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Gesellschaft und Wissenschaft

Der Kampf um Arbeitsplätze

von Gerhard Hinterkörner

Schön langsam machen sich auch andere Schlagzeilen über Katastrophen wieder breit. Leider können wir aus dem Vollen schöpfen. Für mich eigentlich völlig unterrepräsentiert ist die Tatsache, dass es derzeit in halb Europa brennt. Das Land ist staubtrocken und ergiebiger Regen ist nicht in Sicht.

Eine Schlagzeile in diesem Kontext erscheint mir als besonders absurd: nachdem auch in Tschernobyl gerade Tausende Hektar Wald verbrennen, sorgt man sich dort massiv um den boomenden Katastrophentourismus. Dort kann man nämlich mit „Chernobyl Tour“, die für Besuche im Sperrgebiet mit dem Slogan „horizonterweiternde Erfahrung einer postapokalyptischen Welt“ wirbt, Ausflüge rund um das ehemalige Atomkraftwerk buchen. Und das zieht in Massen die Touristen an, vor allem ausländische. Und nun bedroht eine neue Katastrophe die Besichtigung der früheren Katastrophe.

Über die fehlenden Tourismuseinahmen sorgt man sich hierzulande nicht, sondern eher über das Eintreffen von radioaktiven Wolken, die bei ungünstiger Wetterlage und Windrichtung halb Europa erreichen könnten. Dort würde man ja grundsätzlich schon dringend auf eine ungünstige Wetterlage warten, den es brennt großflächig in Deutschland, Holland und Belgien und in Polen steht ein Nationalpark in Brand.

Die Flammen haben leichtes Spiel gegen Wälder, die seit Jahren durch Trockenheit oder Käferarten geschwächt oder schon massiv bedroht sind.

Aber das ist ja nur eine Katastrophe, die ich mir hier herausgepickt habe. Den prominentesten Platz bekommt in unseren heimischen Schlagzeilen „der Kampf um Arbeitsplätze“! Das wird sogar als der Slogan für die neue „Epoche“ nach der Corona-Krise propagiert. Und welche Forderung liegt schon auf dem Tisch für die Erreichung dieses wichtigsten Zieles von allen: eine Kaufprämie für Neuwagen! Was für eine innovative Idee und welch genialer Zugang! Wir wollen praktisch den Kauf von Verbrennungsmotoren fördern. Wir können ja dazu dann gleich das Geld nehmen, das jetzt durch die offenen Schleusen der Staaten und Regierungen fließt, damit reduzieren wir dann noch weniger die ohnedies extrem hohe Liquidität, die derzeit besteht, und benötigen keine Kredite, die jetzt leicht zu bekommen sind und quasi nichts kosten.

Genau so stelle ich mir die Rückkehr zur Normalität vor. Jetzt ist mir natürlich bewusst, wie mächtig die Autoindustrie und ihre Lobby ist, aber die Frage ist: Wollen wir wirklich um jeden Preis Arbeitsplätze erhalten, von denen wir wissen, dass sie unsere Lebensqualität oder sogar unsere Lebensgrundlagen zerstören? Wie groß ist die Freude über den nigelnagelneuen und mit staatlich geförderten Mitteln finanzierten SUV, wenn er dann – in der nächsten Isolation – wochenlang in der Garage steht?

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was die Isolation mit dem neuen Auto zu tun hat. Es gibt eine interessante Parallele zwischen den Hot Spots der Corona-Pandemie. Ob in Wuhan, in der Po-Ebene, oder besonders in der Lombardei: die Luftverschmutzung durch Feinstaub ist in diesen Gebieten extrem hoch und Wissenschaftler aus den verschiedensten Universitäten der Welt stellen einen Zusammenhang zur Coronavirus-Infektion her.

Aber ich denke, es ist sowieso müßig zu erklären, welches Problem an absolut erster Stelle steht. Der Zusammenhang zwischen Erderwärmung, Klimawandel und den großen Treibern dieser Entwicklung braucht vermutlich keinem Leser dieser Zeilen mehr erklärt werden.

Wir haben in den letzten Wochen die Pausetaste gedrückt und dies hat uns viele neue Erkenntnisse gebracht. Zum Beispiel wie verwundbar wir durch die Auslagerung von Produktionen geworden sind, oder dass sich einfache Jobs als unverzichtbar herausstellen. Viele diese Erkenntnisse könnten  jetzt zu sinnstiftenden Handlungen führen. Eine Prämie für den Kauf eines Neuwagens gehört definitiv nicht dazu. Auch wenn damit Arbeitsplätze gesichert werden. Der Focus muss auf Arbeitsplätzen liegen, die unsere Zukunft sichern, nicht zerstören.

Arbeitsplätze entstehen auch durch Billigflüge. Solche sind übrigens schon ab erstem Mai wieder über die ungarische Wizz Air (kein Witz!) via Wien buchbar. 20 verschiedene Destinationen, unter anderem Mailand und Valencia werden angeboten. Abgesehen davon, dass die Landeverbote aus den angekündigten Destinationen voraussichtlich noch länger gelten werden, würde es mich schon interessieren, welche Menschen jetzt diese Flüge buchen werden!

Meine Meinung dazu: es sollte sie ein Reisebus der Chernobyl-Tour abholen!

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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