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Gesellschaft und Wissenschaft

Das Leben ist gut, oder?

Natürlich ist das Leben gut! Wieso sollte es schlecht sein? Das Leben ist ein fortwährender Prozess und hat mit unserer Denke in gut und schlecht nichts am Hut. Gut ist nicht das Gegenteil von schlecht und umgekehrt. Punkt. Nein es geht noch weiter, weil das Leben will, dass es weitergeht. Kennen Sie einen einzigen Flecken Erde und sei er noch so klein, der beschlossen hat, aufzugeben, seine Existenz zu beenden?

01.04.2020

Nach jedem Erdrutsch, nach jedem Tornado oder einer Flut erfindet sich die Natur wieder neu. Das ist eine schöne Metapher oder vielleicht ein schwacher Trost, jetzt wo wir oder es die Welt an die Wand gefahren hat. Schön, dass man in Peking wieder den Himmel sieht und in den italienischen Häfen wieder Delphine im Sonnenuntergang spielen. Es ist ein Glück, dass wir das Internet haben und in der Zeit der sozialen Isolierung miteinander in Verbindung sein können und unsere Arbeit per Homeoffice erledigen können.

In der nun zwei Wochen andauernden globalen „stay@home“ Lebensweise ermächtigen sich so manch neue Sichtweisen dem Geist.  Es ist tatsächlich höchste Zeit, dass wir unseren Lebensstil verändern, vielleicht hat das Prinzip „Leben“ einen Wutanfall gehabt und uns einen Virus geschickt, damit wir endlich erkennen, dass das Leben nur gut bleibt, wenn wir es fördern. Wie lange müssen wir dazu im Hausarrest sitzen bleiben, bis wir unser Verhalten, jede Überlegung, jede Absicht und jedes Tun danach ausrichten, das Leben und seinen Genius zu verstehen?

Da ist nun der Haken der Geschichte –  das Verstehen Wollen! Mit den derzeitigen technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten können in Hochpotenzen einer homoöpathischen Arznei keine Wirkstoffe bzw. Teile der Ursubstanz nachgewiesen werden. Das nimmt der Homöopathie noch lange keine Berechtigung. Es gibt nur noch keine entsprechenden Geräte oder Methoden, die ihre Wirkungsweise beweisen können. Beweise haben die Kunst des Vertrauens abgelöst. Und im Zustand der größten pandemischen Angst versuchen wir uns immer noch mit Zahlen, exponentiellen Kurven, Sterberaten im Vergleich mit den Nachbarländern und hoffentlich steigender Genesungsquoten emotional über Wasser zu halten, um uns zu beweisen, dass alles gut ausgehen wird.

Ich wiederhole mich hier nachdrücklich – ein Beweis ist kein Ersatz für Vertrauen! Wir und all unser Geschaffenes befinden sich im freien Fall, und dieser endet, dank Schwerkraft, am Boden. Den Beweis hat uns schon Galilei geliefert, wir können also darauf vertrauen, so noch jemand im Modus erst Beweis, dann Vertrauen tickt. Haben Sie schon einmal auf einem Bein balanciert, vielleicht sogar auf einem Baumstamm über einen Bach? Ihr Körper tut alles ihm Mögliche, um nicht zu fallen. Stellen sie sich in den Vierfüßler Stand, überkreuzen dann die Arme bzw Hände und strecken dann ein Bein nach hinten. Schauen Sie ihrem Körper zu, er tut alles, um sich nicht zu verletzen und um nicht zu fallen.

Die Welt macht gerade einen Seiltanz und wir sollten dabei sehr wach und achtsam sein, wie es eben die Tugend der Balance ist. Tauschen wir also Vertrauen gegen unsere Beweisgier, und der nach Erklärung suchende Geist beruhigt sich. Ich bin sicher nicht die Einzige, die sich mit Kommentaren, Beiträgen, streamings und jede Art Artikel zum Thema der Stunde beschäftigt. Auch ich ertappe mich dabei, die wohltuendere Erklärung für diese höchst eigenartige Situation als die wahrere einzuordnen. Doch liefern all meine bevorzugten Philosophen, Soziologen und Politikwissenschaftler sehr unterschiedliche Szenarien. Wie sich also jetzt ausrichten, noch dazu, wenn uns der Sog vermeintlicher Notwendigkeiten in einem ständigen Tun, Richten und Festhalten nicht frei gibt, um Zuversicht zuzulassen?

Nicht zufällig schaut die Welt auf China und sein wirtschaftliches Potential. Was uns eindeutig von China unterscheidet, ist der kulturelle Hintergrund. Unser Denken und Urteilen sind aufgrund kultureller Tradition ein sehr duales. Gut oder schlecht, nützlich oder unnütz, links oder rechts,  usw. sind unsere Kriterien und somit stellt man das Individuum abseits oder sogar über die Gesellschaft, das große Ganze und vergisst das Ende einer langen Kette. Oder vielleicht besser ausgedrückt, die Verbindungen im ganzen Netzwerk. Da gehen östliche Kulturen andere Wege. Dass nichts voneinander getrennt betrachtet werden kann, so auch nicht das Gute und das Schlechte, wird dort jahrtausendelang praktiziert und gelebt.

Natürlich liefert uns der Blick auf die kulturellen Abweichungen Chinas interessante und nachahmungswürdige Ansätze. Sie sind aber keine Patentrezepte für unsere Neuausrichtung für die postkritischen Zeit. Patente funktionieren nur so lange jemand an sie glaubt. Sie sind Dogmen, die keine Varianten erlauben. Suchen wir doch nach Mustern und Ideen! Schauen wir in die Welt, wie Zusammenleben woanders funktioniert, welche landwirtschaftlichen Erfahrungen in anderen Regionen seit geraumer Zeit nachhaltig, gute Erträge liefern oder warum man in weniger kapitalistisch ausgerichteten Ländern glücklicher ist. Analysieren wir doch solche und andere Muster und adaptieren wir sie für den Ort, den Betrieb, die Vision, in die wir verwoben sind.

Adaptieren heißt nicht kopieren, adaptieren bietet mehr als Auswählen zwischen gut und schlecht. Ein Adapter ist ein Bindeglied zwischen zwei Dingen, die nicht zueinander oder ineinander passen. Er verbindet und ermöglicht eine Funktion. Nutzen wir also diese Zeit, um zu adaptieren. Manche Entscheidungen sind jetzt wichtig, um sich einen notwendigen Polster zu schaffen oder einer größeren Verantwortung nachzukommen. Aber bitte beschäftigen wir uns nicht nur damit, wie wir möglichst schadlos durchkommen, sondern wofür wir uns für das Danach entscheiden wollen. Das Leben fördern zu wollen ist eine Entscheidung im Sinne des Erfinders! Die Art, wie ich kommuniziere, mich sozialisiere, ernähre, fortbewege und wirtschafte sind entscheidend für den Verlauf des Prinzips Leben! Schauen wir, dass es bleibt und wir Spuren hinterlassen, die es wert sind, ihnen zu folgen.

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Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

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