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Ernährung

Genuss trotz Histaminintoleranz: Neue Erkenntnisse aus Forschung und Wissenschaft

Ein lang gereifter Käse, ein Glas Rotwein und ein zartes Stück Schokolade – für viele ein wahrer Genuss, für andere die reinste Qual.

12.08.2021

Denn wer nach diesen Köstlichkeiten plötzlich unter einer laufenden Nase, Schwindel, Hautrötungen, Hitzewallungen oder Kopfschmerzen leidet, sollte diese Alarmzeichen in jedem Fall ernst nehmen. Ein Überschuss an Histamin kann der Auslöser sein.

Was ist Histamin?
Histamin ist ein körpereigener Neurotransmitter, der zahlreiche wichtige Funktionen erfüllt. So spielt es eine Rolle in der Immunantwort und ist als Signalstoff in der Abwehr von Bakterien und Viren unverzichtbar. Außerdem weist es uns durch das Auslösen von Juckreiz darauf hin, wenn etwas mit unserer Haut nicht in Ordnung ist.

Histamin entsteht durch einen einfachen Umwandlungsschritt aus der ähnlich klingenden Aminosäure Histidin. Auch Bakterien können diese Umwandlung durchführen. Das ist auch der Grund dafür, warum man vergleichsweise große Mengen von Histamin in fermentierten (sprich: bakteriell gereiften) Nahrungsmitteln findet. Dazu gehören etwa geräuchertes Fleisch oder Fisch, gereifter Käse, Sauerkraut und alkoholische Getränke wie Bier oder Wein.
Mit der Nahrung aufgenommenes Histamin wird im Normalfall durch das körpereigene Enzym Diaminoxidase, kurz DAO, abgebaut. Wenn dieses Enzym effektiv arbeitet, dann wird das Nahrungs-Histamin zerlegt, bevor es sich auf den Körper auswirken kann.

Was ist eine Histamin-Unverträglichkeit?
Eine ungewollte Reaktion auf Histamin entsteht dann, wenn zu viel von der Substanz im Körper ist. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Einerseits ist es möglich, dass die Zufuhr zu hoch ist. Werden große Mengen histaminreicher Nahrungsmittel konsumiert, kann dies das körpereigene Abbau-System überfordern. Dazu zählen nicht nur fermentierte Speisen, sondern auch Nahrungsmittel, die von Natur aus sehr histaminhaltig sind, wie etwa Tomaten oder Spinat. Andererseits ist es auch möglich, dass der Histamin-Abbau durch bestimmte Stoffe gehemmt wird, die man etwa in Pilzen findet. Schließlich kann es auch sein, dass die Diaminoxidase in zu kleinen Mengen vorhanden ist, oder nicht effektiv arbeitet.
Die Symptome einer Histamin-Unverträglichkeit sind nicht immer eindeutig, und können sich über den Verdauungstrakt, den Kreislauf oder die Haut äußern. Häufig sind Verdauungsbeschwerden, Schwindel, Kurzatmigkeit, Herzstolpern oder Hautausschläge. Sehr oft werden diese Symptome nicht mit der Histamin-Unverträglichkeit als Auslöser in Verbindung gebracht. So können mitunter Jahre vergehen, bis der Grund für solche Leiden gefunden wird und entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Was kann man bei einer Unverträglichkeit tun?
Die häufigste und zugleich einfachste Empfehlung bei einer Histamin-Intoleranz lautet, histaminreiche Lebensmittel zu vermeiden. Das bedeutet aber eine recht große Einschränkung des Speiseplans, was im Alltag eine Belastung sein kann. So muss möglicherweise auf die eine oder andere Lieblingsspeise verzichtet werden und auch die Auswahl im Restaurant ist eingeschränkt.

Glücklicherweise gibt es noch andere Möglichkeiten, um mit einer Histaminintoleranz umzugehen. So sollte etwa sichergestellt werden, dass der Körper ausreichende Mengen an Stoffen hat, die für die Funktion der Diaminoxidase wichtig sind. Sogenannte „Cofaktoren“ für das Enzym sind speziell die Mineralstoffe Kupfer und Zink, sowie die Vitamine C und B6. Sind diese Vitalstoffe in ausreichenden Maßen vorhanden, so könnte immer noch zu wenig DAO im Körper sein. Ob dies der Fall ist, lässt sich durch eine Laboruntersuchung feststellen.

Doch auch wenn ein DAO-Mangel vorliegt gibt es noch Hoffnung, denn die Diaminoxidase kann von außen zugeführt werden. Dazu wird das Enzym in Pulver- oder Kapselform mit einer Mahlzeit eingenommen. Sobald die DAO dann im Speisebrei aufgelöst ist, beginnt sie mit ihrer Aufgabe, das Nahrungs-Histamin abzubauen. Ein übermäßiges Anfluten des Botenstoffs wird dadurch verhindert, und unerwünschte Reaktionen bleiben aus.
Die Effektivität einer solchen Therapie konnte in einer Pilotstudie bei Personen mit Histaminintoleranz gezeigt werden. Die Teilnehmer erlangten nach einer 4-wöchigen, oralen Einnahme der DAO eine signifikante Verbesserung hinsichtlich der Häufigkeit und Intensität ihrer Symptome. Außerdem zeigte sich bei 61 % der Personen während der Anwendung ein Anstieg der DAO im Blut, was darauf hinweist, dass die Einnahme des Enzyms sich auch abseits der Verdauung

Handlungsempfehlungen bei Histaminintoleranz:

  • Histaminhaltige Speisen meiden/reduzieren
  • Funktion der Diaminoxidase durch Cofaktoren (Zink, Kupfer, Vitamin C und B6) unterstützen
  • Direkte Zufuhr des Enzyms Diaminoxidase

Fazit: Eine Histamin-Unverträglichkeit kann eine bedeutende Belastung im Alltag darstellen. Ist das Problem erst einmal erkannt, lässt es sich durch die Vermeidung bestimmter Speisen vorbeugen. Weitere Lösungsansätze finden sich in einer gezielten Mikronährstoffzufuhr oder in der Einnahme des Enzyms Diaminoxidase.

Referenzen:
Schnedl, W. J., Schenk, M., Lackner, S., Enko, D., Mangge, H., & Forster, F. (2019). Diamine oxidase supplementation improves symptoms in patients with histamine intolerance. Food science and biotechnology, 28(6), 1779-1784.

https://www.mikronaehrstoffcoach.com/de/at/mikronaehrstoffe/micronutrient.diaminooxidase.html

 

 

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Die Autorin
Dr. Michael Kohlberger B.Sc. M.Sc

Humanbiologe

Experte Wissensmanagement
Mitglied des Wissenschaftsteams
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