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Migräne - Kampf dem Kopf-Gewitter

Migräne-Tage sind Streichtage. Die alles vernichtenden Kopfschmerzen, die häufig von Übelkeit und Schwindel begleitet werden, sind nicht nur unangenehm – schier aus dem Nichts kommend legen sie auch den Alltag der Betroffenen fast völlig lahm. Schätzungen zufolge werden rund 10 % aller ÖsterreicherInnen wiederkehrend von dieser Pein heimgesucht und dabei Frauen drei Mal häufiger als Männer. Es gibt jedoch wirksame Gegenstrategien.

08.10.2021

Die Vorbotenphase: Die subtile (Un-)Ruhe vor dem Sturm
Unter Migräne-Leidende haben es meistens schon „im Urin“, dass etwas Seltsames in der Luft liegt. So umreißen subtile Vorboten das herannahende „Kopf-Gewitter“. Rund ein Drittel der Betroffenen wird bereits Tage oder nur wenige Stunden vor Ausbruch von einem ungewohnt starkem Verlangen nach Süßem heimgesucht. Auch Müdigkeit, Gereiztheit, Nervosität oder sogar eine depressive Gemütslage können sich breit machen. Andere wiederum fühlen sich besonders gut – sprühen vor Kreativität und Energie und verfallen teilweise schon fast in die Hyperaktivität.

Migräne mit Aura: Ich sehe was, was du nicht siehst!
Strahlenkränze, Zickzack-Formen, Schlieren. Etwa 10 - 15 % der Migräne-PatientInnen leiden unter einer speziellen Form der Migräne, der Migräne mit Aura. Wie das Morgengrauen einen neuen Tag ankündigt, so nehmen die Betroffenen dieser Sonderform im Vorfeld einer Migräne merkwürdige Veränderungen im Blickfeld wahr - Veränderungen, die von Minute zu Minute stärker werden. Neben optischen Effekten können auch weitere Schmerzvorboten, wie Schwindel, Kribbeln, Taubheitsgefühle, Lähmungen oder Schwächegefühl, vorausgehen, bevor sich der vernichtende Kopfschmerz in der Regel ca. 30-60 min später zu entladen beginnt.

Die Schmerzphase. Das Gewitter entlädt sich
Heimtückisch zusammengebraut, brechen dann plötzlich die alles vernichtenden Kopfschmerzen mit voller Wucht herein. Das Schmerzgeschehen beschränkt sich hierbei meist auf eine Kopfhälfte. Im Laufe einer Attacke kann sich der Schmerz jedoch auch ausdehnen oder die Seite wechseln. Reize wie Gerüche, Geräusche, Licht und Berührungen scheinen fast unerträglich. Auch weitere Symptome können auftreten – von Schwindel, Appetitlosigkeit und Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Während bei normalen Kopfschmerzen Frischluft guttut, verschlimmert sich bei Migräne das Schmerzgeschehen durch Licht und Bewegung. Nur das „Abschotten“ in stille, dunkle Räume hilft. Unbehandelt kann der Migräneanfall zwischen vier bis zu 72 Stunden andauern.

Migräne. Wieso ich?
Migräne ist eine komplexe neurologische Kopfschmerzerkrankung, deren Ursachen und Mechanismen nach wie vor nicht vollständig geklärt sind. Dank intensiver Forschung weiß man mittlerweile relativ gewiss, dass Betroffenen bereits eine bestimmte Veranlagung zur Migräne in die Wiege gelegt wurde. Und noch etwas haben „Migräniker“ gemeinsam: Ein hochaktives und zugleich empfindliches Nervensystem. Spielen dann ein oder mehrerer Faktoren zusammen, kann sich dies über eine übermäßige Ausschüttung von Botenstoffen (z.B. Serotonin) zu einem neurologischen Gewittersturm zusammenbrauen.

Lust noch weiter in die Tiefe zu tauchen? Then let’s go!
Als weitere Mechanismen werden von der Wissenschaft zudem noch Entzündungs- und Gefäßreaktionen diskutiert. Und zwar geht man nach aktuellen Erkenntnisstand davon aus, dass der Startschuss einer Migräne im Migräne-Zentrum des Hirnstamms erfolgt – nämlich durch eine Überaktivität der dort ansässigen, reizempfindlichen Nerven. Dieses nervliche „Brodeln“ führt dazu, dass Schmerzsignale ans Gehirn geleitet werden. Dieses lässt mit der Antwort nicht lange auf sich warten. Als Reaktion kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von speziellen Botenstoffe (vasoaktive Neuropeptide), die zu einer Weitung der Gefäße führt und die Gefäßwände durchlässiger macht. So können bestimmte Blutbestandteile (z.B. entzündliche Eiweißstoffe) das umliegende Gewebe schwemmen. Entzündungen an Hirngewebe und Hirnhäute treten auf, die wiederum Schmerzimpulse lostreten - Willkommen im Mitten des Kopf-Gewitters.

Von Schmetterlingsschlägen und Triggern: Auslöser einer Migräne
So wie der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Sturm auslösen kann, so können auch scheinbar harmlose Faktoren ein Gewitter in unserem Kopf lostreten. Welche Trigger dies sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Als häufige „Zünglein an der Waage“ gelten:

  • Stress, Überarbeitung, Aufregungen und Ängste
  • Schlafstörungen, Schlafentzug
  • Hormonelle Schwankungen
  • Sensorische Reize (grelles Licht, Lärm, Geruch)
  • Witterungseinflüsse (Wetterumschwung, Föhn, Hitze)
  • Unregelmäßiges Essen/Trinken und das Auslassen von Mahlzeiten
  • Flüssigkeitsmangel
  • Alkohol, Koffein und Nikotin
  • Bestimmte Lebensmittel: z.B. stark histamin- oder tyraminhaltige Lebensmittel (wie z.B. Rotwein, Käse, Schinken)

Klaren Kopf bewahren - Hilfe zur Selbsthilfe

  • Läuft nach Plan! Die beste Vorbeugung gegen eine Migräneattacke ist ein geregelter Tagesablauf. Feste Schlafens- und Essenszeiten „entstressen“ den Organismus. Kontraproduktiv hingen sind Veränderungen im Tagesrhythmus (Essens- & Tageszeiten) sowie plötzliche An- und Entspannungsphasen.
  • Ich schreibe täglich meine Sorgen... Die Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind teils schwer zu entschlüsseln. Führen Sie deshalb eine Art Tagebuch, welches Essgewohnheiten, Lebensstil, Medikamenteneinnahmen und Kopfschmerzverhalten (u.a. Stärke, Dauer, Tageszeit) dokumentiert. So können die Auslöser der Attacken eingekreist, wenn nicht gar identifiziert werden.
  • Fitness & Frischluft. Eine kurze Wanderung, ein ausgedehnter Waldspaziergang, eine lockere Joggingrunde – regelmäßige Bewegung in Mutter Natur hält nicht nur fit, sie kann auch das Migränerisiko klein halten.
  • Zeit zum Durchatmen. Das Nervensystem von Migränepatienten arbeitet auf Hochtouren. Umso wichtiger ist es, ihm regelmäßige Verschnaufpausen zu gönnen. Ausgewählte Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson können aktiv dabei helfen, das Nervensystem „runterkommen“ zu lassen.
  • Essen gegen Migräne. Da die Nerven von Migräne-Kranken hochaktiv sind, weist ihr Gehirn - Vermutungen zufolge - auch einen erhöhten Energiebedarf auf. Eine mangelnde Energieversorgung des Gehirns kann wiederum Migräne auslösen. Umso wichtiger ist es für Migräniker, auf einen stabilen Blutzuckerspiegel zu achten. Für eine stetige Energieversorgung des Gehirns sorgen komplexe Kohlenhydrate aus Getreideprodukten, Hülsenfrüchten und Kartoffeln sowie Mehrfachzucker aus Obst und Gemüse.

Mikronährstoffe – der Migräne natürlich den Kampf ansagen
Nicht nur das Ernährungsverhalten kann Migräne beeinflussen. Auch bestimmte darin enthaltene Mikronährstoffe können - gezielt eingenommen - Einfluss auf das Migränegeschehen nehmen. In den offiziellen Leitlinien der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) werden Migräne-Kranken insbesondere folgende drei Mikronährstoffe ans Herz gelegt:

  • Magnesium: Wer sich auf die Suche nach Anti-Migräne-Nährstoffen macht, der kommt um Magnesium nicht drum rum. Der Mineralstoff dämpft die Ausschüttung von Stresshormonen, wirkt entspannend und trägt gleichzeitig zur ordnungsgemäßen Energieversorgung von Nerven und Gehirn bei. Während ein Mangel an Magnesium das Auftreten von Migräne fördert, können gezielte Magnesium-Gaben vorbeugend wirken. Diesen Anti-Migräne-Effekt bestätigt auch eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit aus mehreren Studien (Metaanalyse). In dieser reduzierte die gezielte Magnesium-Einnahme die Häufigkeit und Intensität von Migräne-Attacken. Zudem nimmt Magnesium während eines Migräneanfalls, intravenös verabreicht, den Gewittersturm den Wind aus den Segeln. So konnte bereits kurze Zeit später eine Linderung der Migräne-Symptomatik beobachtet werden.
  • Vitamin B2: Besonders gut bei Migräne beschrieben, ist auch der prophylaktische Einsatz von hochdosierten Vitamin B2. Wie Magnesium, so wirkt auch Vitamin B2 tatkräftig an der Energieversorgung von Gehirn und Nerven mit. Studien zeigen, dass Vitamin B2 sowohl alleine, als auch in Kombination mit anderen Nährstoffen, zur Vorbeugung von Migräne beitragen kann. So reduzierte in einer Studie die gezielte Einnahme von Vitamin B2 über 3 bzw. 6 Monate die Frequenz der Attacken um 44 %.  
  • Coenzym Q10: Der Dritte im Migräne-Prophylaxe-Bunde ist Coenzym Q10. Die vitaminähnliche Substanz trägt nicht nur zur reibungslosen Energiegewinnung bei - dank ihrer antioxidativen Fähigkeiten hilft sie auch mit, oxidativen Stress (=> einem weiteren vermuteten Migräne-Trigger) in Schach zu halten. Screenings an Migräne-Patientinnen zeigten, dass bis zu 75 % der Frauen einen erniedrigten Coenzym-Q10-Spiegel aufwiesen. Wurde die Unterversorgung mittels Q10-Präparaten behoben, reduzierte sich die Migränefrequenz und die Migränesymptome wurden milder.

Weitere Anti-Migräne-Nährstoffe
Neben dem etablierten Migräne-Trio Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 sind in Studien noch weitere Naturstoffe zur Migräne-Prophylaxe beschrieben. Hierzu zählen allen voran Vitamin D3, Alpha-Liponsäure sowie Ginkgo-biloba. Während Vitamin D3 und Gingko biloba positiv auf das Entzündungsgeschehen wirken können, trägt Alpha-Liponsäure dazu bei, das Gehirn mit ausreichend Energie zu versorgen und es vor oxidativem Stress zu schützen.

Fazit: Mikronährstoffe können Migräne-Attacken den Kampf ansagen. Nebenwirkungsfrei und verträglich sind sie eine natürliche Prophylaxe-Maßnahme, die es ohne Kopfzerbrechen wert ist, auszuprobieren.

Referenzen und weiterführende Quellen:
Österreichische Gesellschaft für Neurologie: https://www.oegn.at/presseinformation/europaeische-kopfschmerz-und-migraenetag/, Zugriff: 29.9.2021.
Neurologen und Psychiater im Netzt: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/migraene/ursachen/ , Zugriff: 29.9.2021.
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Die Autorin
Mag. Margit Weichselbraun

Ernährungswissenschaftlerin 
Expertin Wissensmanagement 
Mitglied des Wissenschaftsteams
Miracon Science GmbH 

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