Letztes Update vor 4 Tagen
Wissenschaften

WISS 4 - Wo treffen sich Wissenschaft und Kunst?

von Sandra Schwaiger

1799 betrat er 20jährig venezuelanischen Boden. Den Auftrag dazu hat er sich vom spanischen König erhofft und dann auch aufgrund seiner guten Bildung und seiner wohlhabenden Herkunft schließlich erhalten. Zwar hat der König dies später bereut, nicht aber die Nachwelt Alexander v. Humboldt.

Nicht erfreut war die spanische Kolonialmacht über Humboldts erste Kunde, dass die riesigen (Zuckerrohr-)monokulturen dem wunderbaren Land schaden werden und er weiters daraus schloss, dass der Mensch imstande war, das Klima zu seinem eigenen Nachteil zu beeinflussen. Humboldt übte auch Kritik über die verheerende Kolonialpolitik der Europäer, liebte er doch nicht nur die Natur bis in alle Einzelheiten, sondern sah auch die Bedeutung der darin lebenden Kulturen. Alexander v.Humboldt sah den Zauber des Ganzen!

Und doch verlor sein großartiges Schaffen, das die Grundlage für Darwins Evolutionstheorie legte, und Ernst Haeckel sein Werk und seinen Blick auf die Welt erstmals als „Ökologie“ bezeichnete, über die nächsten Jahrhunderte an Bedeutung. Obwohl Humboldt davon überzeugt war, dass ein guter Wissenschaftler immer auch die Kunst miteinbeziehen muss (er malte und schrieb lyrische Texte zu seinen Entdeckungen), entwickelten sich die Naturwissenschaften auseinander und Spezialisierung begann.

Wie trotz seiner Warnung in unseren Tagen Landwirtschaft betrieben wird, wissen wir. Nicht so aber auf der Farm „Ferme du Bec Hellouin“   in einem kleinen Dorf der französischen Normandie. Perrine und Charles Herve-Gruyer bewirtschaften seit mehr als 20 Jahren ein Stück Land, das zu Beginn ihrer Bemühungen um eine nachhaltige, ertragreiche und übers Jahr versorgende Landwirtschaft als unfruchtbar galt. Der Hof sollte auch als Lebensgrundlage für die 6köpfige Familie dienen, was bedeutete, dass der Ertrag auf dem Markt verkauft werden sollte. Perrine und Charles haben mit „humboldtschen“ Enthusiasmus Wissen aus dem ganzen Erdenrund gesammelt, mit den brasilianischen Indianern gelebt, japanische Fermentiertechniken gelernt, die Prinzipien der Permakultur integriert und aus Versuch und Irrtum gelernt. Auf der Farm gibt es kein motorisiertes Arbeitsgerät, aber viele Hände, die sich um das Wohl jeder Pflanze und vor allem die Erhaltung der Fruchtbarkeit des Bodens kümmern. Das haben sie aus Aufzeichnungen der Pariser Gärtner aus vor über hundert Jahren gelernt.

Um 1845 wurde innerhalb der Stadtmauern von Paris auf ca 1400ha, die auf 1800 Gärten und 5 Personen pro Stück Land aufgeteilt waren, Gemüse ganzjährig!! kultiviert. Ganz Paris war Selbstversorger und jeder Gärtner wusste, sein Kapital war ein lebendiger, fruchtbarer Boden. Und dann schau ich aus dem Fenster auf die abgehäckselten unendlich langen Maisfelder, daneben vertrocknetes Grasland ein paar Plastikrundballen darauf drapiert, deren Inhalt von Biodiversität träumt. Aber die Stieglitze holen mich trillernd wieder raus und ich freue mich, dass sie auf meinen Sonnenblumen und Disteln inmitten meiner ca 250m2 großen Gemüseanbaufläche, wo Sellerie, Karotten, Artischocken, Porree, Melanzani, Paprika, Rote Rüben, Bohnen, Melonen,…uvm. mir und meiner Familie saisonal abwechselnd ganzjährig zur Verfügung stehen, auch ihre Mahlzeit finden. Perrine und Charles pflanzen auf 80cm breiten Beeten 24 Reihen Gemüse. 12 Reihen Karotten wachsen nach unten, dazwischen gedeihen Spinat oder div. Kohlpflanzen nach oben. Auf 80cm am konventionellen Feld kommen hingegen nur 2 Reihen Mais.

Namhafte Agrarforscher haben eine erstaunliche Rentabilität der vergleichsweise kleinen Farm in einem mehrjährigem Monitoring vor Ort bewiesen und Pariser Gourmetköche bestechen mit unvergleichbarer Kulinarik, deren hochwertige Zutaten aus Bec Hellouin stammen. Nebenbei verzaubert die Schönheit der Beete und Felder, die darin eingebetteten Teiche und die Vielfalt an Pflanzen mit ins System eingegliederten Tieren. Auf den 14.September dieser Tage fiel Humboldts 250.Geburtstag und seit einiger Zeit hört man auch wieder vermehrt seinen Namen. Es braucht ihn wieder, den Blick aufs Ganze! 

Die Autorin
Sandra Schwaiger

Inhaberin des Yogastudios innen.raum., Yogalehrerin und leidenschaftliche Denkerin über die großen Fragen des Lebens. Gemüsegärtnerin und Autodidaktin.

Wissenschaften

WISS 3 - Miss- oder Vertrauenskultur

von Gerhard Hinterkörner
Johann Nestroy meinte: „Zu viel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, zu viel Misstrauen immer ein Unglück“. Ich schließe mich diesem Zitat zu hundert Prozent an, und bevorzuge ein Leben, das manchmal auf eine Dummheit hinausläuft, als im permanenten Unglück des Misstrauens zu leben.
Wissenschaften

WISS 2 - Ge-lassen

von Sandra Schwaiger
Wer sehnt sich nicht nach ihr? Wer denkt, sie manchmal zu besitzen und ein andermal nicht? Wer wünscht sich nicht sehnlichst, sein Partner, Vorgesetzter,…oder andere nahestehende Personen würden mehr davon haben?! Die Gelassenheit ist ein seltsames Phänomen, so scheint es. Mal da, mal nicht.
Wissenschaften

WISS 1 - Stört das sonst niemand?

von Gerhard Hinterkörner
Immer wenn es um das Thema Gleichstellung zwischen Mann und Frau geht, werden die üblichen Themen getrommelt.

Gender Pay Gap, also der angeblich sehr große Unterschied zwischen den Einkommen, Frauen in Führungspositionen, Unvereinbarkeit zwischen Familie und Beruf und so weiter. Mindestens so oft wie diese Mythen forciert werden, werden von – zumindest einigen Medien – diese Behauptungen stark abgeschwächt.
Wissenschaften

„Wie du denkst, das zählt“

von Gerhard Hinterkörner
„Unglaublich, welches Mindset solche Menschen haben“, sagte mir kürzlich ein befreundeter Fotograf nach einem privaten Fotoshooting bei einem sehr prominenten Österreicher. Diese Aussage interessierte mich insbesondere, da ich wenige Tage zuvor mit einem HR Manager eines internationalen Konzerns sprach, und sich dieser darüber beschwerte, dass keine Leute mehr mit dem passenden Mindset zu finden wären.