Newsletter vom 16.04.2020 - Movement 21
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Aktuelles

Newsletter vom 16.04.2020

von Gerhard Hinterkörner

Liebe First Mover,

allen voran: es stehen Ihnen wieder zwei neue Beiträge zur Verfügung! Nachdem Sandra in ihrem Beitrag nach Luft schnappt, habe ich mich gleich für „no sports“ entschieden. Ich hoffe, es sind einige Denkanstöße für Sie dabei, und falls Sie dies zu Kommentaren anregt, lassen Sie sich durch nichts aufhalten!

Bei allen, die gestern bei unserer Diskussion über Speed Marketing und Chancen im digitalen Bereich teilgenommen haben, möchte mich vielmals bedanken, und bei allen, die versucht haben, sich beim Wochenteilen anzumelden, darf ich mich entschuldigen. Ich hatte ein technisches Problem, das ich gestern leider nicht mehr lösen konnte. Bitte nicht abschrecken lassen, sonst hat bisher jede Sitzung reibungslos funktioniert!

Ich nehme die derzeitige Stimmung als eine sehr gespaltene wahr. Einerseits gibt es Silberstreifen am Horizont, andererseits – so kommt es mir vor – werden die Sorgen über die Auswirkungen der gesetzten Maßnahmen jetzt mehr. Mit einem Wort: Existenzsorgen. Genährt werden diese von einer sehr unglücklichen Rhetorik vieler Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, wo Vergleiche mit 1930 und der großen Depressionen gezogen werden. Keine guten Signale um Impulse für Hoffnung und Kaufkraft zu setzen.

Viele Diskussionen, die ich jetzt führe, münden auch in der Frage der Finanzpolitik und der enormen Schulden, die jetzt getätigt werden. Ich habe dieses Thema gestern mit Stephan Heibel diskutiert. Stephan ist ausgewiesener Finanzexperte, verbrachte einige Jahre in New York und verfasst seit 2006 den „Heibel-Ticker“, einen der erfolgreichsten Börsenbriefe im deutschsprachigen Raum. Über seine grundsätzlich sehr positiven Einschätzungen möchte ich in einem der nächsten Beiträge eine Zusammenfassung erstellen.

Vorweg darf ich Ihnen aber gleich im Anschluss an diesen NL einen Leserbrief übermitteln, den Stephan zum Thema „Geld drucken, Schulden, Inflation“ und anderen Stichworten verfasst hat. Mir gefällt sein pointierter Stil und ich denke, er beantwortet damit auf sehr einfache Weise, worauf es jetzt aus wirtschaftlicher Sicht in erster Linie ankommt! Nämlich auf die Umlaufgeschwindigkeit. Und diese erreichen wir nicht mit negativen Botschaften und Vergleichen mit der großen Depression, sondern genau mit dem Gegenteil: mit optimistischen Ansätzen und hoffnungsvollen Gedankengängen.

Viel Spaß mit dem Leserbrief von Stephan Heibel:

 

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Sehr geehrter Herr Heibel,

falls Sie Zeit finden, mir eine Frage zu beantworten...

Wo kommen plötzlich die Billionen, Milliarden und Millionen an Geld her, und wer soll sie zurückzahlen?

Ich habe übrigens am 26.02.20 die letzten Anlagen verkauft, soz. 100% cash im Depot. Den Hickhack im Zusammenhang mit der Coronakrise wollte ich mir ersparen. Mit 71 Jahren sollte ich auch so langsam ans Geldausgeben denken (Scherz). Danke auch für die immer sehr seriösen Informationen.

Viel Glück und gute Nerven in diesen Zeiten!

Mit freundlichen Grüßen
Gerhard aus Sindelfingen
4.4.

ANTWORT
Die Notenbanken können Geld aus dem Nichts erschaffen. Beispielsweise kommt eine normale Geschäftsbank zur Notenbank und sagt, mein Kunde, der Autobauer XY, möchte gerne einen Kredit über 100 Mio. Euro von mir haben. Gibst Du, liebe Notenbank, mir das Geld, damit ich dem Kunden den Kredit geben kann?

Die Notenbank schaut nun nicht etwa in den Tresor um festzustellen, ob dort 100 Mio. Euro liegen, die verliehen werden können, sondern nimmt ein weißes Blatt Papier und schreibt drauf: „100 Mio. Euro”. Dieses Papier gibt sie der Bank und sagt: „Das müsst ihr uns aber irgendwann zurück geben”. Die Bank geht mit dem Papier zum Kunden, händigt das 100 Mio. Euro Blatt (man könnte auch Schein sagen) aus und schwups sind 100 Mio. Euro mehr im Umlauf unseres Geldsystems.

Natürlich habe ich bei dieser vereinfachten Darstellung nicht berücksichtigt, dass die Notenbank sich die Bilanz der Bank anschaut und nur Geld bis zu bestimmten Höchstwerten in Abhängigkeit von der Bilanz ausleiht. Und es gibt Zinsen, Laufzeiten und vieles mehr. Aber das Grundprinzip ist immer gleich: Die Notenbank kann neues Geld aus dem Nichts erschaffen.

Die Menge an Geld, die von der Notenbank erschaffen werden kann, soll genau so sein, dass wir eine kleine Inflation haben, "nahe bei, nicht aber über 2%” lautet noch immer das offizielle Ziel. Wenn die Notenbank zu viel von diesen Papieren schreibt, dann entsteht ein Wettbewerb um die Güter, so dass deren Preise zu schnell steigen könnten - die Inflation würde also über 2% springen. Wenn das passiert, dreht die Notenbank an der Zinsschraube oder nutzt andere „unkonventionelle” Maßnahmen, um eine zu hohe Inflation wieder zurückzuführen.

Inflation ist dabei die Maßeinheit für die Veränderung des Geldwertes. Das Mandat der Notenbank lautet, für Geldwertstabilität zu sorgen. Kaufkraft und Preisniveau müssen also aufeinander abgestimmt sein.

Jetzt gehen wir mal vereinfacht davon aus, dass wir eine bestimmte Geldmenge für die verfügbaren Güter haben. Wenn - wie wir derzeit beobachten - die verfügbaren Güter weniger werden, weil die Wirtschaft in ein künstliches Koma versetzt wurde, und gleichzeitig die Geldmenge drastisch ausgeweitet wird, weil Regierungen mit Konjunkturprogrammen um sich schmeißen (auch Regierungen sind „Kunden” der Geschäftsbanken), dann sollte man auf den ersten Blick meinen, dass die Preise nach oben schießen und wir eine ziemlich hohe Inflation bekommen. Das ist jedoch falsch, denn wir haben in unserer Betrachtung noch nicht die Zeit berücksichtigt.

Die oben genannten 100 Mio. Euro können von dem Bankkunden verwendet werden, um eine zusätzliche Fabrik zu bauen. Der Fabrikbauer erhält das Geld und kauft damit die erforderlichen Maschinen ein, der Maschinenbauer nimmt das Geld und kauft Vorprodukte ein, um die Maschinen zu bauen und der Zulieferer verwendet das Geld für den Einkauf von Rohstoffen. Das Ganze spielte sich nun beispielsweise von Januar bis Dezember ab. Mit den 100 Mio. Euro wurden 4 Rechnungen bezahlt. Unser Bruttoinlandsprodukt würde durch diesen Vorgang um 400 Mio. Euro anspringen. Güter im Wert von 400 Mio. Euro wurden nachgefragt. Die zusätzlichen 100 Mio. Euro haben also noch viel mehr an Nachfrage erzeugt als der ursprüngliche Betrag. Die zu erwartende Inflation wäre also deutlich höher.

In diesen Tagen erleben wir das genaue Gegenteil. Unzählige Firmen laufen zu ihren Banken, um Kredite zu bekommen. Sie bekommen ihre 100 Mio. Euro, die von der Notenbank aus dem Nichts erschaffen werden und die Kredite werden von der Bundesregierung abgesichert. Nun wird mit den 100 Mio. Euro aber keine neue Fabrik gebaut, sondern es werden fällige Gehälter an Mitarbeiter ausgezahlt, fällige Mieten überwiesen und fällige Rechnungen bezahlt. Diese Zahlungen wären ohnehin erfolgt, wenn das Geschäft normal verlaufen wäre, doch aufgrund des künstlichen Komas unserer Wirtschaft fehlen vielen Unternehmen Einnahmen, mit denen diese Zahlungen geleistet worden wären.

Geld, das irgendwo in den Tresoren vieler Kunden liegt, die eigentlich ein Auto gekauft hätten, liegt derzeit noch immer im Tresor. Dieses Geld wurde der Wirtschaft vorübergehend entzogen, da es nicht „umgeschlagen” wird. Wir erinnern uns: Das Bruttoinlandsprodukt wird bestimmt durch die verfügbare Geldmenge und durch die Häufigkeit, wie oft das Geld innerhalb des Jahres zur Zahlung verwendet wird (Umlaufgeschwindigkeit).

Die Umlaufgeschwindigkeit ist aufgrund der Coronakrise eingebrochen. Diesen Einbruch muss die Notenbank durch eine Erhöhung der Geldmenge ausgleichen, damit die Geldwertstabilität gewahrt wird.

Soweit sind sich alle einig. Worin nun die Experten streiten, ist die Fähigkeit der Notenbank, die einmal ins System geschleuste Geldmenge wieder zurückzuholen, wenn die Wirtschaft wieder anläuft, wenn sich also die Umlaufgeschwindigkeit wieder erholt.

Wer soll das alles zurückzahlen? Nun, der Autobauer, die Regierung (über Steuern, also wir), …

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Sorgen wir also dafür, dass unser Geld im Umlauf bleibt. Frei nach George Best (einen ehemaligen nordirschen Fussballprofi): „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben … den Rest habe ich einfach verprasst.“

Lassen Sie es sich gut gehen!

Ihr First Mover



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Der Autor
Gerhard Hinterkörner

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