktionierte zwischen den Betreibern des Einzelhandels und vor allem der Pubs aufgrund der persönlichen Kontakten und des hohen Vertrauens zueinander. Parallel dazu versank New York innerhalb von wenigen Tagen im absoluten Chaos!

Es gab vor einiger Zeit einmal eine Kampagne der SPÖ, in der gegen „Scheißjobs“ gewettert wurde. Gemeint waren damit genau jene systemrelevanten Berufe, die man in den letzten Monaten so häufig beklatscht hat, anstelle sie vernünftig zu bezahlen. Es gibt im Englischen auch die Formulierung der „bullshit jobs“; dort sind aber genau die gegenteiligen Berufe gemeint, nämlich genau jene Beschäftigungsformen - und erstaunlicher Weise kommt man hier auch auf ein Drittel – die so sinnlos, unnötig oder sogar schädlich sind, dass selbst der ausführende Arbeitnehmer deren Existenz nicht rechtfertigen kann. Arbeit die keiner braucht und die absolut nichts für die Gesellschaft beisteuert.

Die Arbeit steht im Zentrum unseres Lebens, sie sollte daher Sinn stiften und wir sollten uns durch sie als nützliches Mitglied der Gesellschaft fühlen. Wer einen sinnlosen Job verliert oder aufgibt, sollte nicht in der gesellschaftlichen Isolation landen und auch nicht entwürdigende Prozesse durchlaufen müssen, damit eine finanzielle Absicherung gewährleistet ist. Es wird künftig kaum jemandem gelingen, eine sinnvolle Stelle auf Lebenszeit zu bekommen. Viele werden lernen müssen, sich oftmals neu zu orientieren und über längere Strecken arbeitslos zu sein. Niemand sollte in dieser Phase, nämlich in der Entwicklung eines neuen Lebensmodells, angefeindet werden. Im Gegenteil: diese Menschen verdienen unsere vollste Unterstützung. Auf persönlicher und auf gesellschaftlicher Ebene.

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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Business-Concierge und Charakter Trainer

g.hinterkoerner@movement21.at

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