Letztes Update vor 2 Tagen
Wirtschaft

Die Sinnfrage

von Gerhard Hinterkörner

Wie geht es Ihnen mit Anglizismen wie

• Workshifting
• Cloud-Technologien
• Gen.Y.
• High Potentials
• Big Data Analysis

und dergleichen mehr?

Ich muss gestehen, ich bin da eher noch „old school“ unterwegs.
Mir ist aber klar, dass dies eine Entwicklung ist, der man sich gar nicht erst entgegenstellen braucht oder soll. Einzig bei Agenturpräsentationen, wo man manchmal so zugeschüttet wird mit neuen Ausdrücken und Abkürzungen, habe ich mir schon manchmal eine Zwischenfrage erlaubt und nach der Bedeutung dieses oder jenes Begriffs gefragt. Und siehe da, nicht nur einmal war ich mit einer tiefroten Gesichtsfarbe und dem verzweifelten Ansinnen eines Erklärungsversuchs konfrontiert.

Aber das nur am Rande. Um zumindest bei einem Begriff sattelfest zu sein, habe ich mir heute „New Work“ vorgenommen. New Work ist sozusagen der Inbegriff für den Umbruch in der Arbeitswelt. Und spannenderweise beginnt diese Veränderung mit der Sinnfrage und hat daher das Potenzial, unsere Arbeitswelt von Grund auf zu verändern.

Der Grund, warum wir uns überhaupt mit dem Thema New Work beschäftigen sollten, ist der tiefgreifende Wandel unseres Wirtschaftssystems. Bestimmte Berufe werden künftig einfach überflüssig werden. Neue Technologien, Digitalisierung, Automatisierung, Vernetzung und künstliche Intelligenz, werden für viele Menschen eine Art „alte Arbeitswelt“ erzeugen. Und diese Menschen werden vor der Frage stehen, was sie in Zukunft machen wollen.

Eines liegt dabei auf der Hand: New Work ist ein langwieriger Prozess, der auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen begleitet werden muss und im Prinzip in der Frage endet: „Was WILL ich wirklich tun?“.

Das fatale daran ist, dass wir einerseits mitten in dieser Entwicklung stecken, andererseits unsere Systeme noch im Old Work stecken geblieben sind. Angefangen beim Schulsystem, wo die zentralen Fähigkeiten für New Work überhaupt nicht vermittelt werden. Ja sogar im Gegenteil, die Fähigkeiten und Verhaltensweisen aberzogen werden, die danach im Arbeitsleben wieder massiv gefordert wären.

Mit alten Strukturen bestehend aus Hierarchien, Planung und Fehlervermeidung werden dann die Schulabgänger in den Firmen empfangen. Eigentlich völlig überholt für diese rasante Welt. Die neue Arbeitswelt braucht in erster Linie Vertrauen. Bei remote work oder home office vermischen sich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Damit müssen die Unternehmen umgehen können.

Die guten Leute werden sich sonst anders orientieren. Für die ist es nämlich um vieles leichter geworden, zu machen was sie wirklich WOLLEN. Die meisten Tools, die sie dazu brauchen, stehen ihnen im Internet gratis zur Verfügung. Plattformen werden von Youtubern und Bloggern professionell genützt. Über Crowdfunding werden die finanziellen Mitteln dazu aufgestellt. Völlig neue Modelle entstehen binnen kürzester Zeit. Die erfolgreichsten Unternehmen haben mittlerweile keine Produkte mehr. Wer hätte an so eine Entwicklung vor 10 Jahren geglaubt?

Jetzt aber wissen wir es besser und sollten gemeinsam an neuen Modellen arbeiten. Jeden Tag und konsequent und mit der Freude von Menschen, die machen was sie wirklich wollen.

Der Autor
Gerhard Hinterkörner

Unternehmer aus Leidenschaft, Familienvater, Hobbysportler und Genussmensch!

g.hinterkoerner@movement21.at

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