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Wirtschaft

WIR 4 - Was wurde hier gewählt

von Gerhard Hinterkörner

Ich kann nicht anders! Als ob es noch nicht genug Berichte über den vergangenen Sonntag gäbe, muss auch ich noch meinen Senf dazugeben. Aber ich verspreche, ich nähere mich dieser Thematik von einer ganz anderen Seite. Meiner Profession entsprechend geht es dabei um Marketing.

Mich interessiert das Wahlergebnis – und zwar jedes der einzelnen Parteien – rein aus der Perspektive des Marketings.

Ich denke, der Wahlsieger eignet sich als die perfekte Fallstudie für jede Business Universität. Wie schafft es ein junger Politiker, eine verstaubte Parteimarke binnen kürzester Zeit völlig neu zu positionieren? Ganz einfach: Werfen Sie einen Blick in ein x-beliebiges Marketinghandbuch. Welche Begriffe werden Ihnen dort unterkommen: „Brand Management, Campaigning-, Omni- oder Multi-Channel-Management, Value Proposition, ...“ und so weiter und so fort. Diese Liste lässt sich lange fortsetzen und viele davon bin ich im Detail durchgegangen, mit einem klaren Ergebnis: perfekt umgesetzt, mit Auszeichnung abgeschlossen.

Wie sehr dem Wahlsieger dieser „Relaunch“ der Partei gelungen ist, beweist ein Blick in ausländische Medien. Alle anderen Parteien, die mit angetreten sind, werden als die Partei benannt, deren Namen sie tragen - mit Ausnahme des Siegers. Der steht als eigene Marke da. Er wird als Phänomen beschrieben, als Teflonkanzler als Porzellangesicht. Ohne Zweifel kontroversiell aber unumstritten ist die Tatsache, dass die Marketingmaschine so perfekt gelaufen ist, dass keiner der Skandale im Wahlkampf die Umfragewerte und letztendlich auch das Wahlergebnis beeinflusst hätten. Ganz im Gegenteil, wie wir jetzt wissen.

Und wie sieht es mit dem zweiten großen Gewinner aus? Zweifelsohne auch bedingt durch viel weniger finanzielle Mittel und einen Spitzenkandidaten der völlig anders tickt, gab es hier eine ganz andere Strategie und kein so perfektioniertes System im Hintergrund. Dafür spielte ein weltweites Marketingkonzept und eine in den letzten Wochen und Monaten omnipräsente Berichterstattung über den Klimawandel, dieser Partei sehr stark in die Karten. Oder denken Sie, dass dieses Comeback der Grünen ohne Greta Thunberg, ohne fridays for future und den berechtigten Aufstieg des Klimawandels zum TOP Thema möglich gewesen wäre?

Ein faszinierendes Detail am Rande: Wären nur Menschen bis 30 Jahre wahlberichtigt gewesen, würden die Grünen gleichauf mit dem Wahlsieger liegen, der im Übrigen bei 60+ am stärksten gepunktet hat. Fazit: „Die Jungen wählen die Grünen, und die Alten den Jungen“.

Aber das Ganze funktioniert natürlich auch in der umgekehrten Richtung: Man kann auch alles falsch machen. Wenn wir das Management der Verliererparteien aus Sicht einer Firma betrachten, stelle ich mir ein Unternehmen vor, das eine Marke hat, aber diese Marke auf der Homepage, auf dem Firmengebäude, auf den LKW´s  und auf den Werbemitteln mit unterschiedlichen Slogans darstellt. Die Geschäftsführerin lebt vegan und redet von den Vorzügen des Fleischkonsums, und es gibt einen führenden Mitarbeiter der weder mit den Kollegen, noch mit Kunden kommuniziert, und diesen ernennt man zum Verkaufsleiter. Das katastrophale Betriebsergebnis wird mit einer Flasche Champagner gefeiert und alle klopfen sich zufrieden auf die Schulter.

Welche Art von Marketing jene 16 Prozent antreibt, die jetzt offensichtlich den absoluten politischen Bodensatz bilden, erschließt sich mir jetzt nicht mehr ganz und scheint mir auch nicht besonders wissenswert.

Zum Schluss also nochmals die Frage: „Was wurde hier gewählt?“. Wie sehr geht es noch um Inhalte und Programme? Um die vielzitierten Werte? Ich befürchte nur noch zu einem sehr geringem Teil. Und ich will dies auch gar nicht bewerten, sondern nur einen Denkanstoß für Ihr Unternehmen, für Ihre Marke, für Ihre Positionierung liefern: Trommeln Sie Ihre Stärken und Ihre Erfolge. Finden Sie einfache, leicht verständliche Erklärungen und Botschaften für Ihre Produkte oder Leistungen. Fragen Sie sich, was Ihre Kunden wollen, was sie von Ihnen erwarten. Wenn Ihnen das gelingt, kann ich ihnen etwas versprechen: Sie werden die Wahl gewinnen!

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

Wirtschaft

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